Nach erfolgreicher Teilnahme an der NATO Innovation Range in Lettland präsentierte das Münchner Unternehmen JetDrones seinen jetgetriebenen Hochgeschwindigkeits-Interceptor JET I erstmals öffentlich auf der ILA Berlin 2026 im Rahmen einer Flugvorführung.
JetDrones entwickelt kompakte, jetgetriebene Interceptor-Drohnen zur Abwehr moderner Luftbedrohungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Luftziele in mittleren und größeren Höhen wirtschaftlicher bekämpfen lassen als mit klassischen Flugabwehrraketen. Ziel ist es, eine zusätzliche Abfangschicht zwischen kostengünstigen Nahbereichssystemen und deutlich teureren Flugabwehrlösungen bereitzustellen.
Ende Mai nahm JetDrones an der NATO Innovation Range im lettischen Sēlija teil. Dort präsentierte das Unternehmen einen jetgetriebenen Interceptor, der speziell für die Bekämpfung von Luftzielen in Höhen zwischen vier und acht Kilometern entwickelt wurde. Dieser Höhenbereich gewinnt zunehmend an Bedeutung, da viele aktuelle Bedrohungen ihre Reiseflughöhen bewusst außerhalb der Reichweite klassischer FPV– oder Multikopter-Abfangdrohnen wählen.
Die Plattform kann sowohl vollständig autonom als auch unter Aufsicht eines Operators betrieben werden. Während der Demonstration in Lettland wurde das System im FPV-Modus geflogen. Langfristig soll die Plattform sowohl autonome als auch KI-gestützte Zielverfolgungs- und Abfangfunktionen unterstützen.
JetDrones: Technologie aus dem Hochleistungsflug
Die technische Grundlage von JetDrones stammt aus mehr als 25 Jahren Erfahrung im professionellen Modellflug- und Turbinenbereich. Die Gründer und Entwickler beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit Hochleistungsmodellen, Strahltriebwerken, Aerodynamik, Flugregelung und Hochgeschwindigkeitsflug. Diese Erfahrung fließt heute direkt in die Entwicklung der Interceptor-Plattformen ein. Statt bestehende UAV-Konzepte zu übernehmen, setzt JetDrones auf eine konsequent auf Geschwindigkeit, Steigleistung, Wendigkeit und Abfangleistung ausgelegte Architektur.
Die JET I erreicht bei einem vollgetankten Gesamtgewicht von rund 4,3 Kilogramm Geschwindigkeiten von über 420 km/h. Angetrieben wird die Plattform von einem kompakten Turbinentriebwerk mit 55 Newton Schub. Die Kombination aus geringem Gewicht, hoher Schubleistung und aerodynamisch optimierter Flugzelle ermöglicht hohe Beschleunigungswerte sowie kurze Reaktions- und Zielerfassungszeiten.
Im Gegensatz zu elektrisch angetriebenen Systemen steht die Antriebsleistung über die gesamte Einsatzdauer hinweg konstant zur Verfügung. Dies ist insbesondere bei Einsätzen in größeren Höhen von Vorteil. Die Plattform ist für Einsatzhöhen von bis zu 8.000 Metern ausgelegt und adressiert damit einen Bereich, der für viele heute verfügbare Drohnen nur eingeschränkt erreichbar ist.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Modularität. Die Flugplattform kann sowohl im FPV-Betrieb als auch mit KI-gestützter Zielverfolgung und autonomen Flugfunktionen eingesetzt werden. Die Systemarchitektur erlaubt die Integration unterschiedlicher Sensoren und Missionsprofile auf einer gemeinsamen Plattform.
Geschwindigkeit statt Flugzeit
Während viele UAV-Systeme auf möglichst lange Flugzeiten optimiert werden, verfolgt JetDrones einen anderen Ansatz. Für die Bekämpfung schneller Luftziele sind vor allem Geschwindigkeit, Steigleistung, Wendigkeit und die Zeit bis zum Zielkontakt entscheidend. Bedrohungen sollen möglichst früh erkannt und bereits in größerer Entfernung zum
Schutzobjekt abgefangen werden, bevor sie ihre eigentliche Wirkzone erreichen. Hohe Geschwindigkeit vergrößert dabei den verfügbaren Reaktionsraum und verkürzt die Zeit zwischen Zielerfassung und Abfangen erheblich.
Wirtschaftlichkeit als entscheidender Faktor
Die Erfahrungen aktueller Konflikte zeigen, dass moderne Luftverteidigung zunehmend große Stückzahlen kostengünstiger Drohnen bekämpfen muss. Der Einsatz hochpreisiger Flugkörper gegen günstige Luftziele führt dabei häufig zu einem wirtschaftlichen Ungleichgewicht. JetDrones verfolgt daher das Ziel, ein System bereitzustellen, das deutlich kostengünstiger eingesetzt werden kann als klassische Flugabwehrlösungen und gleichzeitig die erforderliche Geschwindigkeit und Einsatzhöhe erreicht. Die Plattform wurde bewusst kompakt, leicht und modular ausgelegt, um eine wirtschaftliche Skalierung zu ermöglichen.
„Neue Bedrohungen werden schneller, fliegen höher und verkürzen die verfügbaren Reaktionszeiten drastisch. Geschwindigkeit, Einsatzhöhe und schnelle Zielerreichung werden damit zu entscheidenden Faktoren moderner Luftverteidigung“, erklärt Jörn Halbauer, Geschäftsführer von JetDrones.
JET I – Technische Daten
- Spannweite: 800 mm
- Länge: 1.220 mm
- Gewicht (vollgetankt): ca. 4,3 kg
- Antrieb: Turbinentriebwerk mit 55 N Schub
- Höchstgeschwindigkeit: über 420 km/h
- Mindestfluggeschwindigkeit: 76 km/h
- Reichweite: bis zu 56 km
- Nutzlast: bis zu 1 kg (u.a. für den Transport von Wirkmitteln)
- Maximale Einsatzhöhe: bis zu 8.000 m
Quelle: JetDrones
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