Die Türkei baut mit dem KAAN nicht nur einen eigenen Kampfjet der fünften Generation. Sie baut ein ganzes Kampfsystem – und zu diesem System gehören gleich zwei unbemannte Flugzeuge, die nur auf den ersten Blick dieselbe Aufgabe erfüllen. Doch die ANKA III von TAI und die Kızılelma von Baykar sind keine Konkurrenten, sondern bedienen zwei unterschiedliche Einsatzphilosophien.



Die Kızılelma, die 2022 erstmals flog, gilt als die weltweit erste strahlgetriebene unbemannte Kampfdrohne, die für die enge Formation mit bemannten Kampfjets wie dem KAAN konzipiert wurde. Das Waffensystem ist konsequent national aufgestellt: Baykar entwickelt die Zelle, während die türkischen Firmen ASELSAN und ROKETSAN für Zielerfassung beziehungsweise Munition verantwortlich sind.
Anders als bei der ANKA III liegt der Schwerpunkt der Kızılelma sichtbar auf Luftkampf-Fähigkeiten. Die Türkei gilt als erste Nation, die mit einer autonomen unbemannten Kampfdrohne einen radargestützten Jenseits-der-Sichtweite-Abschuss mit einer Luft-Luft-Rakete durchführte
Auch bei der Bewaffnung gegen Bodenziele ist die Drohne inzwischen erprobt: Im März 2026 wies Baykar bei Live-Fire-Tests den präzisen Abwurf lasergelenkter Bomben nach und bestätigte damit die Luft-Boden-Fähigkeit des strahlgetriebenen Systems.
Die Serienfertigung läuft bereits: Baykar-Chef Selçuk Bayraktar bestätigte den Start der Massenproduktion. Kızılelma soll noch 2026 in den Dienst der türkischen Streitkräfte treten.
Auch international sorgt das Programm für Aufmerksamkeit: Auf der SAHA unterzeichnete Indonesien als erster ausländischer Kunde einen Vertrag für 12 Einheiten mit Option auf weitere 48 Maschinen. Die Kızılelma zählt außerdem zu den Optionen, die für die Loyal-Wingman-Rolle des britisch-italienisch-japanischen Programms GCAP geprüft werden.
Zwei Konzepte, ein KAAN – warum das kein Widerspruch ist
Auf den ersten Blick wirkt es paradox, dass ein Land parallel zwei Loyal-Wingman-Programme für denselben Kampfjet finanziert. Man könnte immerhin auch eine Plattform für verschiedene Aufgaben fit machen. Doch genau darin liegt die Logik, die TAI in Ankara skizzierte: ANKA III und Kızılelma bedienen unterschiedliche Missionsprofile innerhalb desselben Systems, richten sich an dieselben Endnutzer und ergänzen sich, statt sich zu duplizieren.
ANKA III bringt Reichweite, Tarnkappeneigenschaften und die Fähigkeit, als fliegender Sensor- und Waffenträger tief ins gegnerische Territorium vorzudringen. Die Kızılelma bringt Geschwindigkeit, Wendigkeit und eine spürbar näher am Luftkampf orientierte Rolle als unmittelbarer Wingman des Piloten.
Für den KAAN bedeutet das ein gestuftes Einsatzkonzept: Der Pilot im Cockpit übernimmt Aufklärung, Zielzuweisung und Feuerfreigabe, während die beiden Drohnentypen je nach Missionsphase unterschiedliche Rollen übernehmen. Fest steht also: Der KAAN wird nicht allein fliegen.
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