Gestern und vorgestern führte KNDS in München die sogenannten Media Days durch. Gezeigt werden sollte die Zukunft, sowohl die technologische als auch die unternehmerische des deutsch-französischen Hauses. Zu diesem Anlass war sogar der CEO der KNDS Gruppe, Jean-Paul Alary angereist.
Alary zeigte die Zukunft des Unternehmens auf, aber auch die aktuellen Herausforderungen. Zudem stellte er die beiden neuen Geschäftsführer von KNDS France (Nicolas Groult) und KNDS Deutschland (Florian Hohenwarter) vor. Seine Kernaussage: KNDS ist das führende Systemhaus für Landsysteme in Europa. Er betonte, dass KNDS als Gruppe über 40 Streitkräfte beliefert und in neun Ländern operiert. Und er hob hervor, dass sich KNDS ausschließlich auf den Landbereich konzentrieren wird, und keine Erweiterungen in die Domänen Luft oder See unternehmen will.
KNDS – Börsengang bleibt Thema
Doch das Thema, das einen sehr großen Teil der Gäste interessierte, blieb ausgespart: Die zentrale Frage, wie sieht es mit einem möglichen Initial Public Offering (IPO) aus? Ein IPO ist der erste, öffentliche Verkauf von Unternehmensanteilen (Aktien) an der Börse, auch Börsengang genannt.
Mit diesem zentralen Thema gingen weitere Fragen einher: Wie will sich KNDS davor schützen, dass Rheinmetall bei einem möglichen Börsengang Mehrheitsanleger wird und KNDS übernimmt? Und wie steht KNDS zu dem möglichen Einstieg der Bundesrepublik Deutschland als Anteileigner?
Dazu wollte sich jedoch keiner der Geschäftsführer äußern, auch nicht zu den Umsatzzahlen, die demnächst veröffentlich werden sollen. Genauso wenig zu der Frage, wie groß der französische bzw. deutsche Anteil an den Umsätzen ist. Dieser Bereich bleibt spannend und mehr Informationen wird es sicherlich in den kommenden Monaten geben. Ohne Details zu nennen, wurden auch neue Lösungen angedeutet, die ersten werden vermutlich auf der Eurosatory 2026 zu sehen sein.
Zentrale Herausforderung klar benannt
Als zentrale Herausforderung bewertete Alary die sicherheitspolitische Lage in Europa. Er nannte den Aggressor und potenziellen Gegner ganz konkret. Und gleichzeitig mahnte er, die Verteidigungsausgaben seien zwar drastisch gestiegen, doch die Fragmentierung in Europa führe nach wie vor zu Ineffizienzen.
KNDS will hier als pan-europäisches Unternehmen eine erhebliche Verbesserung erreichen. Dazu werden standardisierte Systeme entwickelt, mit einer offenen Architektur, um einfach und schnelle nationale Fähigkeiten zu integrieren. So soll als Beispiel die Basis eines Kampfpanzers in Europa identisch sein, aber zum Beispiel die fernbedienbare leichte Waffenstation kann nationalisiert werden.
So sagte Jean-Paul Alary, es sei besser eine 60-prozentige Übereinstimmung bei allen Kampfpanzern zu haben, als 15 oder mehr Systeme in Europa. Das Paradebeispiel sei der Leopard 2-Kampfpamnzer.
Innovation als Herausforderung
Innovation sei eine zweite Herausforderung für Unternehmen wie KNDS, so der CEO. Die Entwicklungen des Gegners führen automatisch zum eigenen und ständigen Innovationsdruck. Wie dem begegnet werden soll und kann wurde während der Media Days vor Ort gezeigt. Eine Antwort sind unbemannte Systemen sowie der Manned-Unmanned Teaming (MUM-T) oder sogenannte Wingman-Ansatz.
Unbemannte Systeme werden nach seiner Schätzung die bemannten nicht ersetzen, sondern sie werden in Zukunft kombiniert. Und die dritte Herausforderung ist die benötigte Produktionssteigerung. Das sogenannte Ramp-up läuft nun schon seit mehr als einem Jahr und kann schon erste Erfolge vorweisen. Als Beispiel für die vierfache Produktion und Auslieferung bestimmter Systeme benannt. Erreicht wird dies durch den Ausbau der eigenen Produktionskapazitäten, aber auch durch den Ausbau von Partnerschaften.
Digitalisierung als Innovationstreiber
Im Vordergrund stand die Digitalisierung des Gefechtsfeldes. Also die zentrale Umsetzung von Software Defined Defence (SDD). Die KNDS-Antwort auf diese Herausforderungen sind sogenannte Advanced Mission Solutions.
Auf dem Media Day 2026 zeigte KNDS alles was aktuell entwickelt wird, um den technologischen Vorsprung der westlichen Streitkräfte zu erhalten oder auszubauen. Dafür investiert KNDS nach eigenen Angaben rund 8 Prozent der jährlichen Einnahmen in den Bereich Forschung und Entwicklung.
Konkret wurden vor Ort in München ein Mix aus deutschen und französischen Entwicklungen gezeigt. Aktuell noch eher getrennte Projekte, die in Zukunft aber immer mehr verschmelzen sollen.
Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen der OODA-Loop sowie das Thema Manned-Unmanned Teaming (MUM-T). Der OODA-Loop (Beobachten, Orientieren, Entscheiden, Handeln) ist ein vierstufiges Entscheidungsmodell für dynamische Umgebungen.
Durch schnelles, iteratives Durchlaufen dieses Zyklus – Beobachten (Observe), Orientieren (Orient), Entscheiden (Decide) und Handeln (Act) – können Einzelpersonen oder Organisationen agiler reagieren, Gegner übervorteilen und sich an veränderte Lagen anpassen. Es ist ein fortwährender Prozess.
Die vier Phasen der OODA-Loop:
- Observe (Beobachten): Sammeln von Rohdaten und Informationen aus der Umgebung durch Sensoren oder Sinne.
- Orient (Orientieren): Analyse und Kontextualisierung der Informationen basierend auf Erfahrung, Kultur und aktuellem Wissen. Dies gilt als die wichtigste Phase.
- Decide (Entscheiden): Formulierung eines Handlungsplans basierend auf der Orientierung.
- Act (Handeln): Ausführung der Entscheidung und anschließende Überprüfung der Ergebnisse, was den Zyklus erneut mit der Beobachtung startet.
Hauptnutzen dieses Ansatzes ist die Geschwindigkeit der Entscheidungsfindung. Denn die Geschwindigkeit ist entscheidend. Wer die Schleife schneller durchläuft, kann den Gegner früher stören oder zerstören, ihn zu Fehlreaktionen zwingen und die eigene Position verbessern.
Das Modell dient dazu, in unsicheren Situationen (Kampf, Wirtschaft, Alltag) handlungsfähig zu bleiben und eine höhere Anpassungsfähigkeit als der Gegner zu haben.
Heute müssen diese Prozesse in Sekunden durchlaufen werden. Künstliche Intelligenz (KI) hilft dabei, die Massen an Daten zu sammeln, sortieren und zu analysieren. Zudem wird der Führer in seiner Entscheidungsfindung durch Vorschläge und Alternativen unterstützt. KI sorgt für den sogenannten enhanced decision support; unterstützt aber auch gleichzeitig den MUM-T Prozess.
Wichtig dabei: KNDS schaut nicht nur auf den ganz großen Ansatz, das allumfassende Lagebild und die Cpmbat Cloud, sondenr eher auf das umfassende Eco System des Kampffahrzeuges. In Zukunft soll und kann ein schweres Kampffahrzeug, zum Beispiel ein Kampfpanzer, von einem Unmanned Ground Vehicle (UGV) voraus als Aufklärer, einem UGV folgend mit Munition für die logistische Versorgung, sowie mehreren Unmanned Aerial Vehicles (UAVs) begleitet werden. Diese UAVs können in sehr unterschiedlichen Arten eingesetzt werden, Aufklärung aus der Luft, Counter-UAV durch Interceptor Drohnen, oder Loitering Munition als weitreichender Effektor.
Unter Umständen eine weitere Drohne mit EloKa-Fähigkeiten zum Jammen des Gegners. Das werden komplexe Systeme auf engsten Raum. Zudem darf dadurch die Besatzung nicht mehr und vor allem nicht überlastet werden. Und darauf will KNDS sich konzentrieren.
Wie dieser Ansatz zeigt, ist auch das Thema Counter-UAV allgegenwärtig. Denn heute ist es genauso wichtig, wie schütze ich meine Ansätze, egal ob einen Gefechtsstand, einen Kampfpanzer oder eine Haubitze.
Drohnenabwehr à la KNDS
C-UAV Support muss daher in alle Operationen und Planungen als integraler Bestandteil mit betrachtet und geplant werden. KNDS zeigte auch vor Ort, wie eine C-UAV-Fähigkeit durch die Bewaffnung des Schakals (Boxer RCT30; oder auch PuBo) oder durch das C-UAV 40MM System umgesetzt werden kann. Die Sensoren werden durch KI unterstützt.
Das C-UAV 40MM basiert auf einem UGV mit der ARX30 Bewaffnung. Diese bietet einen 360°-Schutz mit seiner Fähigkeit, Infanteriegruppen und mittelgroße geschützte Landfahrzeuge zu neutralisieren.
Er kann zum Selbstschutz von Infanterie, Konvois und stationären Einheiten eingesetzt werden. Das System ist dank der Vielseitigkeit der Munition auch für städtische Gebiete geeignet, so KNDS. Der ARX30 kann dank der 1A/1W NATO Standard Super Safe Munition in sehr schwierigen elektromagnetischen Umgebungen eingesetzt werden.
Durch die Modernisierung kann der ARX30 seine 360°-Schutzfunktion gegen Mini- und Mikro-UAVs verbessern. Der ARX30 RWS, ausgestattet mit der 30M781 MPG-Kanone, ersetzt sowohl die 12,7 mm-Waffe als auch den 40 mm-Granatwerfer RWS.
Die MPG-Kanone 30M781 ist die Landversion der elektrisch betriebenen Kanone 30M781, die im Tigre-Hubschrauber eingesetzt wird. Dieses System kann sehr weitgehend an Plattformen angepasst werden, von 4×4-Fahrzeugen bis hin zur sekundären Bewaffnung von Panzern und UGVs.
Vor Ort wurden gleich mehrere UGVs gezeigt, Details dazu in den kommenden Tagen auf Defence Network.
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