Eurosatory: GDELS & Alpha Robotics zeigen MUM-T-Konzept mit neuem EAGLE 6×6 VCU

„Was Sie hier sehen, ist etwas Einzigartiges“, erklärte Dr. Thomas Kauffmann, Vice President bei GDELS, bei der offiziellen Verkündung der neuen Partnerschaft heute morgen in Paris. Auf der aktuell laufenden Eurosatory zeigen General Dynamics European Land Systems (GDELS) und Alpha Robotics erstmals gemeinsam ihr Konzept für Manned-Unmanned-Teaming. Im Mittelpunkt steht der EAGLE 6×6 als geschützte Vehicle Control Unit (VCU), von der aus Operatoren ein Netzwerk unbemannter Boden- und Luftfahrzeuge steuern und koordinieren können.

Das Manned-Unmanned-Teaming-Konzept von GDELS und Alpha Robotics.
Das Manned-Unmanned-Teaming-Konzept von GDELS und Alpha Robotics.
Foto: CPM / Navid Linnemann

In einer Zeit, in der alle Welt von unbemannten Systemen spricht; in der jedes Unternehmen „auch eine Drohne“ baut, wird viel zu oft über ein Produkt, viel zu selten aber über dessen Einsatz gesprochen. GDELS und Alpha Robotics wollen genau das anders machen. Ihre Fahrzeuge gibt es seit Jahren; auf der Eurosatory werden sie zusammen gedacht.

Das Manned-Unmanned-Teaming-Konzept soll die Fahrzeugkompetenz von GDELS als OEM und Systemintegrator mit den unbemannten Systemen von Alpha Robotics für anspruchsvolle Einsatzszenarien zusammenführen. Das Ziel: eine vernetzte, skalierbare Systemarchitektur, die Soldaten entlastet, schützt und ihre Lagewahrnehmung entscheidend verbessert.

Das Signing – Eine neue Partnerschaft besiegelt

Neben dem Messeauftritt steht auch ein bedeutender vertraglicher Meilenstein im Fokus der Eurosatory: GDELS und Alpha Robotics unterzeichnen offiziell eine Kooperationsvereinbarung, die die bereits bekannte Zusammenarbeit beider Unternehmen formalisiert.

„Vor wenigen Minuten haben wir eine Vereinbarung zwischen General Dynamics European Land Systems und Alpha Robotics unterzeichnet, in der wir festlegen, wie wir gemeinsam den Einsatz unbemannter Systeme in Kombination mit unseren Fahrzeugen und Plattformen neu definieren und unseren Kunden eine Lösung anbieten, die funktioniert und verfügbar ist – denn wir wissen, dass Schnelligkeit dabei von entscheidender Bedeutung ist“, so Dr. Kauffmann.

Offizielle Verkündung der Partnerschaft auf der Eurosatory (v.l.n.r.): Oliver Rasche, CEO Alpha Robotics, Antonio Bueno, Präsident GDELS, und Dr. Thomas Kauffmann, Vice President GDELS und Geschäftsführer GDELS-Deutschland.
Offizielle Verkündung der Partnerschaft auf der Eurosatory (v.l.n.r.): Oliver Rasche, CEO Alpha Robotics, Antonio Bueno, Präsident GDELS, und Dr. Thomas Kauffmann, Vice President GDELS und Geschäftsführer GDELS-Deutschland.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Die Ausrichtung auf einsatznahe, robuste MUM-T-Lösungen überzeugt beide Seiten. Mit dem Signing auf der Eurosatory setzen die Partner ein klares Signal: Das gemeinsam in nur elf Wochen entwickelte Konzept soll konsequent weiterentwickelt und auf den Markt gebracht werden.

„Die letzten Monate waren etwas ganz Besonderes und sind wie im Flug vergangen“, sagte Alpha Robotics-CEO Oliver Rasche. Mit Blick auf das Jahr 2029 erklärte Rasche weiter: „Wir konzentrieren uns darauf, das Maximum herauszuholen, wenn es darum geht, neue Anwendungsfälle zu finden, und dafür sind wir gut gerüstet, da die Lieferketten klar ausgerichtet und gefestigt sind.“

Das Set-up – Der EAGLE 6×6 als Kommandozentrale

Herzstück des vorgestellten Konzepts ist der geschützte EAGLE 6×6 von GDELS, der auf der Messe als Vehicle Control Unit (VCU) konfiguriert ist. Im Inneren des Fahrzeugs stehen vier Operatorplätze zur Verfügung, ausgestattet mit herunterklappbaren Bildschirmen, über die sämtliche – fahrende und fliegende – unbemannte Systeme im Netzwerk gesteuert und überwacht werden können. Die Konfiguration in Paris: Schutz einer stationären Einrichtung.

Der EAGLE 6x6 VCU.
Der EAGLE 6x6 VCU.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Alpha-Robotics-CEO Oliver Rasche ist zufrieden mit der kurzen Zeit, in der die beiden Unternehmen das Set-up erstellt haben. Wichtig sei jedoch, dass auf der Messe keine fertige Lösung für alles gezeigt wird, sondern eine potenzielle Fähigkeit für ein bestimmtes Einsatzprofil. Wo andere Unternehmen noch blank dastehen, sei man bei GDELS und Alpha Robotics schon bei 80 Prozent. Die verbleibenden 20 Prozent werden dann „im Feld gelöst“ – ein bewusst skalierbarer Ausgangspunkt.

