Es ist bislang nicht klar, ob eine Anfang April abgeschossene F-15E der US-Luftwaffe von einer schultergestützten Flugabwehrrakete chinesischer Herkunft getroffen wurde. Fest steht jedoch, dass moderne Versionen dieser Waffenklasse eine ernstzunehmende Bedrohung für Kampfflugzeuge darstellen.
Israelische Experten erklärten, dass chinesische tragbare Flugabwehrraketensysteme (MANPADS), insbesondere die Typen FN-16 und QW-18, eine erhebliche asymmetrische Gefahr für US-Luftfahrzeuge darstellen. Dies gilt vor allem für Tiefflugeinsätze, Luftnahunterstützung (Close Air Support, CAS) sowie Such- und Rettungsmissionen (Search and Rescue, SAR). Diese hochmobilen, infrarotgelenkten Waffen sind leicht, kostengünstig und dennoch in der Lage, modernen westlichen Kampfflugzeugen schwere Schäden zuzufügen.
Den Experten zufolge verändert die zunehmende Verbreitung dieser schultergestützten Boden-Luft-Raketen das Einsatzumfeld für die US-Streitkräfte und ihre Verbündeten grundlegend. Während moderne Kampfflugzeuge der fünften Generation in Höhen operieren können, die außerhalb der Reichweite von MANPADS liegen, bleiben Flugzeuge für Luftnahunterstützung, Luftbetankung oder Aufklärungsmissionen in geringer Höhe besonders verwundbar.
Bei der FN-16 und der QW-18 handelt es sich um Flugabwehrsysteme der dritten Generation. Sie können Ziele in Höhen von bis zu vier Kilometern und auf Entfernungen von bis zu sechs Kilometern bekämpfen.
Beide Systeme verfügen über moderne infrarotgelenkte Suchköpfe, die darauf ausgelegt sind, zeitgemäße Gegenmaßnahmen zu überwinden. Die QW-18 ist mit einem Zweiband-Infrarotsuchkopf ausgestattet, der speziell entwickelt wurde, um auch bei intensivem Einsatz von Infrarot-Täuschkörpern (Flares) wirksam zu bleiben. Das System erreicht eine maximale Einsatzhöhe von etwa vier Kilometern und kann Flugzeuge bekämpfen, die bereits in nur zehn Metern Höhe über dem Boden fliegen.
MANPADS leicht zu bedienen
Die besondere Gefahr besteht darin, dass diese kostengünstigen und tragbaren Waffen nur eine minimale Ausbildung der Bediener erfordern, gleichzeitig jedoch strategisch bedeutsame Auswirkungen haben können. Dadurch werden die USA gezwungen, ihre Einsatzverfahren anzupassen. So vermuteten Ermittler während jüngster US-Militäroperationen gegen den Iran, dass chinesische MANPADS eine glaubwürdige Bedrohung für tieffliegende Flugzeuge darstellen könnten. Dies beeinflusste die Planung von Tiefenschlägen und Kampfrettungsmissionen erheblich.
Zur Verringerung dieser Risiken setzt das US-Militär in hohem Maße auf Operationen zur Unterdrückung feindlicher Luftverteidigungssysteme (Suppression of Enemy Air Defenses, SEAD) sowie auf moderne gerichtete Infrarot-Gegenmaßnahmensysteme (Directed Infrared Countermeasure, DIRCM).
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