ANKA III & Kızılelma – 2 Drohnen für den KAAN

Die Türkei baut mit dem KAAN nicht nur einen eigenen Kampfjet der fünften Generation. Sie baut ein ganzes Kampfsystem – und zu diesem System gehören gleich zwei unbemannte Flugzeuge, die nur auf den ersten Blick dieselbe Aufgabe erfüllen. Doch die ANKA III von TAI und die Kızılelma von Baykar sind keine Konkurrenten, sondern bedienen zwei unterschiedliche Einsatzphilosophien.

In der Türkei ist der Kaan überall präsent – wenn auch nur als Modell, wie hier auf der Industrieausstellung bei EFES 2026.
In der Türkei ist der Kaan überall präsent – wenn auch nur als Modell, wie hier auf der Industrieausstellung bei EFES 2026.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Während in Deutschland für das als gescheitert geltende FCAS lange Zeit nur von einem Loyal Wingman die Rede war, setzt die Türkei auf eine Doppelstrategie und erfüllt damit auch industriepolitische Ansprüche.

„Der KAAN wird sowohl mit der ANKA als auch mit der Kızılelma fliegen“, bestätigte ein Projektverantwortlicher von TAI gegenüber Defence Network beim Besuch in Ankara. Auch bei der technischen Umsetzung gebe es Berührungspunkte mit dem Wettbewerber Baykar. So würden beide Unternehmen bei der Integration der Drohnen zusammenarbeiten.

Nachgefragt, ob sich diese Zusammenarbeit zwischen dem staatlichen Unternehmen TAI mit seinem privatwirtschaftlichen Konkurrenten auch auf die Drohnentechnologie selbst erstrecke, grenzte der TAI-Mitarbeiter deutlich ab: „Wenn unsere Rüstungsbehörde SSB will, dass wir gemeinsam etwas entwickeln, dann arbeiten wir punktuell auch zusammen.“

Sprich: Die Kooperation ist von oben verordnet und beschränkt sich auf die Schnittstellen zum KAAN – bei Zelle, Sensorik und Bewaffnung bleiben ANKA III und Kızılelma getrennte Entwicklungslinien zweier konkurrierender Hersteller.

In der Türkei sind Baykar und Turkish Aerospace die beiden großen Drohnenhersteller. Für KAAN werden beide einen Beitrag leisten. „Innerhalb der Familie der strahlgetriebenen Kampfdrohnen ist unsere ANKA eher der Bomber, die Kızılelma eher der Jäger,“ erklärte der Projektverantwortliche gegenüber Defence Network.

Diese Aufstellung deckt sich mit dem, was auf Messen der letzten Monate zu sehen war. Bei der World Defense Show 2026 in Riad präsentierte TAI ein Manned-Unmanned-Teaming-Konzept (MUM-T), bei dem ein KAAN-Modell gemeinsam mit zwei ANKA-III-Kampfdrohnen abhob, in Formation flog und einen simulierten Angriff durchführte.

Kurz zuvor, bei der SAHA 2026, zeigte TAI die ANKA III zusätzlich als Trägerplattform für kleinere Effektoren. Zu sehhen war die Süper-Şimşek-Angriffsdrohne, welche extern an den Tragflächen mitgeführt wird. Wobei die ANKA III auch über einen internen Waffenschacht verfügt.

Die Türkei bezeichnet dieses Gesamtmodell intern als „Sadık Kanat“ – wörtlich „treuer Flügel“ – das türkische Pendant zum westlichen Loyal-Wingman-Begriff.

ANKA III: Der stille Aufklärer mit Bombenschacht

Die ANKA III von TAI ist ein Nurflügler mit Strahltriebwerk und ausgeprägter Tarnkappen-Formgebung – ein Design, das konsequent auf Radarsignatur-Reduktion ausgelegt ist. Als Nurflügel-Stealth-UCAV soll die Drohne die türkischen Streitkräfte und andere Kunden über umkämpftem Gebiet oder in gesperrtem Luftraum unterstützen.

Auf der SAHA 2026 in Istanbul zeigte Turkish Aerospace Industries die Bewaffnungsmöglichkeiten der ANKA III.
Auf der SAHA 2026 in Istanbul zeigte Turkish Aerospace Industries die Bewaffnungsmöglichkeiten der ANKA III.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Unerkannte Aufklärung ist allerdings nur eine mögliche Vorgehensweise der ANKA III. Dank interner Waffenschächte soll die Drohne präzisionsgelenkte Munition abwerfen können und in künftigen Varianten auch elektronische Kampfführung übernehmen. Mit letzterer Fähigkeit präsentierte das deutsche Unternehmen Helsing eine vergleichbare Kampfdrohne auf der ILA in Berlin (Defence Network berichtete).

Doch der technische Reifegrad des türkischen Programms ist weiter: Die ANKA III absolvierte seinen Erstflug im Dezember 2023 und wurde im Oktober 2024 als erste Drohne der Geschichte von einem anderen Luftfahrzeug aus gesteuert. Im Januar 2025 folgte ein erfolgreicher Angriffstest mit interner Bewaffnung.

