ILA 2026: Weltpremiere des CORTEX aktiven Systems Multi-Domain-Operations

Der israelische Spezialist für Loitering Munition, Uvision (Halle D, Stand Nr. 225), feiert auf der ILA 2026 die Weltpremiere von CORTEX, einem aktiven System für Gefechtsaufklärung und Missionsmanagement für Multi-Domain-Operations. Die neue softwarebasierte Plattform vernetzt Sensoren, Entscheidungsprozesse und Effektoren zu einem einheitlichen Ökosystem auf dem Gefechtsfeld.

Eine HERO30 im Endanflug auf ein Ziel. CORTEX bietet unterschiedlichste Ansichten.
Eine HERO30 im Endanflug auf ein Ziel. CORTEX bietet unterschiedlichste Ansichten.
Grafik: Uvision

Aufbauend auf dem bereits vorgestellten Konzept eines „Common Operating System“ (einheitliches Betriebssystem) bietet CORTEX ein einheitliches, softwarebasiertes Framework, das Sensoren, Entscheidungsprozesse und diverse Effektoren zu einem integrierten Ökosystem auf dem Gefechtsfeld verknüpft.

CORTEX wurde als Reaktion auf die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit der modernen Kriegsführung entwickelt. Das System zielt darauf ab, den „Sensor-to-Shooter“-Zyklus erheblich zu verkürzen, die operative Flexibilität zu erhöhen, die kognitive Arbeitsbelastung der Bediener zu verringern und eine koordinierte Führung über die Domänen Luft, Land und See hinweg zu ermöglichen.

CORTEX ermöglicht eine dynamische Missionskoordination, Ressourcenverteilung, die gleichzeitige Steuerung von Sensoren und Effektoren sowie eine synchronisierte Durchführung in komplexen Einsatzszenarien – darunter Stadtkampf, Grenzschutz und verteilte taktische Operationen. Das System ist dynamisch und vor allem aktive und durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt.

Das System basiert auf einer mehrschichtigen, modularen Architektur, die sich aus Ebenen für Sensorik und Detektion, Fusion und Entscheidungsfindung sowie Reaktion und Missionsausführung zusammensetzt. Diese Struktur erlaubt die nahtlose Integration verschiedenster Sensoren, externer Führungs- und Informationssysteme (C2), unbemannter Plattformen und Präzisionseffektoren in einem einheitlichen Framework.

Die Sensorikebene unterstützt die Datenerfassung und -verarbeitung aus vielfältigen Quellen, darunter EO/IR-Nutzlasten, UAVs, Radarsysteme, HF-Detektoren, luftgestützte Plattformen und externe Aufklärungsquellen. Die Fusions- und Entscheidungsebene übernimmt die Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen, die Bedrohungsüberprüfung, Klassifizierung, Verhaltensanalyse, Anomalieerkennung sowie KI-gestützte Entscheidungsunterstützung, um in Echtzeit ein einheitliches Lagebild zu erstellen.

CORTEX: Anbindung an C4I-System und Battle Management System (BMS)

Das System analysiert kontinuierlich das weitere Einsatzumfeld, identifiziert und priorisiert Bedrohungen auch außerhalb des unmittelbaren Missionsbereichs und empfiehlt die jeweils geeignetste Reaktion – basierend auf Zieleigenschaften und Bekämpfungsprioritäten. Dies ermöglicht es den Bedienern, sich auf die übergeordnete Missionsführung zu konzentrieren, anstatt einzelne Plattformen steuern zu müssen. Die Reaktionsschicht steuert den koordinierten Einsatz sowie die dynamische Zuweisung der Systeme HERO, VIPER und PEREGRINE – abhängig von Zieltyp, Missionspriorität und Einsatzbedingungen –, wobei die menschliche Aufsicht während des gesamten Bekämpfungsprozesses gewahrt bleibt. Durch die Verknüpfung von Sensorik, Erkennung, Entscheidungsfindung und dem Einsatz von Loitering Munition zu einer durchgängigen operativen Kette ermöglicht CORTEX eine schnellere und präzisere Bekämpfung neu auftretender Bedrohungen. Es können aber auch Sensoren und Effektoren von Drittanbietern integriert werden.

