Der sogenannte Rüstungsboom strahlt auch auf andere Wirtschaftszweige aus: Über alle Branchen hinweg denken mehr als 30 Prozent der deutschen Unternehmen über einen Einstieg oder die Vertiefung im Verteidigungsmarkt nach. Vor allem Fertigungsindustrien, aber auch Dienstleister sehen dort Wachstumschancen. In einer volatilen wirtschaftlichen Situation wird Verteidigung für diese Unternehmen zu einem zusätzlichen Standbein. Das sind Ergebnisse der Studie „Defense & Space 2026“ von Horváth.

Seit 2014 haben sich die Verteidigungsausgaben in Deutschland mehr als verdoppelt (+ 132 Prozent). Diese Entwicklung weckt das Interesse zahlreicher Unternehmen, die bislang vorwiegend im zivilen Bereich aktiv sind. In der Industrie planen vor allem Unternehmen aus der Metallverarbeitung (72 Prozent), dem Maschinenbau (48 Prozent) und der Automobilindustrie (38 Prozent), in den Verteidigungsmarkt einzusteigen oder ihre bisherigen Geschäfte zu erweitern. Bei Dienstleistern zeigen Unternehmen im öffentlichen Sektor (56 Prozent) sowie Software-Provider und Beratungsunternehmen (54 Prozent) das größte Interesse.
„Unternehmen in diesen Branchen bringen bereits die fertigungstechnischen Grundlagen mit, die der Verteidigungssektor braucht. Der Einstieg wäre für sie insofern kein Sprung ins Unbekannte, sondern eine naheliegende Erweiterung“, sagt Ralf Gaydoul, Partner bei Horváth. Dennoch erwarten die Unternehmen in der Fertigungsindustrie nur einstellige Umsatzanteile bis 2029, während sich Software-Anbieter (18 Prozent) und Energieversorger (23 Prozent) deutlich mehr versprechen.
„Dienstleister profitieren davon, dass sich regulatorische und produktbezogene Anforderungen auf Serviceebene deutlich leichter erfüllen lassen als auf Produktebene. Ihre im Vergleich zur Fertigungsindustrie breit anwendbaren Leistungen vereinfachen daher den Markteintritt und führen entsprechend zu einem höheren Interesse“, erklärt Ralf Gaydoul. Was viele Unternehmen noch zögern lässt, sind vor allem die strengen regulatorischen Vorgaben und Compliance-Anforderungen im Verteidigungssektor.
Aussicht auf anhaltendes Wachstum in der Branche
Etablierte Unternehmen im Bereich Verteidigung und Luftfahrt rechnen künftig mit weiterem Wachstum. 89 Prozent der befragten Führungskräfte erwarten, dass der Krieg in der Ukraine die Branche noch mindestens zehn Jahre über sein Ende hinaus prägen wird. Ebenso viele gehen davon aus, dass konventionelle Waffensysteme zunehmend durch unbemannte Systeme wie etwa Drohnen ersetzt werden.
Doch es gibt auch Kritikpunkte: 80 Prozent der Befragten bezweifeln, dass das derzeitige Investitionsniveau ausreicht, um die kritische Infrastruktur in den kommenden drei Jahren zu modernisieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. 42 Prozent der Führungskräfte befürchten, dass Engpässe eine resiliente Energieversorgung im Krisenfall einschränken könnten.
Industrie: Fachkräfte, KI und Lieferkette als Engpässe
Hinzu kommt ein wachsender Fachkräftebedarf in den Bereichen KI, Forschung und Entwicklung sowie Cybersicherheit. Gleichzeitig steht die Branche vor Herausforderungen bei der KI-Transformation. 82 Prozent der CxOs halten KI für die disruptivste Kraft in der Verteidigung, aber in der Umsetzung hakt es: 73 Prozent befürchten, dass unklare Prozesse die KI-Einführung verzögern.
Beim Ausbau der Produktionskapazitäten entlang der Lieferkette ist die Branche zudem gespalten: 51 Prozent der Führungskräfte hoffen, dass sich Abhängigkeiten von Rohstoffen und Zwischenprodukten durch gezielte Diversifizierung und Investitionen in den kommenden zehn Jahren verringern lassen. Doch fast ebenso viele (47 Prozent) bezweifeln das. „Die Branche steht vor praktischen Fragen, die darüber entscheiden, ob die Milliardeninvestitionen zu einer besseren Verteidigungsfähigkeit Europas führen“, sagtw Ralf Gaydoul, Partner bei Horváth.
Quelle: Horváth
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