SOF Week: Gore zeigt neue Kampfstiefel mit dem Extraguard-Obermaterial

Bisher hatte Gore zusammen mit seinem Partner Lukas Meindl GmbH & Co. KG einen klassischen und sehr hochwertigen Kampfstiefel aus dem neuen Obermaterial Extraguard by Gore-Tex Labs sowie eine Konzeptstudie für Militär und Polizei gezeigt. Anlässlich der SOF Week 2026 in Tampa, Florida, waren am Stand von W. L. Gore & Associates neben dem bekannte Meindl Kampfstiefel gleich drei neue Modelle zu sehen. Alle waren oder sind bereits in den US-Streitkräften in intensiven Tests.

Der Meindl Kampfstiefel mit Extraguard, der auch in Europa schon mehrfach gezeigt wurde.
Der Meindl Kampfstiefel mit Extraguard, der auch in Europa schon mehrfach gezeigt wurde.
Foto: af

Für extrem kalte Temperaturen ist der Meindl Gore-Tex Extraguard Extended Cold Weather Clothing System (ECWCS) Stiefel vorgesehen. Er soll laut Hersteller bis Temperaturen von -50°C einsetzbar sein.

Es handelt sich um ein wasserdichtes und atmungsaktives Zwei-Stiefel-System, das für Einsätze unter extrem kalten und nassen Bedingungen von bis zu –50 °C (–60 °F) ausgelegt ist und sich zudem durch eine schnelle Wieder-Abtrocknung auszeichnet. Der Stiefel verfügt zudem über eine steife, strapazierfähige Sohle, ein reduziertes Gewicht – im Vergleich zu Leserstiefel – sowie volle Kompatibilität mit Skiern und Steigeisen. Der herausnehmbare Innenschuh (Removable Inner Bootie; RIB) lässt sich in einen eigenständigen Hüttenschuh verwandeln, der in Biwak- oder Unterstandssituationen für leichte, wärmende Behaglichkeit sorgt. Für den RIB kommt das Material Gore-Tex Airfiber zum Einsatz – eine leichte, volumenarme Faser mit hoher Isolationsleistung. Ergänzend dazu ist der Stiefel mit einer AIR-ACTIVE Soft Print Dry-Sohle ausgestattet.

Der Außenstiefel besteht aus Extraguard – einem neuen synthetischen Material von Gore, das sich wie Leder trägt, jedoch keinerlei Feuchtigkeit aufnimmt; dies macht es zur idealen Wahl für extrem kalte Umgebungen, insbesondere bei wechselnden, nassen Witterungsbedingungen. Der umlaufende Geröllschutzrand ist mit einem breiten Gummistreifen versehen, der den Stiefel vor Beschädigungen durch Steigeisen schützt. Diese Konstruktion – in Kombination mit dem steifen Sohlensystem – gewährleistet eine optimale Integration und Funktionalität bei der Verwendung von Steigeisen, Schneeschuhen und Skiern.

Der Meindl Gore-Tex Extraguard Extended Cold Weather Clothing System (ECWCS) Stiefel ist für Temperaturen von bis zu -50°C einsetzbar. Gut zu sehen der Innen- und Außenstiefel sowie der Hohe Schutz außen für Steigeisen und Schneeschuhe (ganz links).
Der Meindl Gore-Tex Extraguard Extended Cold Weather Clothing System (ECWCS) Stiefel ist für Temperaturen von bis zu -50°C einsetzbar. Gut zu sehen der Innen- und Außenstiefel sowie der Hohe Schutz außen für Steigeisen und Schneeschuhe (ganz links).
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Die 11. Airborne Division „Arctic Angels“ der US Army (stationiert in Alaska) sowie die Army Mountain Warfare School (AMWS) in Fort Benning haben diesen Stiefel vor einigen Monaten ausgiebig getestet.

Der zweite Stiefel ist für nicht ganz so extreme Regionen vorgesehen. Der Meindl Gore-Tex Extraguard Cold Weather Combat Boot (CWCB) Stiefel soll bis zu Temperaturen von -30°C eingesetzt werden können.

Ein Übergangsstiefel für kaltes Wetter, der wasserdichten Schutz mit geringer Wasseraufnahme, schnellen Trocknungseigenschaften und einer auftragarmen Isolierung bietet. Er stellt eine vielseitige Lösung für wechselnde Bedingungen bei kühlem und nassem Wetter dar. Auch hier handelt es sich um ein Zwei-Stiefel-System, bestehend aus einem Innenstiefel aus Airfiber und einem Außenstiefel aus Extraguard.

Dieser Stiefel wurde von der 173rd Airborne Brigade „Sky Soldiers“ aus Grafenwöhr, Deutschland, getestet. Die 173. Luftlandebrigade ist die konventionelle, strategische Luftlande-Eingreifreserve der U.S. Army für die Verantwortungsbereiche des European, African und Central Command. Die Einheit ist in Vicenza (Italien) und Grafenwöhr (Deutschland) stationiert und fungiert als die Elite-Eingreifreserve der Region, die jederzeit rasch verlegbar ist.

