Europäische Staaten erhalten über ihre Militärattachés in Israel aktuelle Informationen, um Munitionsengpässe, wie sie Israel während des jüngsten Krieges mit dem Iran erlebt hat, zu vermeiden.
Israelische Experten betonen, dass europäische Länder aus den Munitionsengpässen Israels im jüngsten Krieg gegen den Iran lernen sollten. Diese hätten entscheidende Schwachstellen in der modernen Verteidigungsvorsorge offengelegt, die auch für die Sicherheitsherausforderungen Europas von unmittelbarer Bedeutung seien.
Während eines von israelischen Quellen als „verlorenes Jahrzehnt“ bezeichneten Zeitraums zwischen 2007 und 2023 verlor Israel wichtige nationale Fähigkeiten zur Waffen- und Munitionsproduktion. Im Jahr 2012 wurde aus wirtschaftlichen Gründen die Herstellung bestimmter Grundstoffe für die Munitionsproduktion eingestellt.
Auch Europa hat seine Produktionskapazitäten für Artilleriemunition in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Der Krieg in der Ukraine habe gezeigt, dass der Wiederaufbau einer ausreichenden Produktionskapazität mehr als 60 Monate in Anspruch nehmen könne.
Israel verfügte zu Beginn des Konflikts nach Angaben der Experten über rund 15.000 Bomben, setzte im Verlauf der Kämpfe jedoch etwa 150.000 ein. Darüber hinaus wurden 81 Prozent der Abfangraketen der Systeme Arrow-2 und Arrow-3 verbraucht.
Die massiven Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen aus dem Iran führten zu einer erheblichen Verringerung der israelischen Bestände an Langstrecken-Luftverteidigungsmunition. Dies machte die kurzfristige Bereitstellung zusätzlicher US-amerikanischer Verteidigungsmittel erforderlich. Das beispiellose Tempo der Luftangriffe in dicht besiedelten Gebieten sowie der enorme Bedarf an Einsatzmunition führten dazu, dass Israel auf internationale Partner und dringende Nachlieferungen aus dem Ausland angewiesen war.
Munitionsengpässe: US-amerikanische Nachschubflüge seien „Überlebensnotwendigkeit“ geworden
Ein Prüfbericht des israelischen Rechnungshofes stellte fest, dass das „verlorene Jahrzehnt“ zu einem Rückgang der heimischen Produktionskapazitäten für wichtige Sprengstoffe wie TNT geführt habe. Dadurch sei Israel in hohem Maße von ausländischen Lieferanten abhängig geworden.
Um die Abhängigkeit von internationalen Lieferketten zu verringern, haben das israelische Verteidigungsministerium und Unternehmen wie Elbit Systems Maßnahmen eingeleitet, um die nationale Produktionskapazität für schwere Bomben und Abfangraketen des Systems Iron Dome deutlich auszubauen. Unterstützt wird dies durch umfangreiche US-Militärhilfepakete.
Nach Einschätzung israelischer Experten verfügen viele europäische Staaten lediglich über Munitions- und Materialvorräte für wenige Tage und nicht für einen längeren Krieg über mehrere Monate. Auch Israel habe erfahren, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Verbündete während eines Konflikts Embargos für wichtige Lieferungen verhängen oder Exportbeschränkungen für militärische Komponenten einführen.
Europa sei bei zahlreichen Schlüsselkomponenten weiterhin auf ausländische Zulieferer angewiesen, während die weltweite Munitionsknappheit alle Konfliktregionen gleichermaßen betreffe. Israel habe aufgrund begrenzter Personal- und Munitionsressourcen Schwierigkeiten gehabt, gleichzeitig umfangreiche Operationen im Gazastreifen, im Libanon und gegen den Iran aufrechtzuerhalten.
US-amerikanische Nachschubflüge seien dabei nicht mehr lediglich eine zusätzliche Unterstützung, sondern eine „Überlebensnotwendigkeit“ geworden. Israelische Quellen betonen daher, dass europäische Staaten Milliardenbeträge in den Aufbau eigener Munitionsproduktionskapazitäten investieren sollten. Die israelische Nagel Committee habe eine Ausweitung der Produktionskapazitäten im Umfang mehrerer Milliarden Schekel empfohlen. Bis Mitte 2025 sei jedoch nur ein begrenzter Teil dieser Mittel bereitgestellt worden.
Nach Ansicht israelischer Experten sollte Europa die Lehren aus den israelischen Erfahrungen ziehen, da die Munitionsengpässe während des Krieges gegen den Iran zentrale Schwächen moderner Verteidigungsvorsorge offengelegt hätten, die auch für die Sicherheit Europas von erheblicher Bedeutung seien.
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