Die unbemannten Komponenten – Boden und Luft vernetzt

Rund um den EAGLE 6×6 VCU gruppiert sich eine Auswahl unbemannter Systeme von Alpha Robotics, die unterschiedliche taktische Rollen übernehmen. Auf dem Boden operieren der WOLF G1 – ein kettenbetriebener UGV mit stabilisierter 7,62-mm-Waffenstation Loki von Valhalla, der auch während der Fahrt feuern kann – sowie der WOLF C1, ebenfalls ein Kettenfahrzeug, das eine semi-stationäre Waffenstation und ein umfangreiches Sensorsystem für Überwachungs- und Sicherungsaufgaben trägt.

VCU: Eines der möglichen UGVs von Alpha Robotics: der WOLF G1.
Eines der möglichen UGVs von Alpha Robotics: der WOLF G1.
Foto: CPM / Navid Linnemann

In der Luft ergänzen die Starrflügel-Drohne HAWK für weiträumige Aufklärung sowie der Quadrokopter HUMMINGBIRD für leitungsgebundenen oder freien Betrieb das System. Alle Komponenten sind in die gemeinsame Netzwerkarchitektur integriert und werden zentral aus dem VCU heraus bedient.

Autonomie und Führung – Mensch bleibt im Loop

Die Systemlogik basiert auf dem Prinzip, dass der Mensch stets die Kontrolle behält. Operatoren können den unbemannten Bodenfahrzeugen via Touch-Screen Wegpunkte vorgeben, autonome Patrouillen initiieren und bei Bedarf jederzeit manuell übernehmen – etwa durch einen direkten Override mit einem Handcontroller. Auch das Übergeben einzelner unbemannter Systeme von VCU zu VCU ist möglich.

KI-gestützte Objekterkennung unterstützt die Lagebeurteilung, ersetzt aber keine menschliche Entscheidung. „Man-machine-teaming ist ohne den Menschen nicht möglich“, betont Rasche. Diese Überzeugung prägt die gesamte Systemphilosophie: Autonomie als Unterstützung, nicht als Ersatz.

Damit dies gelingen kann, müssen die menschlichen Bediener allzeit über ein umfassendes Lagebild verfügen. Die in Paris gezeigten vier klappbaren Paneele verfügen über je zwei Bildschirme übereinander – auf beiden Seiten. Je zwei seitlich, orthogonal zur Fahrtrichtung montierte Sitze bieten ausreichend Platz und Sicht auf die Monitore, könnten sich allerdings als Herausforderung während der Fahrt erweisen.

Der Use-Case – Sicherung im halbstatischen Umfeld

Als konkretes Einsatzszenario beschreibt Rasche die Sicherung eines temporären Logistikpunkts. Vier unbemannte Plattformen sichern in allen Himmelsrichtungen für eine vollständige 360-Grad-Perimetersicherung; zwei WOLF-G1-Rover übernehmen semi-autonome Patrouillen im Umkreis.

In Paris wurde als möglich Bewaffnung der Loki-Turm von Valhalla Turrets gezeigt.
In Paris wurde als möglich Bewaffnung der Loki-Turm von Valhalla Turrets gezeigt.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Im Ernstfall – etwa bei einer feindlichen Annäherung aus einer Richtung – kann das System einen ersten Waffeneinsatz einleiten, um den Gegner zu binden, bevor die Übergabe an den zuständigen Zugführer erfolgt. Zwei Operatoren aus dem Fahrzeug heraus sollen dabei in der Lage sein, den gesamten Sicherungsauftrag eines Zuges zu koordinieren.

Dass es dennoch vier Plätze für die Bediener der unbemannten Systeme im EAGLE 6×6 VCU gibt, zeigt: Auf der Eurosatory wird nur eine von unzähligen möglichen Missionen gezeigt. Grundsätzlich kann ein Operator mehrere UGVs und UAVs steuern, doch je intensiver der Einsatz, desto höher ist der „manned“-Anteil im manned-unmanned Teaming.

Im Präsentationsvideo auf der Eurosatory wurde das Einsatzkonzept grafisch dargestellt.
Im Präsentationsvideo auf der Eurosatory wurde das Einsatzkonzept grafisch dargestellt.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Erst der Anfang einer gemeinsamen Entwicklung

Was das GDELS-Alpha-Robotics-Konzept von einfachen Drohnen-Fernsteuerungslösungen unterscheidet, ist der systemische Ansatz. „Sie können nicht mit einem kleinen Display auf einer Fernbedienung taktisch handeln“, erklärt Rasche.

Wer schnell auf taktische Gelegenheiten oder Bedrohungen reagieren müsse, benötige Lagebewusstsein in Echtzeit, mehrere UAV und UGVs in verschiedenen Höhen und Winkeln sowie eine leistungsfähige, redundante Kommunikationsarchitektur mit mehreren wählbaren Übertragungswegen.

Die fliegende Drohne HAWK von Alpha Robotics.
Die fliegende Drohne HAWK von Alpha Robotics.
Foto: CPM / Navid Linnemann

GDELS und Alpha Robotics verstehen das auf der Eurosatory gezeigte Set-up ausdrücklich als Ausgangspunkt, nicht als Endprodukt. Die Konfiguration ist modular gedacht und auf unterschiedlichste Missionsprofile erweiterbar – von der Gefechtsfeldüberwachung über bodengestützte Luftverteidigung bis hin zu infanteriebegleitenden Szenarien.

Mit der heute besiegelten Kooperation legen beide Unternehmen den Grundstein für eine langfristige gemeinsame Systementwicklung und setzen damit ein Zeichen auf einer der bedeutendsten Rüstungsmessen der Welt. „Das ist für uns der Point of no return“; schloss Rasche am Morgen. „Wir blicken mit großem Stolz darauf, was wir erreicht haben und was wir in Zukunft noch erreichen werden.“ Unbemannte Technologien – so das Credo – dürfen heute nicht mehr als Ergänzung, sondern müssen als integraler Bestandteil moderner Landstreitkräfte gedacht werden.

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