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GORE-TEX: Kontinuierlicher Kampfstiefeltest unter Realbedingungen

Kampfstiefel müssen im Einsatz mehr leisten als nur „funktionieren“: Gefordert sind Langlebigkeit, Stabilität und hoher Tragekomfort – und das unter widrigsten Bedingungen. Je nach Einsatzprofil sind Modelle entweder auf spezielle Untergründe ausgelegt oder als robuste Allrounder konzipiert. Aktuelle Entwicklungen zeigen, dass moderne Stiefel – etwa neue Modelle von Meindl mit dem neuen Obermaterial EXTRAGUARD der Marke GORE-TEX – deutlich leichter geworden sind, ohne Abstriche bei Robustheit, Lebensdauer oder Zuverlässigkeit zu machen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen, etwa an öl- und benzinbeständige Sohlen oder zusätzliche Schutzeigenschaften.

EXTRAGUARD Kampfstiefel im Wet-Flex-Test: Der Vorderschuh wird im Wasserbad bis zu 300.000 Mal angehoben und bleibt mindestens 72+ Stunden im Wasser.
EXTRAGUARD Kampfstiefel im Wet-Flex-Test: Der Vorderschuh wird im Wasserbad bis zu 300.000 Mal angehoben und bleibt mindestens 72+ Stunden im Wasser.
Foto: af

Laborprüfungen der Kampfstiefel als Grundlage der Qualitätssicherung

Bevor Kampfstiefel in den Einsatz gehen, müssen sie umfangreiche Laborprüfungen bestehen. Dabei werden Haltbarkeit, Wasserdichtigkeit und Schutzfunktion unter definierten Bedingungen getestet – reproduzierbar und normgerecht. Das ermöglicht nicht nur belastbare Vergleichswerte, sondern auch eine schnelle Ursachenanalyse bei möglichen Schwachstellen. Die Verfahren in militärischen Einrichtungen wie dem Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk- und Betriebsstoffe (WIWeB) entsprechen dabei weitgehend den Methoden ziviler Prüfinstitute und Hersteller.

Die zentralen Verfahren umfassen das Biegen der Sohle (oft 300.000+ Mal), Wasserdichtigkeitstests (z.B. im Wasserbad), Abriebfestigkeit, Rutschsicherheit (SRA/SRB) sowie die Widerstandsfähigkeit von Nähten und Zehenschutzkappen gegen Stöße. Bei besonderen Einsatzanforderungen kommen auch Flammtests hinzu.

Die wichtigsten Laborprüfverfahren im Überblick sind:

  • Wasserdichtigkeit & Atmungsaktivität: Stiefel werden in Wasserbädern oder Zentrifugen auf Dichtigkeit geprüft, teils simuliert durch 300.000 Schritte im Wasserbad, durch den Sohlen- und Biegetest (auch als Water Flex Test oder Gehsimulator-Test bezeichnet). Die Nähte mit Dichtungsbändern und atmungsaktive Membranen, wie mit GORE-TEX, müssen die Nässe auch nach langer Nutzung von über einem Jahr sicher abhalten. Denn GORE-TEX oder ähnliche Membranen sorgen für eine Kombination aus Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität.
  • Schutzfunktionen: Zehenschutzkappen werden mit Fallgewichten (z.B. 20 kg aus 1 m Höhe) oder durch Verformungstests getestet. Auch die Resistenz gegen Chemikalien wird geprüft.
  • Haltbarkeit der Materialien: Schnürsenkel, Ösen und Leder werden auf Abrieb, Zugfestigkeit, Farbechtheit und Alterung untersucht.
  • Kältetest: Sohlenmaterialien werden bei Minusgraden gebogen, um sicherzustellen, dass sie nicht spröde werden.

Weitere wichtige Tests, die aber nicht im Gore-Labor durchgeführt werden sind Sohlendurchtritt von Nägeln und Rutschfestigkeit oder Biegefestigkeit von Sohlen. Sohlen- und Biegetest: Die Laufsohle wird tausendfach gebogen, um Materialermüdung, Risse und Haltbarkeit zu prüfen. Zudem wird die Sohle auf Durchtrittsicherheit (z.B. gegen Nägel) getestet. Rutschfestigkeit: Die Sohlenhaftung wird auf verschiedenen Untergründen (Keramik, Stahl) mit Gleitmitteln (Seifenlauge, Glyzerin) nach Norm EN ISO 20345:2022 gemessen. Das machen dann aber andere Institute.

Diese Tests stellen sicher, dass Kampfstiefel auch bei mehrmonatigen Einsätzen zuverlässig funktionieren.

Neue Materialien im Fokus: EXTRAGUARD der Marke GORE-TEX

Mit EXTRAGUARD hat die Marke GORE-TEX ein Obermaterial auf den Markt gebracht, das die Wasseraufnahme drastisch reduziert. Laut Hersteller nimmt das Material selbst nach 300.000 Gehzyklen im Wasser nur rund 30 Gramm Feuchtigkeit auf – bei bis zu 72 Stunden permanenter Wassereinwirkung im Vorfußbereich und einer dauerhaften mechanischen Bewegung.

Als synthetisches Mikrofasermaterial benötigt EXTRAGUARD im Gegensatz zu Leder keine Pflege und ermöglicht gleichzeitig neue Konstruktionsansätze: weniger Nähte, geringeres Gewicht und reduzierte potenzielle Schwachstellen. Das eröffnet Herstellern neue Designmöglichkeiten – erfordert aber auch Anpassungen in Entwicklung und Fertigung, die durch Gore-Labore begleitet werden.

