Der wahre Game Changer im Ukraine-Krieg heißt Anpassung

Der Befehlshaber der niederländischen Streitkräfte, General Onno Eichelsheim, zieht nach einem Treffen mit Soldaten der Ukraine die wichtigsten Lessons Learned für seine Streitkräfte. Seine Kernbotschaft: Es geht nicht um Drohnen, nicht um den Stärksten, sondern es wird derjenige gewinnen, der sich am schnellsten und besten anpassen kann.

Nach einem Treffen zwischen den Führungsstab der niederländischen Streitkräfte und ukrainischen Soldaten benennt der Befehlshaber der niederländischen Streitkräfte, General Onno Eichelsheim, die wichtigsten Lehren aus dem Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
Nach einem Treffen zwischen den Führungsstab der niederländischen Streitkräfte und ukrainischen Soldaten benennt der Befehlshaber der niederländischen Streitkräfte, General Onno Eichelsheim, die wichtigsten Lehren aus dem Krieg zwischen der Ukraine und Russland.
Foto: Commandant der Strijdkrachten

„Wie Darwin bereits feststellte: Nicht der Stärkste oder Klügste überlebt, sondern derjenige, der sich am besten an Veränderungen anpasst“, betont General Eichelsheim. „Und genau diese kontinuierliche Entwicklung sehen wir. So wird der Krieg in der Ukraine als der erste ‚Drohnenkrieg‘ angesehen. Immer mehr sind es unbemannte Systeme, die sich durch die Luft, aber auch zu Wasser und zu Lande fortbewegen, anstatt Menschen. Dadurch ist eine ‚Killzone‘ mit einer Tiefe von mehreren Dutzend Kilometern zwischen den beiden Armeen entstanden. Ein Ort, an dem Menschen kaum oder gar nicht überleben können. Das Schlachtfeld ist wirklich ein Schlachtfeld.“

Genau dieses unterscheidet allerdings auch die Einsatzerfahrung der Ukrainer von denen seiner Streitkräfte oder anderer westlicher Armeen. „Wir Niederländer haben in den letzten Jahrzehnten zwar viel Erfahrung in Einsatzgebieten gesammelt, aber nicht auf unserem eigenen Boden und nicht in einem groß angelegten Krieg, wie ihn die Ukrainer seit fast vier Jahren durchleben“, so General Eichelsheim. Aus diesem Grunde seien ukrainische Soldaten nach Den Haag eingeladen worden, um ihm und seinem Führungsstab ihre Erfahrungen zu schildern. „Alle Kommandeure der Streitkräfte waren anwesend und ich kann sagen, dass wir sehr beeindruckt waren.“

Lernen von der Ukraine

„Modernes Material ist sehr wichtig. Es rettet Leben. Aber nur, wenn man die Systeme selbst sowie die Einsatzmöglichkeiten kontinuierlich anpassen kann“, so General Eichelsheim. Die Ukraine habe hierfür ein systematisches Lessons Learned etabliert, bei dem Meldungen von der Front direkt übertragen, analysiert und in neue Taktiken und/oder Technologien umgesetzt werden. „Diese Arbeitsweise ist der eigentliche Game Changer“, betont General Eichelsheim. „Dank dieses Systems sind die Verluste der Ukrainer durch Drohnenangriffe drastisch zurückgegangen. Wie die ukrainischen Soldaten selbst sagen: Je früher man ein effektives Lessons-Learned-System hat, desto weniger bezahlt man mit Blut.“

Für die Niederlande bedeutet dies, sich ebenfalls auf ein solches System einzulassen. Und es bedeutet zu Methoden zurückzukehren, welche die Streitkräfte verinnerlicht hatten, „bevor die Niederlande an vielen Friedensmissionen teilgenommen haben.“ Durch den engen Kontakt mit ukrainischen Soldaten ergäbe sich für die niederländischen Streitkräfte nun die einmalige Chance, zu lernen, ohne direkt unter den Auswirkungen vielleicht falscher Entscheidungen leiden zu müssen.

„Die Ukrainer haben für viele Lektionen einen blutigen Preis bezahlt und dank ihnen haben wir jetzt die Chance, dies bei uns zu verhindern“, so General Eichelsheim. „Gemeinsam mit unseren Verbündeten müssen wir deshalb ein ähnliches System zur Erfassung von Erfahrungen einrichten. Und wir müssen an einer entsprechenden Kultur des kritischen Denkens, des kreativen Handelns und der kontinuierlichen Anpassung in kurzen Zyklen arbeiten.“

Er sei der Ukraine überaus dankbar, dass sie so offen ihre Erfahrungen mit anderen Nationen teilten. „Nicht nur, weil sie auch unsere Demokratie schützen, sondern weil sie uns Wissen weitergeben, für das sie buchstäblich mit Blut, Schweiß und Tränen bezahlt haben.“

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