Doch das Projekt musste auch Rückschläge einstecken: Im Juni 2025 stürzte ein Prototyp bei einem Testflug ab. Aufhalten lässt sich Turkish Aerospace Industries davon allerdings nicht. Nach Abschluss des finalen Designs plant die türkische Luftwaffe für 2026 eine Bestellung von über 50 ANKA-III-Maschinen. Der Start der Serienproduktion ist ebenfalls für das laufende Jahr geplant; die Auslieferung der ersten Maschinen für 2028.

Charakteristisch für ANKA III und ihr Einsatzprofil sind Reichweite, hohe Missionsausdauer und satellitengestützte Kommunikation, die Einsatzradien von potenziell mehreren tausend Kilometern erlauben. Damit wird die ANKA III tatsächlich zu einer Bomberdrohne, die unerkannt und tief in feindliches Gebiet hineinstoßen kann.

Ein Zusammenspiel mit dem KAAN als Loyal Wingman ergibt dann jedoch weniger Sinn, als ein geeignetes Mittel für unabhängige Tiefschlagmissionen zu sein. Wobei das eine das andere nicht ausschließen muss.

Kızılelma: Baykars unbemannter Jäger für den Nahbereich

Anders ist es bei der zweiten türkischen Kampfdrohne, die als „Loyal Wingman“ bezeichnet wird. Während TAI auf Reichweite und Tarnung setzt, verfolgt Baykar mit der Kızılelma ein anderes Ziel: einen unbemannten Jäger, der im engen Verbund mit dem Piloten des KAAN agiert.

Auch auf der SAHA in Istanbul: Kızılelma von Baykar.
Auch auf der SAHA in Istanbul: Kızılelma von Baykar.
Foto: Navid Linnemann

Die Kızılelma, die 2022 erstmals flog, gilt als die weltweit erste strahlgetriebene unbemannte Kampfdrohne, die für die enge Formation mit bemannten Kampfjets wie dem KAAN konzipiert wurde. Das Waffensystem ist konsequent national aufgestellt: Baykar entwickelt die Zelle, während die türkischen Firmen ASELSAN und ROKETSAN für Zielerfassung beziehungsweise Munition verantwortlich sind.

Anders als bei der ANKA III liegt der Schwerpunkt der Kızılelma sichtbar auf Luftkampf-Fähigkeiten. Die Türkei gilt als erste Nation, die mit einer autonomen unbemannten Kampfdrohne einen radargestützten Jenseits-der-Sichtweite-Abschuss mit einer Luft-Luft-Rakete durchführte

Auch bei der Bewaffnung gegen Bodenziele ist die Drohne inzwischen erprobt: Im März 2026 wies Baykar bei Live-Fire-Tests den präzisen Abwurf lasergelenkter Bomben nach und bestätigte damit die Luft-Boden-Fähigkeit des strahlgetriebenen Systems.

Die Serienfertigung läuft bereits: Baykar-Chef Selçuk Bayraktar bestätigte den Start der Massenproduktion. Kızılelma soll noch 2026 in den Dienst der türkischen Streitkräfte treten.

Auch international sorgt das Programm für Aufmerksamkeit: Auf der SAHA unterzeichnete Indonesien als erster ausländischer Kunde einen Vertrag für 12 Einheiten mit Option auf weitere 48 Maschinen. Die Kızılelma zählt außerdem zu den Optionen, die für die Loyal-Wingman-Rolle des britisch-italienisch-japanischen Programms GCAP geprüft werden.

Zwei Konzepte, ein KAAN – warum das kein Widerspruch ist

Auf den ersten Blick wirkt es paradox, dass ein Land parallel zwei Loyal-Wingman-Programme für denselben Kampfjet finanziert. Man könnte immerhin auch eine Plattform für verschiedene Aufgaben fit machen. Doch genau darin liegt die Logik, die TAI in Ankara skizzierte: ANKA III und Kızılelma bedienen unterschiedliche Missionsprofile innerhalb desselben Systems, richten sich an dieselben Endnutzer und ergänzen sich, statt sich zu duplizieren.

ANKA III bringt Reichweite, Tarnkappeneigenschaften und die Fähigkeit, als fliegender Sensor- und Waffenträger tief ins gegnerische Territorium vorzudringen. Die Kızılelma bringt Geschwindigkeit, Wendigkeit und eine spürbar näher am Luftkampf orientierte Rolle als unmittelbarer Wingman des Piloten.

Für den KAAN bedeutet das ein gestuftes Einsatzkonzept: Der Pilot im Cockpit übernimmt Aufklärung, Zielzuweisung und Feuerfreigabe, während die beiden Drohnentypen je nach Missionsphase unterschiedliche Rollen übernehmen. Fest steht also: Der KAAN wird nicht allein fliegen.

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