Zertifizierung und kontinuierliche Qualitätskontrolle

Alle Kampfstiefel, die mit dem EXTRAGUARD Obermaterial ausgestattet sind, müssen vor Markteinführung ein umfassendes Prüf- und Zertifizierungsverfahren durchlaufen. Erst nach erfolgreichem „Style Approval“ darf die Serienproduktion beginnen. In Europa erfolgt ein Großteil dieser Tests im Labor der Marke GORE-TEX am Standort Feldkirchen in der Nähe von München.

Die Zertifizierung ist kein einmaliger Prozess. Jede Designänderung erfordert eine erneute Prüfung. Selbst unveränderte Modelle werden regelmäßig durch Stichproben aus der laufenden Produktion kontrolliert. Allein am Standort Feldkirchen werden jährlich über 5000 Tests durchgeführt, um eine gleichbleibend hohe Qualität über die gesamte Produktions- und Lebensdauer eines Kampfstiefeldesigns sicherzustellen. Dabei verfolgt Gore das Prinzip „Fit for Use“ – Ziel ist es, die Anforderungen bestehender Normen und militärischer Spezifikationen nicht nur zu erfüllen, sondern deutlich zu übertreffen. Der Endnutzer soll am Ende die beste Qualität erhalten – wichtig gerade bei Kampfstiefeln.

Testmethoden im Vergleich: Wet-Flex versus Zentrifuge

Ein besonders aussagekräftiger Test ist der sogenannte Wet-Flex-Test, bei dem der Stiefel unter realitätsnaher Dauerbelastung im Wasser bewegt wird. Dieser Test ist jedoch zerstörend – die geprüften Stiefel können anschließend nicht mehr verwendet werden.

Als Alternative kommt der Zentrifugentest zum Einsatz: Dabei wird Wasser im Inneren des Stiefels durch Rotation (ca. 250 U/min, etwa 30 g Beschleunigung) nach außen gedrückt. Tritt keine Feuchtigkeit aus, gilt der Test als bestanden. Dieses Verfahren ist zerstörungsfrei, liefert jedoch weniger detaillierte Hinweise auf mögliche Schwachstellen als der Wet-Flex-Test.

Blick in die Zentrifuge. Hier können zwei Stiefelpaare gleichzeitig getestet werden.
Blick in die Zentrifuge. Hier können zwei Stiefelpaare gleichzeitig getestet werden.

Konstruktion und Wassermanagement

Für die Wasserdichtigkeit stehen verschiedene Konstruktionsprinzipien zur Verfügung. Ein bewährter Ansatz ist der sogenannte „Bootie“, eine separate Membrankonstruktion, die bereits vor dem Einbau geprüft werden kann. Neue Materialien wie EXTRAGUARD bieten jedoch zusätzliche Alternativen, um bei den Kampfstiefeln Gewicht, Materialeinsatz und Kosten zu optimieren.

Bei der Wasserdichtigkeit wird auch auf das Thema Saugfähigkeit geachtet. Entscheidend ist dabei nicht nur die Membran selbst, sondern das gesamte System: Alle Komponenten – von Textilien über Schnürsenkel bis hin zu Nähten – müssen hydrophobiert, also wasserabweisend ausgerüstet sein. Eine Hydrophobierung ist eine Behandlung (Imprägnierung), die eine Oberfläche oder ein Material so verändert, dass sie Wasser nicht oder nur schwer aufnimmt. Dies geschieht, indem die Poren und Kapillaren nicht verschlossen, aber so modifiziert werden, dass Wasser nicht mehr eindringen kann, aber die Atmungsaktivität (Diffusionsfähigkeit) meist erhalten bleibt. In der Praxis bedeutet dies zum Beispiel, die Schnürsenkel dürfen kann Wasser ansaugen und aufnehmen, und so dann die Nässe über die Zunge und andere Teile des Außengewebes ins Innere des Stiefels zu leiten.

Wasserdichtigkeit vs. Atmungsaktivität

Ein häufiger Irrtum ist die Gleichsetzung von Wasserdichtigkeit und Atmungsaktivität. Während erstere das Eindringen von Wasser verhindert, beschreibt Atmungsaktivität die Fähigkeit, Wasserdampf – also Schweiß und Wärme – nach außen abzuleiten. Gerade an den Füßen, die über viele Schweißdrüsen verfügen, ist dieser Feuchtigkeitstransport entscheidend für den Tragekomfort.

Sowohl das Obermaterial als auch Klebstoffe und Verarbeitung können diese Funktion beeinflussen. Umso wichtiger sind umfassende Tests in spezialisierten Laboren, die das Zusammenspiel aller Komponenten unter realistischen Bedingungen bewerten.

Fazit

Moderne Kampfstiefel sind hochkomplexe Systeme, deren Leistungsfähigkeit nur durch konsequente Prüfverfahren sichergestellt werden kann. Fortschritte bei Materialien und Konstruktion eröffnen neue Möglichkeiten – erhöhen aber gleichzeitig die Anforderungen an Entwicklung, Test und Qualitätssicherung. Nur so lässt sich gewährleisten, dass der Stiefel im Einsatz das leistet, was von ihm erwartet wird: absolute Zuverlässigkeit.

 

Text: Redaktion / af

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