Ohne Mampf kein Kampf – aber wer kocht künftig? Die Roboterküche CA-1 aus München soll Soldatinnen und Soldaten unabhängig von Öffnungszeiten und Küchenpersonal versorgen. Ein Besuch bei der Circus Group zeigt, wie weit die Technik heute ist und ob ihr Einsatz bei Bundeswehr und ukrainischer Armee auch geschmacklich überzeugen kann.


Eine Philosophie, die der Kochroboter übernimmt. Einzelne Zutaten werden auf Knopfdruck zusammengestellt und gekocht. Die aktuelle Generation des Kochroboters umfasst dazu 36 solcher Silos, je nach Zutat kodiert und in standardisierter Größe sortiert.
Einmal aufmunitioniert lassen sich 350 bis 450 Portionen kochen – bei vier Kochplatten und durchschnittlich drei Minuten Zubereitungszeit läge der Output des Systems bei 60 Portionen in der Stunde.
Die Bezeichnung der ca. 250.000 Euro teuren Roboterküche – CA-1 – scheint in München beliebt zu sein, auch Helsing nennt seinen unbemannten Kampfjet so. Der kann allerdings nicht kochen.
CA-1 Roboterküche statt Warmhaltetheke
Wer bei der Bundeswehr Hunger hat, bestellt zukünftig über ein Touchscreen-Terminal eines von mehreren möglichen Gerichten, so die Vision der Circus Group. Dabei wird jede Portion vom CA-1 frisch zubereitet. Bullwinkel betonte diesen Unterschied zur klassischen Kantine ausdrücklich: „Wir kochen nicht vor, wir halten nicht warm, sondern es läuft wirklich so: Du kommst hin, bestellst dein Essen, Produktionszeit so um die drei Minuten.“
Möglich macht das ein Rotationsprinzip aus mehreren parallelen Kochstationen. Während auf den vier Induktionsplattformen gekocht wird, werden zuvor genutzte Töpfe in der integrierten Spülmaschine gereinigt.

Ortswechsel: Besuch in einem Düsseldorfer Supermarkt. Hier steht testweise ein CA-1 Kochroboter. Die zivile Version: Suppen, Salate, warme Gerichte und Desserts – das Angebot ist vielseitig und soll in vier bis sechs Minuten nach Bestellung im Ausgabefach verfügbar sein.
Intuitive Auswahl, Bezahlen mit Karte und schon greift ein Roboterarm mittels Elektromagneten nach einem freien Topf. Die Zutaten fallen richtig portioniert hinein, dann geht es aufs Induktionskochfeld. Während der Inhalt auf Temperatur gebracht wird, sorgen drei Rollen für konstante Bewegung im Inneren. Das spart den Kochlöffel. Das Gericht ist fertig, wird von den Roboterarmen in eine Papp-Bowl gegeben und zum Ausgabefach gehoben. Guten Appetit!
Auf der Speisekarte stehen vor allem Gerichte, die im Topf oder in der Pfanne funktionieren: Pasta, Currys, Salate, Bowls, Chili con Carne aber auch Köttbullar und Currywurst können durch die Roboterküche zubereitet werden. „Unsere Limitierung ist auch nie die Zutat, sondern nur ihre Größe“, erläuterte der Circus-CEO. Ein Steak medium rare anbraten könne man nicht, dafür aber kleine Rinderfiletstückchen.
Der CA-1 ist weder als Ersatz für eine Truppenküche noch für ein Restaurant gedacht. Die Roboterküche ist eher eine Ergänzung, um die oben geschilderte zeitliche Verfügbarkeit von gekochten Speisen zu erweitern. Das spiegelt sich auch in der Größe wider. Man wolle keine Lösung anbieten, für die Kasernen oder Betriebe extra umgebaut werden müssten, sondern „eine Lösung schaffen, die in jeden Raum passt“.
Auch infrastrukturell ist der Aufwand – für Supermärkte wie auch Streitkräfte – überschaubar: Die Systeme benötigen im Kern nur Starkstrom, einen Wasseranschluss und eine Abwasserleitung für die Spüleinheit. Beim Strom, so Bullwinkel, bewege man sich in etwa „beim Energieverbrauch von einer Handvoll Kühlschränken“.
Im Einsatz: Ukraine und Bundeswehr
Während in der Münchner Werkshalle am nächsten Prototypen geschraubt wird, läuft andernorts bereits der Ernstfall. Nach Angaben der Circus Group ist ein kleineres System bereits bei den ukrainischen Streitkräften im Raum Kyjiw im Einsatz, bis zu 25 Systeme sollen es dort werden.

„Diese Technologie verbessert die gesamte Versorgungskette der Streitkräfte im Bereich Verpflegung“, so ein Major der 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Bodentruppen zum Start des Betriebs laut Herstellermitteilung. Die eingesetzte Roboterküche vom Typ CA-A ergänze die dortigen Verpflegungsteams und schließe die Lücken dort, wo Soldaten nicht schnell genug mit nahrhaftem Essen erreicht werden könnten.
Der kleinere CA-A-Roboter verzichtet auch auf Induktionskochfelder und Roboterarme. Hier werden mit Temperatur und Druckluft Smoothies und Suppen zubereitet. Durch das Silo-System sind auch bei diesem System zahlreiche Variationen möglich. Zukünftig sollen – für Soldaten durchaus relevant – auch Nahrungsergänzungsmittel wie Proteine individuell in die Rezepte eingefügt werden können.