CORTEX fungiert als Fusionssystem und Anbindung an das C4I-System und Battle Management System (BMS). Aufgrund der vorliegenden Daten werden den Nutzer Möglichkeiten als Vorschlag aufgezeigt, auch mehrere Optionen, aus denen er auswählen kann. Der sogenannte Man-in-the-Loop muss nur noch aussuchen und die Ausführung bestätigen. Alles sehr einfach, intuitiv und schnell. Eine volle Autonomie wäre rein theoretisch möglich, aber in der westlichen Welt eher undenkbar. Über die BMS-Anbindung werden die Informationen der Freund-Feind-Erkennung integriert und der Beschuss eigener Truppen verhindert.

Die offene Architektur erlaubt eine rasche Integration externer C2-Systeme, Gefechtsführungssysteme und Sensoren von Drittanbietern. Dies versetzt Streitkräfte in die Lage, ein gemeinsames Lagebild über verschiedene Einheiten, Systeme und Einsatzbereiche hinweg zu erstellen. Und das zu Land, Luft und See. Das System fügt eine weitere Ebene zur Steuerung der Feuerkraft hinzu. Auch können die Nutzer „Restricted Areas“ oder Gegenden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit von Kollateralschaden ausweisen, in denen nicht oder nur mit geringen Mitteln agiert werden darf. Auch bildet das System die Logistik dahinter ab, also was wird gerade verbraucht, was muss umgehend aus dem Depot geordert werden, um die Kampfkraft schnellstmöglich wieder herzustellen. CORTEX ist auch ein Managementsystem.

Indem die Bediener von der direkten Steuerung der Plattform an der Front hin zur übergeordneten Missionsüberwachung aus sicherer Distanz verlagert werden, steigert CORTEX die Überlebensfähigkeit und verbessert gleichzeitig die Kontinuität, Koordination und Reaktionsfähigkeit der Mission in hochdynamischen Gefechtsszenarien.

„Das Schlachtfeld der Zukunft wird durch Geschwindigkeit, Umfang und Vernetzung über mehrere Einsatzbereiche hinweg geprägt sein“, erklärte Dr. Ran Gozali, CEO von Uvision Air. „Angesichts der zunehmenden Nutzung autonomer Systeme, Sensoren und Effektoren durch Streitkräfte ist die Fähigkeit, Führung, Kontrolle und Missionsdurchführung in komplexen Einsatzumgebungen zu vereinheitlichen und zu standardisieren, von entscheidender Bedeutung für den Missionserfolg. CORTEX wurde entwickelt, um diese Ebenen zu verknüpfen und operative Erkenntnisse, Führungssysteme sowie diverse Effektoren in einem skalierbaren, softwarebasierten Ökosystem zu vereinen – für schnellere Entscheidungen, höhere Interoperabilität und effektivere Missionsergebnisse.“

CORTEX wurde aufgrund von Kundenanforderungen und den Erfahrungen aus den letzten Einsätzen in Israel und der Ukraine entwickelt. Es ist ein System, das extra für hochdynamische Lagen und schnelle Entscheidungen, entwickelt wurde. Und es ist keine manuelle Steuerung der ISR-Sensoren und Effektoren notwendig. Die Steuerung erfolgt nach Vergabe bzw. Bestätigung des Auftrages voll autonom. Dadurch kann ein Operator nicht nur viele Drohne in einer Mission, sondern viele parallel stattfindende Missionen führen. Und er Operator kann weit entfernt und in Sicherheit – zum Beispiel in einem Bunker – sitzen und führen. Alle Missionen werden dabei durch das System automatisch aufgezeichnet, zur späteren Auswertung oder als rechtlicher Beleg. Das System ist Server Cloud basiert. Die Drohnen können aus Kanistern / Containern heraus abstandsfähig verschossen werden, oder durch die Kampftruppe im Kanister mitgeführt werden.

Uvision baut Footprint in Deutschland und Europa aus

Uvision hat mit Uvision Europe eine Tochtergesellschaft mit Sitz in München gegründet. Diese soll in Zukunft alle Projekte in Europa führen und umsetzen. Geführt wird sie von Roman Didenco als Geschäftsführer. Es handelt sich um eine vollständige europäische juristische Gesellschaft.

