Iran-Krieg: USA verlegen Dutzende Tankflugzeuge – Bodenoffensive wird wahrscheinlicher

Acht Nächte in Folge hat das US-Militär Ziele im Iran angegriffen. Nun soll Washington Berichten zufolge Dutzende weitere Tankflugzeuge in die Region verlegen. Dieses Indiz für eine mögliche Ausweitung der Luftangriffe könnte auch eine Bodenoffensive im Süden des Landes wahrscheinlicher machen. Ein Überblick auf aktuelle Entwicklungen und mögliche Eskalationen.

Mehrere Tankflugzeuge des Typs Boeing KC-135R Stratotanker stehen in einer engen Formation hintereinander auf einer Startbahn. Solche Tankflugzeuge befinden sich Berichten zufolge auf dem Weg in den Nahen Osten – Eskalationspotenzial im USA-Iran-Krieg.
Mehrere Tankflugzeuge des Typs Boeing KC-135R Stratotanker stehen in einer engen Formation hintereinander auf einer Startbahn. Solche Tankflugzeuge befinden sich Berichten zufolge auf dem Weg in den Nahen Osten – Eskalationspotenzial im USA-Iran-Krieg.
Foto: US Air Force

Das US-Militär hat nach Angaben des U.S. Central Command (CENTCOM) inzwischen die achte Nacht in Folge Ziele im Iran angegriffen. Parallel dazu verstärken die USA ihre Präsenz im Nahen Osten weiter. So soll Washington Israel mitgeteilt haben, im Vorfeld einer möglichen Ausweitung der Militäroperationen gegen Iran Dutzende weitere Tankflugzeuge in die Region zu verlegen.

Bereits jetzt belegen laut israelischen Medienberichten rund 33 US-Tankflugzeuge Standplätze auf dem Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv – so viele, dass der zivile Flugbetrieb dort nur noch etwa ein Drittel seiner Kapazität nutzen kann.

Die Tankflugzeuge dienen der Luftbetankung von Kampf- und Aufklärungsflugzeugen und ermöglichen es dem US-Militär, seine Angriffe im iranischen Luftraum ohne Zwischenlandung durchzuführen und längere Einsätze zu fliegen. Sie könnten jedoch auch bei einer Bodenoffensive gebraucht werden.

Bodenoffensive bleibt Option

Dass hinter der Ausweitung der aktuell laufenden Luftschläge mehr stecken könnte als das, was der Krieg zwischen den USA und Israel mit dem Iran bereits im Frühjahr zu sehen war, legt eine Analyse des Iran-Experten Hamidreza Azizi von der Stiftung Wissenschaft und Politik nahe.

Nach seiner Einschätzung zielen die jüngsten US-Angriffe im Süden Irans nicht mehr nur auf Raketen-, Drohnen- und Radaranlagen sowie Marineeinrichtungen der Revolutionsgarden. Auffällig sei, dass zuletzt gezielt Brücken, Eisenbahnverbindungen, Flughäfen und Tanklaster im Süden des Landes, etwa bei Bandar Abbas, angegriffen wurden – Ziele, die vor allem den Nachschub und die Bewegungsfreiheit iranischer Truppen einschränken. Seiner Einschätzung nach könnte dies der Vorbereitung der Bodenoffensive dienen, welche US-Präsident Donald Trump bisher bisher nie ganz ausgeschlossen hatte.

Eine öffentlich bestätigte Entscheidung für einen Bodeneinsatz gibt es weiterhin nicht, doch in der Summe machen die Zielauswahl und die zusätzliche Tankflugzeug-Verlegung eine solche Option nach Einschätzung von Beobachtern etwas wahrscheinlicher als noch vor wenigen Tagen.

Ein mögliches Ziel einer solchen Bodenoffensive könnte es sein, den südlichen Küstenstreifen Irans unter Kontrolle zu bringen und Teheran damit dauerhaft den Zugriff auf die Straße von Hormus zu entziehen.

Ganz neu ist die Überlegung nicht: Bereits im März waren laut „Washington Post“ Pläne für einen begrenzten Einsatz kombinierter Infanterie- und Spezialkräfte bekannt geworden, ausdrücklich ohne den Charakter einer vollständigen Invasion. Einige Experten halten dabei vor allem die Kontrolle kleinerer, strategisch wichtiger Inseln in der Straße von Hormus für ein realistischeres Szenario als eine große Landoffensive.

Seit NATO-Gipfel: gebrochene Waffenruhe

Die aktuelle Eskalation reicht bis zum NATO-Gipfel Anfang Juli in Ankara zurück. Dort erklärte US-Präsident Donald Trump die zuvor vereinbarte Waffenruhe mit Teheran für hinfällig, nachdem der Iran nach US-Angaben erneut Tanker in der Straße von Hormus angegriffen hatte.

