Bliksem EXO Konsortium – Europas Abwehrschild gegen ballistische Raketen

BliksemEXO: Fünf europäische Rüstungskonzerne besiegeln in Paris den Start eines gemeinsamen Interceptor-Programms gegen Mittelstreckenraketen. Unter niederländischer Führung und mit ukrainischem Know-how bilden Airbus Defence and Space, Destinus, MBDA Deutschland, Safran Electronics & Defense und Thales das neue Bliksem EXO Konsortium.

BliksemEXO
Die Partner von Bliksem EXO bei der Vertragszeichnung
Foto: Thales

„Europa verfügt über starke untere Abfangschichten, doch es fehlt weiterhin eine souveräne europäische obere Schicht gegen ballistische Mittel- und Langstreckenraketen.“, erklärte Destinus-CEO Mikhail Kokorich – auch wenn mit Arrow 3 in Deutschland die grundsätzliche Fähigkeit zur Abwehr besteht.

Das Ziel des gestern im französischen Außenministerium in Paris neu gegründeten BliksemEXO Konsortiums sei ein direkter Hit-to-Kill-Abfang oberhalb der Atmosphäre – mit gemeinsamer Ingenieursarbeit ab August 2026 und einem geplanten Weltraumtest der Kill Vehicle im Jahr 2027.

Fünf Konzerne, eine Mission: die obere Schicht schließen

Ziel der fünf bedeutenden europäischen Rüstungskonzerne ist die Entwicklung, Qualifizierung, industrielle Serienfertigung und Betreuung eines exo-atmosphärischen Abfangsystems – kurz: eines Interceptors, der ballistische Raketen mittlerer und großer Reichweite noch oberhalb der Atmosphäre abfängt.

Das System soll speziell auf Bedrohungen wie Oreshnik-Systeme mit trennbaren, manövrierfähigen Wiedereintrittskörpern zugeschnitten sein. Der Abfangmechanismus setzt dabei nicht auf Sprengköpfe, sondern auf direkten kinetischen Treffer – ein sogenanntes „Hit-to-Kill“-Verfahren in der Mittelflugphase.

Der bei der Zeichnung anwesende niederländische Ministerpräsident Rob Jetten betonte die politische Tragweite des Schritts. Bliksem EXO stütze sich auf „die einzigartigen operativen Erfahrungen der Ukraine. Auf diese Weise wird die europäische Zusammenarbeit zu einem echten Schutz vor ballistischen Bedrohungen.

Klare Rollenverteilung im Konsortium

Innerhalb des Konsortiums übernimmt Destinus als Konsortialführer und Generalunternehmer die Systemintegration sowie die Entwicklung des Exo-Atmospheric Kill Vehicle (EKV) – dem eigentlichen Abfangkörper. MBDA Deutschland soll für Booster, Startgerät und Container des Interceptors verantwortlich sein.

Safran Electronics & Defense liefert Sucher sowie Lenk-, Navigations- und Steuerungstechnik für das Kill Vehicle. Airbus Defence and Space bringt seine Kommando- und Kontrollarchitektur samt Battle-Management-System (BMC4I) ein, während Thales die komplette Sensor- und Radarkette von der Frühwarnung bis zur Feuerleitung beisteuert.

Die Konsortialpartner äußerten sich zuversichtlich. MBDA-Deutschland-Geschäftsführer Thomas Gottschild sprach von einem „wichtigen Schritt zur Stärkung der kollektiven Verteidigungsfähigkeiten Europas durch engere Kooperation und geteiltes Fachwissen. Airbus-Defence-and-Space-CEO Michael Schoellhorn hob die Interoperabilität mit bestehenden Strukturen hervor: Das System werde die Kompatibilität mit NATOs Integrated Air and Missile Defence (IAMD) und der European Sky Shield Initiative sicherstellen.

Safran-Manager Alexandre Ziegler beschrieb die technische Herausforderung als „die anspruchsvollste Präzisionsaufgabe der Raketenabwehr, während Thales-Vizepräsident Hervé Dammann die Bedeutung der Sensorkette betonte: Alles beginne damit, Ziele auf extreme Distanzen hin zu erkennen, zu verfolgen und zu unterscheiden.

BliksemEXO: Ukrainisches Know-how als Fundament

Ein zentrales Merkmal des Programms ist die geplante Einbindung ukrainischer Erfahrungswerte. Die operative Erfahrung der Ukraine im Abwehren massiver Luft- und Raketenangriffe soll in Design, Test und Evaluierung des Systems einfließen – vorbehaltlich geltender Exportkontroll-, Sicherheits- und Regierungsanforderungen. Damit soll BliksemEXO nicht nur technologisch auf der Höhe der Zeit sein, sondern auch den realen Bedingungen des modernen Kriegsgeschehens Rechnung tragen.

Die gemeinsame Ingenieursarbeit soll bereits im August 2026 beginnen, ein erster Test des Exo-Atmospheric Kill Vehicle im Weltraum ist für 2027 vorgesehen. Sämtliche Aktivitäten unterliegen nach Angaben der Unternehmen den geltenden nationalen und europäischen Exportkontrollgesetzen sowie relevanten Sicherheits- und Regierungsverfahren.

Mit Bliksem EXO positioniert sich Europa damit erstmals mit einem eigenen Programm in jener Abfangschicht, in der bislang neben dem israelischen System Arrow auch US-amerikanische Systeme wie THAAD oder Aegis aktiv sind. Damit wird ein weiterer Baustein auf dem Weg zu mehr europäischer Souveränität in der Raketenabwehr angegangen.

 

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