Ein weiterer Meilenstein auf dem Wachstumskurs der Marine: Auf dem Werftgelände von Blohm + Voss im Hamburger Hafen wurde am 21. April die erste Korvette des zweiten Bauloses der K130, die Korvette KÖLN getauft. In Anwesenheit der parlamentarischen Staatssekretärin Siemtje Möller, dem Inspekteur der Marine, Jan Christian Kaack, Hamburgs Innensenator Andy Grote und dem CEO der NVL (Naval Vessels Lürssen) Tim Wagner war natürlich auch die Taufpatin, Oberbürgermeisterin der Patenstadt, Henriette Reker anwesend.
Es war eines der ersten Projekte, das ich als junger Redakteur des cpmFORUM begleitete. Am siebten Februar 2019 durfte ich die Lürssen-Werft in Lemwerder bei Bremen besuchen, um an dem Zeremoniell zum Brennbeginn K130, zweites Los teilzunehmen. Ein Termin, den ich in guter Erinnerung behalten habe. Liegen mir die See, die Marine und natürlich unsere grauen Boote und Schiffe auch emotional am Herzen.
Die Rede der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, die Worte des Inspekteurs Marine, Vizeadmiral Andreas Krause, und natürlich die emotionale und aufrüttelnde Rede von Friedrich Lürssen klingen noch heute in meinen Ohren. Ich schloss meinen Artikel damals mit den Worten: „Es bleibt zu hoffen, dass das Projekt K130 Boote 6-10 in seiner Fortführung als gelungenes Projekt bestehen bleibt und somit gegebenenfalls als gutes Beispiel für weitere Beschaffungsvorhaben bestehen kann.
Bei bestem Hamburger Wetter (Anm. der Red.: KEINE IRONIE!) ist nun am 21. April 2022 die Taufe der KÖLN vollzogen worden. Am 31. Juli 2012 wurde zuvor die Fregatte Köln (F122) außer Dienst gestellt. Mit dem ersten Boot des zweiten Bauloses der K130 bekommt die Deutsche Marine nun endlich wieder eine KÖLN. Wenig verwunderlich also, dass sich in den Reden der oben benannten Würdenträger und Würdenträgerinnen auch die eine oder andere „kölsche Mundart“ verirrte.
Ein Blick zurück: Vom Ressortkonzept bis zum ersten Baulos
Im Jahr 1995 sah ein erstes Ressortkonzept den Kauf von 15 Korvetten K130 als Ersatz der Schnellbootklassen 143 und 143A vor. Damals war man sich über den Einsatz der geplanten Fähigkeitsträger jedoch noch nicht abschließend im Klaren und hatte verschiedene Ansätze zur optimalen Nutzung des neuen Systems. Am 13. Dezember 2001 kam es zur Unterzeichnung eines Beschaffungsvertrages über fünf Korvetten. Mit einem Volumen von rund 1,2 Milliarden Euro ließ sich ein ungefährer Einzelpreis von 240 Millionen Euro pro Korvette errechnen. Die BRAUNSCHWEIG-Klasse war in ihrem nun definierten Aufgabenspektrum für den Einsatz in Randmeeren und Küstengewässern vorgesehen. Dies bedingt im Vergleich zu den Fregatten einen deutlich reduzierten Tiefgang. Die F123er Klasse beispielsweise hat einen maximalen Tiefgang von ca. 6,30 Metern. Das erste Los der K130 wurde mit einem maximalen Tiefgang von 3,40 Metern beschafft. Somit sind die Korvetten optimal für küstennahe Operationen und Randmeergebiete gewappnet.
Ausstattungsunterschiede zwischen erstem und zweitem Baulos
Betrachten wir die Ausstattung des ersten Bauloses etwas genauer, so lassen sich einige Fähigkeiten des Schiffes im operativen Einsatz ableiten. Hauptbewaffnung der K130 erstes Los war der Seezielflugkörper Robotsystem 15 Mark-3 (RBS15 Mk3), der von den Unternehmen SAAB und Diehl Defence gefertigt wird. In der Version Mk3 ist er auch landzielfähig und verfügt im Vergleich zu den Vorgängerversionen über gesteigerte Stealth-Eigenschaften sowie Manövrierfähigkeiten. Neben einer großen Reichweite verfügt der RBS15 Mk3 neben einem aktiven Radarsucher auch über eine Kombination aus inertialer und GPS-gestützter Navigation. Der allwetterfähige Fire-and-Forget-Flugkörper ist nach Aussage des Unternehmens Diehl Defence „extrem störsicher gegen elektronische Gegenmaßnahmen“. Am 11. September 2020 wurde ein Rahmenvertrag zur Ergänzungsbeschaffung geschlossen, um auch das zweite Baulos K130 mit diesem Wirkmittel auszustatten.