Und der dritte im Bunde ist ein überarbeiteter Jungle Boot. Dieser tritt mit dem Ziel an, ein Stiefel zu sein, der darauf ausgelegt ist, Schutz zu bieten, dabei leicht zu bleiben und die logistische Last zu verringern. Dieser taktische Stiefel für heißes Wetter und Dschungelgebiete wurde speziell für Einsätze unter tropischen Bedingungen entwickelt und vereint Langlebigkeit mit geringem Gewicht sowie hoher Atmungsaktivität. Er ist darauf ausgelegt, selbst bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit sowie im Wechsel zwischen nassen und trockenen Bedingungen zuverlässig zu funktionieren; laut Hersteller zeichnet er sich zudem durch ein geringeres Gewicht im nassen Zustand und einen durchgängig hohen Tragekomfort während der gesamten Mission aus.

Der Stiefel wurde konstruiert, um vor den Elementen zu schützen und selbst nach wiederholter Einwirkung von Wasser, Schmutz und Abrieb seine Robustheit zu bewahren. Er bietet modernen Schutz – wasserabweisend, flammhemmend sowie resistent gegen Chemikalien und abweisend gegenüber Sand und Staub –, ohne dabei die Gewichtsnachteile und den hohen Wartungsaufwand traditioneller Materialien mit sich zu bringen. Im Unterschied zu den beiden anderen Stiefelmodellen setzt dieses Modell jedoch auf einen Materialmix aus Extraguard und einem leichteren Textilgewebe am Schaft.

Dieser Stiefel befindet sich derzeit in der Erprobung bei einem Infanterie- und Dschungel-Bataillon der 3. Brigade der 25. Infanteriedivision „Tropic Lightning“ der U.S. Army, die auf Hawaii stationiert ist. Die entsprechenden Tests werden auf den Philippinen durchgeführt.

Der Jungle-/Tropen Boot (links) nutzt im unteren Bereich ebenfalls Extraguard, im Schaft aber Textil.
Der Jungle-/Tropen Boot (links) nutzt im unteren Bereich ebenfalls Extraguard, im Schaft aber Textil.
Foto: af

Extraguard, das neue Schuhobermaterial

Mit dem neuen Schuhobermaterial Extraguard, einem innovativen mehrlagigen Faserverbundwerkstoff, will Gore die Fähigkeiten von Kampfstiefeln revolutionieren. Das neue Obermaterial besteht aus einer hoch abriebfesten Schutzschicht, einer robusten Funktionsschicht und einer innovativen Konstruktionsinnenlage. Das Material soll laut Hersteller vor allem leichter und langlebiger sein, weniger Wasser aufnehmen, eine schnellere Rücktrocknung nach einem Einsatz ermöglichen – und zudem keine Pflege benötigen.

Das Material punktet besonders bei der Feuchtigkeitsaufnahme und schnellen Rücktrocknung. Jeder Soldat kennt Situationen, in denen er stunden- oder tagelang im Nassen ist. Dauerhafte Nässe und Kälte können naturgemäß einen negativen Einfluss auf den Tragekomfort, das Wohlbefinden und die Gesundheit haben. Hier ist Extraguard ein Innovationssprung für dauerhaft trockene und warme Füße. Zusätzlich bleiben die Schuhe der Soldaten während eines Einsatzes leicht, da das Material kaum Feuchtigkeit aufnimmt. Das stärkt Ausdauer und Kampfkraft.

Die Extraguard-Materialtechnologie ist robust und langlebig bei gleichzeitig geringstem Pflegeaufwand. Für ihre Pflege und Reinigung genügt, wenn überhaupt, das Abspritzen mit Wasser, spezielle Pflegemittel sind nicht erforderlich – das zeigen Langzeittests mit Spezialkräften. Bei Leder bedingen sich Pflege und Langlebigkeit: Es muss gewaschen und gereinigt werden, sonst wird es bei zu geringer Pflege brüchig. Nässe im Allgemeinen und Schweiß wirken zudem entgerbend und erfordern weiteren Reinigungsaufwand.

Was wasserabweisende Eigenschaften betrifft, so hat auch hier die Extraguard-Technologie die Nase vorn: Textilstiefel müssen oft mit Spray neu imprägniert werden, um Wasser abzuweisen. Lederstiefel benötigen zur Instandhaltung der Gebrauchseigenschaften neben Schuhcreme ebenfalls Imprägniermittel. Beides ist im Militärbereich schwierig bis unmöglich mitzuführen.

Auch hier setzt Extraguard an, weil die Gebrauchseigenschaften aufgrund des Materials auch ohne Imprägnierung erhalten bleiben. Ein weiterer, nicht zu vernachlässigender Aspekt: Aufgrund der heutigen Umweltauflagen sind hochwirksame chemische Imprägniermittel für Leder nicht mehr zugelassen. Die nachhaltigeren Varianten bieten nicht den gleichen Schutz. Dadurch werden Lederstiefel schneller wasserdurchlässig, schwerer und verlieren an Robustheit.

 

Text: Redaktion / af

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