Ein zweisitziges Mehrzweckkampfflugzeug des Typs McDonnell Douglas F-15E Strike Eagle der US-Luftwaffe fliegt über einer Wüstenlandschaft. Die geöffnete Tanköffnung auf der linken Rumpfoberseite hinter dem Cockpit weist auf eine Luftbetankung hin.
Ein zweisitziges Mehrzweckkampfflugzeug des Typs McDonnell Douglas F-15E Strike Eagle der US-Luftwaffe fliegt über einer Wüstenlandschaft. Die geöffnete Tanköffnung auf der linken Rumpfoberseite hinter dem Cockpit weist auf eine Luftbetankung hin.
Foto: U.S. Air Force / Staff Sgt. Sean Carnes

Trump machte in Ankara in seinen eigenen Worten deutlich, nicht mehr mit Teheran verhandeln zu wollen. Bereits unmittelbar nach Gipfelbeginn hatte das US-Militär als Reaktion auf die Tankerangriffe dutzende Ziele im Iran bombardiert.

Seither greifen die USA nahezu täglich an, zuletzt auch als Vergeltung für den Tod zweier US-Soldaten bei einem iranischen Angriff auf US-Kräfte in Jordanien. Iran reagiert seinerseits mit Angriffen auf US-Stützpunkte in Kuwait, Bahrain, Jordanien und gestern auch auf eine US-Basis in Saudi-Arabien.

Irans oberster religiöser Führer Mudschtaba Khamenei – der seit seiner Wahl nicht öffentlich auftrat – erklärte in einer schriftlichen Mitteilung, die USA hätten die zuvor getroffenen Beschlüsse im Memorandum of Understanding wiederholt gebrochen. Er bezeichnet die Unterschrift von US-Präsident Donald Trump als „wertlos und ungültig“.

Straße von Hormus bleibt Brennpunkt

Auch an der Straße von Hormus bleibt die Lage angespannt. Die iranischen Revolutionsgarden hatten die Meerenge mit Minen belegen lassen; nach eigenen Angaben halten sie zudem mehrere Tankschiffe auf, die versuchten, die Straße ohne Erlaubnis Irans zu passieren.

Die Straße von Hormus bleibt im Fokus der Eskalation.
Die Straße von Hormus bleibt im Fokus der Eskalation.
Foto: NASA

Nach Explosionen gerieten zuletzt zwei Öltanker südlich der Meerenge in Brand, nachdem sie laut iranischer Darstellung ein vermintes Seegebiet durchquert hatten. Das US-Zentralkommando wies dies als Falschmeldung zurück. Bereits zuvor waren zwei Tanker der Vereinigten Arabischen Emirate von iranischen Marschflugkörpern getroffen worden, ein Besatzungsmitglied kam dabei ums Leben.

Die Folgen sind massiv, wie The National News aus Abu Dhabi berichtet: Durchquerten vor Kriegsbeginn im Schnitt mehr als 100 Schiffe täglich die Straße von Hormus, waren es zuletzt nur noch rund 15. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO rate demnach Schiffen inzwischen, die Meerenge bis auf Weiteres zu meiden.

Auch am Versicherungsmarkt hat das zu einer Neubewertung des Risikos geführt. Kriegsrisikoprämien für Tanker in der Straße von Hormus liegen Branchenangaben zufolge inzwischen bei bis zu zehn Prozent des Schiffswerts, nach rund einem Viertel Prozent vor Kriegsbeginn. Für einen 100-Millionen-Dollar-Tanker bedeutet das Zusatzkosten von bis zu zehn Millionen Dollar pro Durchfahrt.

Zweiter Kriegsschauplatz: Kurdistan gerät unter Druck

Neben der Straße von Hormus rückt zunehmend auch das nordirakische Kurdistan in den Fokus. Dort attackieren die iranischen Revolutionsgarden wiederholt Stellungen exiliranisch-kurdischer Oppositionsgruppen wie der Komala-Partei, die Iran als Bedrohung durch die instabile Lage im eigenen Land betrachtet.

Allein am 17. Juli wurden bei mehreren Angriffswellen auf ein Komala-Lager nahe Sulaimaniyya mindestens neun Kämpfer getötet, während zeitgleich mehrere Drohnenschwärme über der Regionalhauptstadt Erbil abgefangen wurden, wo auch US-Truppen stationiert sind.

Die Luftverteidigung der von den USA geführten Koalition, die auch das Flughafengelände von Erbil schützt, hat nach Angaben regionaler Medien seit Kriegsbeginn mehrere Hundert Drohnen und Raketen über der Kurdistan-Region abgefangen.

Auch die Bundeswehr ist derzeit noch im Rahmen der Anti-IS-Koalition im Nordirak präsent, plant diesen jedoch aufgrund der Sicherheitslage und abziehender US-Truppen abzubrechen.

Wie es weitergehen könnte – die Bodenoffensive

Eine begrenzte US-Bodenoperation entlang der iranischen Südküste oder auf einzelnen Inseln in der Straße von Hormus kann weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Sollten die Experteneinschätzungen Recht behalten und die verstärkten Luftangriffe auf Infrastruktur im Süden des Landes der Vorbereitung dienen, ist eine Bodenoffensive sogar ein Stück weit wahrscheinlicher geworden.

Demgegenüber stehen die politischen Kosten eines solchen Schritts einer Bodenoffensive kurz vor den für Trump wichtigen Zwischenwahlen in den USA. Der Iran wiederum droht mit weiterer Eskalation, sollten die USA ihre laufenden Angriffe nicht einstellen.

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