Rüstungsinnovation – NRW startet eigenen DefenseTech-Inkubator

Gestern startete der DefenseTech-Inkubator.NRW – ein Projekt, mit dem das Meerbuscher Beratungsunternehmen 1stMOVER Startups aus Nordrhein-Westfalen auf dem Weg in den Verteidigungsmarkt unterstützen will. Zur Eröffnung kam auch Ministerpräsident Hendrik Wüst, der Nordrhein-Westfalen als ein weiteres Zentrum deutscher Rüstungsindustrie aufbauen will – insbesondere im Bereich Innovation. In Düsseldorf hatten gestern die ersten acht Startups Gelegenheit, sich vorzustellen – Defence Network war dabei.

NRW will ein Zentrum für Rüstungsinnovation werden – Start des DefenseTech-Inkubator.NRW. Die beiden Gründer und Geschäftsführer von 1stMOVER auf der Bühne in Düsseldorf: Dr. Klemens Gaida (l.) und Peter Hornik.
Die beiden Gründer und Geschäftsführer von 1stMOVER auf der Bühne in Düsseldorf: Dr. Klemens Gaida (l.) und Peter Hornik.
Foto: DefenseTech-Inkubator.NRW

„Wir sind heute hier, um das zu zelebrieren, was Deutschland und NRW schon immer ausgezeichnet hat: Das Machen“, bekräftigte Peter Hornik, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von 1stMOVER. Die Innovationskraft der Menschen und das Umsetzen einer Idee in ein Produkt oder ein Unternehmen würden allzu oft in Vergessenheit geraten.

Sicherheit beruht natürlich auch auf militärischer Handlungsfähigkeit. Militärische Handlungsfähigkeit beruht auf wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit, auf technologischer Stärke, auf technologischer Souveränität.
– Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes NRW

Es mangele also weniger an Innovationskraft, als daran, die Ideen richtig zu unterstützen. Hier setzt 1stMOVER an und stieß unmittelbar auf großes Interesse. 500 Anmeldungen gab es für das gestrige Auftaktevent – nicht alle davon durften kommen. Im Foyer der NRW.BANK eingetroffen war jedoch der Ministerpräsident des Landes NRW, Hendrik Wüst.

Der Ministerpräsident von NRW, Hendrik Wüst, setzt sich auch in anderen Branchen für Startups ein.
Der Ministerpräsident von NRW, Hendrik Wüst, setzt sich auch in anderen Branchen für Startups ein.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Wüst schreibt sich nicht nur die industrielle Stärkung seines Bundeslandes auf die Fahnen, sondern explizit auch die Förderung von Innovation in jenem Bundesland mit den meisten Universitäten. „Heute“, so Wüst, „begann mein Tag mit der fröhlichen Nachricht im Radio, dass wir in den letzten Jahren 33 Prozent mehr Startups hatten in Nordrhein-Westfalen – 658 Gründungen. Eine Dynamik so hoch, wie in keinem anderen Bundesland.“

Wüst sprach auch von der neuen Rheinmetallfabrik in Weeze, wo Teile für die F-35 produziert werden sollen. Der in nur einem Jahr fertiggestellte Bau hätte nicht nur Northrop Grumman aus den USA überrascht, sondern auch den Ministerpräsidenten selbst. Man könne es eben doch.

50 Startups in 3 Jahren – DefenseTech-Inkubator.NRW

Die Beispiele des Ministerpräsidenten zeigen, dass Potenzial in NRW vorhanden ist. Doch muss dieses auch abgeschöpft werden. Für Startups bedeutet dies eine passende Unterstützung, damit sich diese im Markt durchsetzen und bestenfalls skalieren können. Ein Förderwerkzeug hierfür: der DefenseTech-Inkubator.NRW.

André Komp, CEO von Infinteq aus Mülheim an der Ruhr, gehört zum Fachbeirat des Inkubators.
André Komp, CEO von Infinteq aus Mülheim an der Ruhr, gehört zum Fachbeirat des Inkubators.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Unter einem Inkubator versteht man in der Wirtschaft ein strukturiertes Förderprogramm, das Startups mit Knowhow, Netzwerken und Kapitalzugang beim Markteintritt unterstützt. Der von 1stMOVER gestartete DefenseTech-Inkubator.NRW soll gezielt neue DefenceTech-Unternehmen aufbauen und skalieren.

