Bundeswehr-Artillerie erst 2035 vollständig aufgebaut

Russland bitte warten, denn Deutschland braucht bis 2035, um seine Artillerie aufzubauen. „Als Berichterstatter des Heeres für meine Fraktion wollten ich und meine Kollegen wissen, wie die Bundeswehr die Zukunft der Artillerie plant“, berichtet MdB Jens Lehmann (CDU). „Die Antworten sind in ihrer Klarheit leider erschreckend und zeigen, dass die Zeitenwende nicht angekommen ist und nicht umgesetzt werden kann.“

Das Artillerielehrbataillon 345 (ArtLehrBtl 345) erprobt das Mittlere Artillerie Raketensystem II (MARS), fünf dieser Systeme gingen aus Bundeswehrbeständen an die Ukraine.
Das Artillerielehrbataillon 345 (ArtLehrBtl 345) erprobt das Mittlere Artillerie Raketensystem II (MARS), fünf dieser Systeme gingen aus Bundeswehrbeständen an die Ukraine.
Foto: Bundeswehr/Mario Bähr

Die an die Ukraine abgegebenen Raketenwerfer MARS II sollen durch fünf Systeme des Raketenartilleriesystem PULS ersetzt werden. „Zwar ist es erfreulich, dass man sich auf den Raketenwerfer PULS als Nachfolger des Systems MARS II fokussiert. Aber was mich erschreckt ist die Tatsache, dass der strukturelle Umfang des Heeres immer noch untersucht wird“, betont MdB Lehmann. „Wir sind im Jahr Zwei der Zeitenwende und an allen Ecken und Enden wird noch immer geprüft und untersucht. Das zeigt, dass das Ministerium und die Bundeswehr noch zu sehr im Friedensbetrieb gefangen sind und die haushalterischen Fesseln eine konkrete Festlegung verhindern.“

Die CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages hatte mit einer Kleiner Anfrage wissen wollen, womit uns bis wann die an die Ukraine abgegebene Artillerie (14 Panzerhaubitzen 2000 und 5 Raketenwerfer MARS II) inklusive der Munition ersetzt würden. „Aus den Antworten liest man deutlich die Hoffnung, dass Russland seine Politik um 180 Grad ändert und friedlich wird“, sagt Lehmann. „Dass das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr in den Jahren 2027, 2031 und 2035 den sukzessiven Aufwuchs der Artillerietruppe beschreibt, ist in der heutigen Zeit eine sicherheitspolitische Bankrotterklärung. Das ist viel zu spät. Wir müssen mit der Division 2025 ein klares Bild vom Aufwuchs der Artillerietruppe haben.“

Die an die Ukraine abgegebenen Raketenwerfer MARS II sollen durch fünf Systeme des Raketenartilleriesystem PULS ersetzt werden. Die entsprechenden 25-Mio-Vorlagen sollen laut der Bundesregierung vor der parlamentarischen Sommerpause 2024 in den Haushaltsausschuss gehen. Diese gehen jedoch nicht in die abgebenden Einheiten ArtBtl 295, ArtBtl 131 und ArtBtl 325, sondern werden als Erstes an den Ausbildungseinrichtungen genutzt. Außerdem betont die Bundesregierung: „Die fünf Systeme können somit als Ein- stieg in die Realisierung des Zukünftigen Systems Indirektes Feuer großer Reichweite (ZukSysIndFgRw) dienen, welches die zwingende Interoperabilität der Systeme inklusive der Munition mit den niederländischen Raketenartilleriekräften vorsieht. Die Systeme sollen Teil der zukünftigen Ausstattung einer Divisions- und Korpsartillerie sein. Die Brigadeartillerie wird zukünftig nicht mit Raketenartilleriefähigkeit ausgestattet.“

Für MdB Lehmann ist vor allem der gewählte Zeitansatz zu groß. „Der endgültige Ersatz der fünf abgegebenen Systeme soll im Zukünftigen System Indirektes Feuer großer Reichweite erfolgen. Allerdings erst ab dem Jahr 2028. Bis die Systeme also in der Truppe ankommen, ist es weit nach 2030. Das kann nicht unser Anspruch sein“, betont Lehmann. „Ich sehe darin die Bestätigung, dass die Bundesregierung die Zeitenwende nicht ernst nimmt und nun den Fehler begeht, auf dem Rücken der Bundeswehr zu sparen. Andernfalls würde sie die Truppe mit mehr Mitteln ausstatten, sodass Truppenumfänge und die erforderliche Anzahl an Großgerät heute festgelegt werden und dementsprechend jetzt auch die dafür erforderlichen Systeme in den benötigten Umfängen beschafft werden könnten. Die Priorität der Ampel muss auf der zukünftigen Sicherheit Deutschlands liegen, nicht bei ihren ideologischen Projekten.“

Dorothee Frank

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ArtillerieBundeswehrMARS IIMdB LehmannPzH 2000Ukraine

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