Vor allem soll Uvision Europe eigene, europäische Entwicklungen vorantreiben und die Produktion in Deutschland und Europa ermöglichen. Mit einem eigenen Business Plan, einem europäischen Integrated Logistics Support (ILS) Programm, Training-Akademie, und vielem mehr. Entsprechende Projekte bzw. Tochterfirmen in den USA und Indien dienen hierbei als Vorbild. Es geht um eine vollständige Lokalisierung. Uvision hat dazu bereits eine Fläche von 15.000 Quadratmeter bei München erworben. Die Firma soll bis Ende 2026 stehen und ab 2027 produzieren können. Teil der Lokalität werden eine Trainingsakademie sowie ein großes Besucherzentrum für Kundenpräsentationen sein.

Von dieser Entwicklung unberührt bleibt die Partnerschaft mit Rheinmetall. So wird Rheinmetall auch in Zukunft den Gefechtskopf für die HERO-Familie in Europa liefern. In Zukunft wird aber nicht nur der Gefechtskopf aus Deutschland kommen, sondern auch der Flugkörper, der bisher in Israel hergestellt wird. Damit werden auch die Teile der Wartung und die Produktion der Ersatzteile in Deutschland liegen. Aber mehr noch, es wird auch eine eigenständige Research and Development (R&D; Forschung und Entwicklung) in Süddeutschland beheimatet sein. Es werden neue und eigenständige Produkte entstehen, ohne dass diese dem israelischen Exportkontrollrecht unterliegen. Das ganze läuft parallel, die Herstellung der HERO-Familie und die aufkommende Eigenständigkeit mit eigenen Lösungen. Solche Lösungen können in der Regel 18 bis 24 Monate nach dem Vorliegen der Kundenanforderungen entwickelt sein. Die HERO-Familie soll ab Q1/2027 vor Ort produziert werden können. In Zukunft mit allen Komponenten aus Europa.

Diese Entwicklung steigert aber nicht nur die Versorgungssicherheit und Resilienz in Deutschland und Europa, sondern auch in Israel, Indien und den USA. Werden dort kurzfristig Skalierbarkeiten oder Einzelteile benötigt, so kann jetzt schnell und unkompliziert ein Austausch stattfinden. Aber das Ziel bleibt eine möglichst große Lokalisierung an allen Orten, inklusive der Gefechtsköpfe und Kommunikationsmitteln.

Zudem Hat Uvision 100 Prozent der Firma Spear erworben. Als Ergänzung im taktischen Bereich für Reichweiten zwischen 0 und 5 Kilometern. Damit kann Uvision jetzt auch die VIPER 300 (2 kg, Reichweite bis 5 km, 15 Minuten Flugzeit) sowie VIPER 750 (3 kg, 15 km Reichweite, 45 Minuten Flugzeit) anbieten. Letztere kann unter Wasser gestartet werden um dann oberhalb der Wasseroberfläche aufklären zu können. Mit diesen Systemen können auch entsprechende Systeme zur Grenzüberwachung und -sicherung umgesetzt werden.

Zudem wurden Mehrheitsanteile des Start-Ups TRIM Robotics erworben. Dabei hält TRIM Robotics ein Schlüsselpatent für seine „Dynamic Drive“-Drohnentechnologie, die sich durch ein zweiteiliges Rahmendesign auszeichnet, bei dem das Antriebssystem vom Mittelrahmen entkoppelt ist. Diese Technologie ermöglicht eine flexiblere Anpassungen während des Fluges, eine gesteigerte Effizienz sowie eine 360-Grad-Zielerfassung. Zudem hat die Drohen zwei Nutzlastaufnahmen. Der Nutzer kann zwischen einer reinen ISR-Lösung, oder einer kombinierten ISR- und Kampfnutzlast entscheiden. Die PEREGRINE-Drohen kann auch auf Häuserdächern „geparkt“ werden um von dort aufzuklären.

PEREGRINE MR-Drohne.
PEREGRINE MR-Drohne.
Bild: Uvision

Ein erster Vertrag für die PEREGRINE MR (Medium Range)-Drohen wird in kürze erwartet. Vermutlich für Spezialkräfte. Es soll mit MR-, SR- (Short Range) und LR- (Long Range) am Ende eine Familie mit zunächst drei Varianten geben. Die MR-Version ist die erste die produziert wird.

Außerdem wurden die Produktionskapazitäten in Israel und Indien ausgebaut.

 

Text: Redaktion / af

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