Israel: Sorge über wachsenden Einfluss der Türkei in Syrien

Das wachsende Engagement der Türkei in Syrien sorgt in Israel für Besorgnis. Die USA wurden gebeten, diese Entwicklung genau zu beobachten.

Die Hauptstadt der Türkei, Ankara.
Die Hauptstadt der Türkei, Ankara.
Foto: Bjørn Christian Tørrissen

Obwohl die Türkei aus israelischer Sicht ein potenzielles Risiko für die regionale Sicherheit darstellt, gilt sie nicht als unmittelbare militärische Bedrohung wie der Iran. Die größere Gefahr wird vielmehr in einer zunehmenden politischen und militärischen Rivalität, dem Einsatz von Stellvertretern in Syrien, Spannungen im östlichen Mittelmeer sowie in der Nutzung der NATO-Mitgliedschaft und der türkischen Rüstungsindustrie gesehen, um Israel diplomatisch und militärisch unter Druck zu setzen.

Israel und die Türkei geraten zunehmend auch öffentlich aneinander. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan erklärte, die israelischen Angriffe in Syrien und im Libanon stellten ebenfalls eine Bedrohung für die Türkei dar. Gleichzeitig wird die Türkei in israelischen Kommentaren immer häufiger als regionaler Rivale dargestellt. Dies ist deshalb von Bedeutung, weil der Konflikt inzwischen über den verbalen Schlagabtausch hinausgeht und den gemeinsamen Operationsraum in Syrien betrifft, wo die Interessen beider Staaten rasch aufeinanderprallen könnten.

Der türkische Außenminister Hakan Fidan erklärte Anfang dieser Woche, Israel sei eine „Last, die die Menschheit nicht länger tragen könne“, und bezeichnete das Land als ein „Problem“ für die Welt.

Dr. Mordechai Kedar, ein israelischer Nahost-Experte, sagte gegenüber Defence Network, Präsident Erdoğan wolle das islamische Reich wiederaufbauen: „Israel sollte diese Worte sehr ernst nehmen.“

Türkei: Rüstungsexporte wachsen

Auch das militärisch-industrielle Gewicht der Türkei wächst weiter. Laut Reuters erreichten die türkischen Rüstungsexporte im vergangenen Jahr ein Volumen von 10 Milliarden US-Dollar. Zudem liefert die Türkei inzwischen rund 60 Prozent der weltweit eingesetzten bewaffneten Drohnen, was ihren politischen Einfluss und ihre militärische Reichweite weiter stärkt. Aus israelischer Sicht bedeutet dies, dass die Türkei nicht nur ein lautstärkerer Kritiker ist, sondern auch über zunehmend leistungsfähige eigene Luft-, Drohnen-, Raketen- und Seestreitkräfte verfügt.

Israelische Sicherheitskreise weisen jedoch darauf hin, dass die Türkei durch ihre NATO-Mitgliedschaft, wirtschaftliche Zwänge und ihre bisherige Haltung gegenüber Israel begrenzt sei. Anders als der Iran habe Ankara bislang keine offen auf die Vernichtung Israels ausgerichtete Politik verfolgt. Die derzeitige Bedrohung werde daher vor allem indirekt gesehen – etwa durch politischen Druck, die Behinderung von Kooperationen, nachrichtendienstliche Spannungen, Konflikte im Mittelmeer oder die Unterstützung israelfeindlicher Akteure – und weniger in Form eines unmittelbar bevorstehenden militärischen Großkonflikts.

Gleichzeitig verfolgt auch die Türkei eigene strategische Interessen, die gegen eine direkte militärische Konfrontation mit Israel sprechen. Ankara hat mehrere Gründe, die Spannungen unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges zu halten.

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