Das Bordgeschütz der K130 erstes Los ist die 76/62 Compact des italienischen Herstellers OTO Melara (heute Leonardo S.p.A.). Das vollautomatische Geschütz verschießt mit seinem 76-mm-Geschützrohr eine Kaliberlänge von 62mm. Die 80-Schuss-Magazine können sowohl gegen Luft-, Land- und auch Seeziele wirken. Im zweiten Baulos wird das Bordgeschütz durch das „Nachfolgesystem“ aus dem Hause Leonardo integriert. Das Schiffgeschütz des Typs Oto 76/62 Super Rapid (aus dem Hause Leonardo S.p.A.) wird mit einer gesteigerten Feuerrate eine grundlegende Kampfwertsteigerung der Schiffsverteidigung im asymmetrischen Kampf erfahren. Laut Hersteller ist das System besonders für die Luft-, Raketen- und Punktabwehr geeignet. Auch Schwachstellen in der Abwehr gegnerischer Cyberangriffe auf das System sollen gegenüber dem Vorgängermodell behoben worden sein.
Verteidigung im Nah- und Nächstbereich
Zur Verteidigung im Nah- und Nächstbereich verfügte das erste Baulos der K130 über das Waffensystem Rolling Airframe Missile (RAM). Die Werfer befinden sich jeweils auf Vorderdeck und Achtern. Das zweite Baulos der K130 wird bereits für die neue Version RAM Block 2 (bis hin zur Variante 2B) ausgerüstet, die sich unter anderem durch ihre gesteigerte Manövrierfähigkeit auszeichnet. Zusätzlich wurde die Radarkomponente durch einen erheblich empfindlicheren digitalen Radarempfänger mit intelligenter Signalauswertung ersetzt und dadurch die Auffassung verbessert. Wichtig ist, dass es sich hierbei um einen passiven Sucher handelt, welcher Radarstrahlen auffasst, statt sie zu senden. Durch die Integration dieser Lenkflugkörper wird der Selbstschutz der K130 auf einen aktuellen Stand gebracht.
Ebenso werden die Korvetten mit je zwei TKWA/MASS Täuschkörperwerfern ausgestattet. Zwei 27mm Marine- Leicht-Geschütze (MLG) sowie vier schwere Maschinengewehre (sMG) mit Kaliber 12,7x 99mm (cal. 0.50 BMG) ermöglichen einen erweiterten Schutz der Boote.
Das Marinekommando äußert sich auf die Frage „Die K130 Boote aus dem zweiten Baulos unterscheiden sich bekanntermaßen von denjenigen des ersten Bauloses. Entsprechen die Boote des ersten Bauloses noch den Anforderungen an das Gesamtsystem K130 im Fähigkeitsportfolio der Marine?“ wie folgt:
Die Einheiten der Ergänzungsbeschaffung K130 (Boote 6-10) folgen der Vorgabe, einen Nachbau der Boote 1-5 zu schaffen. Aufgrund neuer Bauvorschriften und vorhandener Obsoleszenzen kam es zu einigen wenigen baulichen Änderungen und technischen Anpassungen. Nachbau bedeutet in diesem Zusammenhang insbesondere auch, dass die Fähigkeiten ALLER zehn Einheiten der Klasse K130 unverändert dem Profil entsprechen, welches in den Grundlagendokumenten der Klasse niedergelegt ist. Die Boote 6-10 haben also gegenüber den ersten fünf Booten keine neuen/ zusätzlichen Fähigkeiten. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Boote 1-5 weiterhin die ihr zugesprochenen Fähigkeiten besitzen und die ihnen zugewiesenen Aufgaben im Fähigkeitsportfolio der Marine erfüllen können.
Das Marinekommando zu den Unterschieden zwischen den K130 des ersten und zweiten Loses
Klar ist: Die Korvetten des zweiten Bauloses entsprechen gemäß der „Nachbeschaffung“ dem Einsatzprofil von Baulos 1. Klar ist auch: Es gab eine Reihe von Modernisierungen im zweiten Baulos. Was bleibt, ist die folgende wesentliche Feststellung zur Zukunft der K130:
Im Rahmen einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (WU) wurden zwei Handlungsalternativen zur Sicherstellung der Einsatzverfügbarkeit der Korvetten in den kommenden Jahren untersucht. Im Ergebnis sollen bei einem möglichen Zulauf weiterer Boote die Boote 1-5 sukzessive außer Dienst gestellt werden. Die Entscheidung zum Bau weiterer Boote liegt bislang noch nicht vor.
Dies hat große Vorteile im Hinblick auf Ausbildung und die Versorgbarkeit von dann zehn baugleichen Booten.
Einsatzfähigkeit wesentlicher Bestandteil im aktuellen Fähigkeitsprofil der Marine
Stand heute ist die K130 ein wichtiges System für die deutsche Marine. Baureihengleichheit war eines der Schlagworte innerhalb der aktuellen Diskussion. Wie diese erreicht werden kann, wird das Ergebnis einer Diskussion sein, deren Abwägung uns als Redaktion nicht zusteht. Klar ist aber: Die Einsatzfähigkeit von zehn Korvetten ist wesentlicher Bestandteil des aktuellen Fähigkeitsprofils der Marine. Schlussendlich wird sicherlich eine Wirtschaftlichkeitsprüfung der beiden Optionen – Retrofit/ Neubeschaffung – ausschlaggebend für die Entscheidung sein. Erste Anzeichen aus dem BMVg lassen Aufschlüsse über eine geplante Neubeschaffung zwar zu, eine abschließende Entscheidung bleibt aber weiter abzuwarten. Wir wünschen den Korvetten der Klasse 130 aber in jedem Fall allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
Autor: Matthias Wunsch und Marc Eschbach