Auch die deutschen Streitkräfte testen die Technik aus München derzeit. Wie Defence Network aus Bundeswehrkreisen erfahren konnte, steht ein System in der Hugo-Junkers-Kaserne im schleswig-holsteinischen Alt Duvenstedt.
Das Feedback aus der Truppe sei überraschend positiv, findet der Circus-CEO: „Das Einzige, was wir von der Bundeswehr zu hören bekommen: Macht die Portionen bitte größer.“ Technisch ist das trivial, da sich die Menge der Zutaten pro Gericht im System einfach anpassen lässt.
Aus der Truppe konnte Defence Network ein ähnliches Feedback einholen. Das Preis-Leistungsverhältnis sei stimmig, der Geschmack gut, heißt es. Allerdings hätte es auch Ausfallzeiten der Roboterküche gegeben – „Kinderkrankheiten“ so hofft man bei der Truppe in Norddeutschland.
Für den Betrieb im Feld hat Circus zudem mit dem CA-M auch eine containerbasierte Variante entwickelt, die komplett im Freien stehen kann.
Mehr als eine Küche – Daten als zweites Standbein
Nach außen wirkt Circus wie ein Hardware-Unternehmen – Roboterarme, Silos, Induktionsherde. Nikolas Bullwinkel widerspricht dieser Wahrnehmung deutlich: „Das ist natürlich das Objekt, was nach vorne steht. Im Geschäftsmodell und operativ steht bei uns die Softwarekomponente mehr im Vordergrund.“

Aus Bestell- und Nutzungsdaten lasse sich die gesamte Infrastruktur im Hintergrund steuern – vom Nachschub bis zur Rezeptentwicklung. „Wir nennen das ‚Nutrition Intelligence‘“, erklärte Bullwinkel. Man nutze die gesammelten Daten um das Angebot der Roboterküche zu verbessern. Werden einzelne Zutaten oder ganze Gerichte weniger gefragt, werden sie durch andere ersetzt. Diese Anpassungen erfolgten dann „nicht über einen Koch, der sich das irgendwann mal ausrechnet, sondern innerhalb von einem Tag und einer Schicht.“
Spätestens hier müssen Circus Group und militärische Nutzer über Datensicherheit nachdenken. Nutzerverhalten in abgrenzbaren Gruppen wie Kaserne kann – insbesondere wenn es um den Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln geht – durchaus eine sensible Angelegenheit sein.
Blick in die Zukunft: Wo Roboter, wann Mensch?
Klassische Restaurants mit Genusskultur werden auch nach Ansicht der Circus Group kaum durch Roboterküchen ersetzt. Anders sieht es dort aus, wo Verfügbarkeit über Genuss siegt: Raststätten, Bahnhöfe, Flughäfen – da ist es oft das Brötchen oder der Cheeseburger, zu dem Menschen greifen.

„Wir können in der Preisleistung perfekt mithalten zu einer höheren Qualität und Auswahl“, ist Bullwinkel überzeugt. Genau in diese Kategorie fällt auch die Kaserne, in der die Versorgungssicherheit rund um die Uhr wichtiger ist als das Ambiente.
Doch dafür muss die Circus Group liefern können. Dass das funktioniert, ist noch nicht sicher: Zwar sind viele Pilotprojekte – bei der Bundeswehr, den Düsseldorfer Supermärkten und auch in einer Mercedes Benz Kantine – erfolgreich angelaufen, die nackten Zahlen sind jedoch noch rot gefärbt. So konnte die Circus Group 2025 einen Umsatz von lediglich 1,5 bei einem operativen Verlust von 15 Millionen Euro verbuchen.
Im laufenden Jahr – so die Prognose – soll der Umsatz jedoch auf 5,2 Millionen Euro steigen. Der Fokus der Circus Group für 2026 liegt auf rund 50 Systemen, die in neun Ländern an über 25 Enterprise-Kunden verkauft werden sollen.
Bestellt sind laut früherer Berichte zudem 500 CA-1 durch eine Kölner Döner-Kette, deren Auslieferung bereits im vergangenen Herbst starten sollte. Gesichtet wurde in den Filialen von Lukas Podolskis mangal-Restaurants jedoch bisher keine Roboterküchen.
Die Zukunft der Truppenverpflegung liegt vermutlich nicht in der einen großen Zentralküche, sondern in einem Netz kleiner, autonomer Einheiten, die genau dann kochen, wenn jemand Hunger hat – ob in der Kaserne, im Container an der Front oder am für viele Soldaten ebenso bedeutenden Bahnhof. Auch in Zukunft wird „ohne Mampf kein Kampf“ gelten. Nur der Koch dahinter trägt womöglich seltener eine Schürze, dafür öfter einen Roboterarm.
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