Verteidigungsstreitkräfte auf der ganzen Welt verfolgen die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, um die vollständigen Auswirkungen von Drohnen auf die Einsatzbereitschaft moderner Streitkräfte zu verstehen – insbesondere angesichts der bedeutenden Rolle, die Drohnen künftig im Gefecht spielen werden.
Der Krieg in der Ukraine wird als „der erste Drohnenkrieg“ bezeichnet. Der Krieg zwischen den USA und Israel gegen den Iran, der im Februar 2026 ausbrach, kann als der zweite Drohnenkrieg betrachtet werden – allerdings in größerem Maßstab und mit fortschrittlicheren Technologien. Der andauernde Krieg zwischen Israel und Iran wird inzwischen von Drohnenkriegsführung dominiert. Beide Seiten setzen massive Schwärme ein, die traditionelle Luftverteidigungssysteme vor große Herausforderungen stellen.
Der Konflikt begann mit gemeinsamen US-israelischen Angriffen im Rahmen der Operationen „Roaring Lion“ und „Epic Fury“. Dabei wurden der Oberste Führer Ali Khamenei gezielt getötet und iranische Militärstandorte, darunter Luftabwehrsysteme und Raketenanlagen, angegriffen. Der Iran reagierte mit der Operation „True Promise IV“ und startete Hunderte Drohnen und Raketen gegen Israel, US-Stützpunkte am Golf sowie Verbündete wie Saudi-Arabien und Katar. Bis Anfang April 2026 trafen US-israelische Luftangriffe Hunderte Ziele in 26 iranischen Provinzen und zerstörten rund 200 Luftverteidigungssysteme sowie Marineeinheiten wie 17 Kriegsschiffe.
Der Iran war Vorreiter beim großflächigen Einsatz von Drohnenschwärmen und setzte in einer einzigen Angriffswelle bis zu 2.340 Shahed-136-Drohnen gegen Israel, Bahrain, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien ein – die größte Drohnenkampagne der Geschichte. Diese kostengünstigen UAVs (etwa 20.000 Dollar pro Stück) sollen Verteidigungssysteme wie den Iron Dome überlasten. Berichten zufolge wurden Treibstofftanks am Ben-Gurion-Flughafen sowie ein US-Radarsystem in Bahrain getroffen, wodurch teure Patriot-Abfangraketen im Wert von jeweils rund 3 Millionen Dollar eingesetzt werden mussten. Israel reagierte mit KI-gesteuerten Schwärmen von sogenannten „Mutterschiffen“, die gezielte Angriffe mithilfe von Gesichtserkennung auf Kontrollpunkte der IRGC-Basij-Milizen in Teheran ermöglichten.
Die iranische Strategie verlagerte sich auf Sättigungsangriffe: Wellenweise Angriffe mit Streumunition sollten die Abwehrsysteme erschöpfen. Dadurch stieg die Trefferquote bis Ende März auf 27 Prozent. Israel und die USA erreichten frühzeitig Luftüberlegenheit und unterdrückten iranische Luftverteidigungssysteme, um präzise Drohnenoperationen durchführen zu können. Gleichzeitig litten sie jedoch unter einem Mangel an Abfangraketen angesichts der anhaltenden Angriffswellen.
Die Opferzahlen belaufen sich auf etwa 800 bis 2.400 iranische Zivilisten und Militärangehörige sowie mehr als zehn Israelis. Zudem führten die Kämpfe zu erheblichen Störungen, darunter Sperrungen der Straße von Hormus, wodurch die Ölpreise um 40 Prozent anstiegen.
Neue Bedrohung: FPV-Drohnen mit Glasfasersteuerung
Der Krieg in der Ukraine war ein Weckruf für alle großen Streitkräfte. Eine zentrale Schlussfolgerung zwang diese Armeen dazu, sich an die neue Realität anzupassen: Drohnen – oft sehr billige Modelle – stellen hochentwickelte und äußerst kostspielige Systeme zunehmend infrage.
Die jüngste Entwicklung ist der massive Einsatz von FPV-Drohnen, die über Glasfaserkabel gesteuert werden. Israelische Streitkräfte im Libanon sowie in Städten und Gemeinden im Norden Israels werden täglich von diesen angegriffen, und bislang gibt es keine wirksame Verteidigung dagegen. FPV-Drohnen mit Glasfasersteuerung sind real und werden zunehmend eingesetzt, weil sie über eine Glasfaserverbindung statt per Funk gesteuert werden. Dadurch sind sie wesentlich schwerer zu stören und für Funkaufklärungssysteme schwieriger zu erkennen.
Eine glasfasergebundene FPV-Drohne ist typischerweise eine kleine First-Person-View-Drohne oder eine herumkreisende Präzisionsmunition, die eine Spule mit dünner Glasfaser mitführt und Steuerungs- sowie Videosignale über diese Verbindung überträgt. Die gemeldeten Einsatzreichweiten liegen gewöhnlich zwischen 5 und 20 km. Neuere Systeme und Prototypen beanspruchen größere Distanzen, darunter Tests in der Ukraine mit 20 km Reichweite sowie ein ukrainisches System mit offiziell angegebenen 41 Kilometern.
Glasfaserverbindungen werden von herkömmlichen Funkstörmaßnahmen nicht beeinträchtigt, und das Fehlen von Funkemissionen macht die Drohnen für Funkpeilungssysteme deutlich schwerer auffindbar. Das macht sie besonders relevant in umkämpften Einsatzgebieten, in denen herkömmliche FPV-Drohnen unter elektronischen Angriffen die Kontrolle oder das Videosignal verlieren.
Das israelische Verteidigungsministerium und einige israelische Rüstungsunternehmen arbeiten rund um die Uhr an der Entwicklung wirksamer Abwehrsysteme gegen diese billigen, aber tödlichen Waffen. Bisher wurde jedoch noch kein Erfolg erzielt. Israelische Quellen erklärten, dass Streitkräfte verstehen müssten, dass diese kostengünstigen Drohnen in zukünftigen Kriegen noch effektiver werden und in deutlich größerer Zahl eingesetzt werden würden.
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