In den kommenden drei Jahren sollen rund 50 nordrhein-westfälische Startups den Inkubator durchlaufen. Doch damit nicht genug: „Wir wollen uns vom Inkubator zu einem wirklichen internationalen Startup-Hub entwickeln. Das ist unsere Vision“, erklärte Dr. Klemens Gaida, der zweite Gründer und Geschäftsführer von 1stMOVER.

NRW.BANK als finanzieller Förderer in der Rüstung

Um dieses Ziel zu erreichen, ist 1stMOVER auf Partner angewiesen. Die NRW.BANK als möglicher Geldgeber für Defence-Startups ist einer davon – auch der Rhein-Kreis-Neuss, CGI Deutschland, die Anwaltskanzlei Heuking, sowie ein Fachbeirat aus Defence-Experten sind darunter.

Die designierte Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK Gabriela Pantring will sich auch für Startups aus der Rüstung einsetzen.
Die designierte Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK Gabriela Pantring will sich auch für Startups aus der Rüstung einsetzen.
Foto: CPM / Navid Linnemann

„Um es ganz klar zu sagen: Die NRW.BANK verurteilt alle kriegerischen Angriffshandlungen und Friedensbrüche, genauso wie die damit einhergehenden Folgen“, betonte die designierte Vorstandsvorsitzende der NRW.BANK Gabriela Pantring gestern in Düsseldorf, „aber wir dürfen nicht naiv sein.“ Wenn jedoch das eigene Land in Gefahr ist, müsse dem auch entschlossen entgegnet werden.

Als Institution zur Förderung der Landes Nordrhein-Westfalen und damit als Teil der Gesellschaft wolle die NRW.BANK daher Innovationen und Maßnahmen fördern und finanzieren, „die zur Resilienz unseres Landes beitragen“ erklärte Pantring gestern in Düsseldorf.

Durch den im Dezember aufgesetzten Fonds NRW.Venture EU Tech&Scale wird die NRW.BANK Partner der EU-Kommision. Die Bank ist jetzt in der Lage Scale-Ups in Nordrhein-Westfalen mit bis zu 30 Millionen zu finanzieren. Das erste Gesamtvolumen des Fonds beträgt 200 Millionen Euro. Ganz im Sinne der EU können hier auch Unternehmen der Defence-Branche profitieren.

Bewusstseinswandel Rüstung – Innovation profitiert

Es tut sich also was in NRW. Das Land – in dessen Hauptstadt immerhin Deutschlands bekanntestes Rüstungsunternehmen seinen Hauptsitz hat – macht sich auf den Weg, die klassischen Rüstungsstandorte Baden-Württemberg und Bayern einzuholen.

Eines der Startups, die sich für den DefenseTech-Inkubator.NRW qualifiziert haben ist Skylance mit einer Drohnenabwehrlösung.
Eines der Startups, die sich für den DefenseTech-Inkubator.NRW qualifiziert haben ist Skylance mit einer Drohnenabwehrlösung.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Möglich macht dies auch ein Bewusstseinswandel in Gesellschaft und Industrie. Ministerpräsident Wüst erinnerte daran, dass es gerade einmal wenige Jahre zurückliegt, dass Unternehmen ihren Beitrag zur Nazi-Herrschaft in Deutschland aufgearbeitet hätten.

Wüst könne verstehen, warum es auch heute nicht so leicht sei das „Wir machen niemals wieder Rüstung“ in den Unternehmen aufzuheben. Es wurde aus gutem Grund gesagt. Und dennoch sei es ihm „so wichtig zu sagen: Ihr steht diesmal auf der richtigen Seite der Geschichte; auf der Seite der Freiheit.“

Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!

Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:

Beitrag teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwendete Schlagwörter

AusrüstungIsraelLangwaffeLior Tacticalpersönliche Ausrüstung
Index