Die U.S. Army konnte vergangene Woche bei der Übung in Grafenwöhr die Brückenlegefähigkeiten durch Einbeziehung eines Chinook deutlich verbessern. So zeigten die amerikanischen Streitkräfte, wie sich innerhalb von wenigen Minuten nach Abwurf der Elemente eine Brücke zur sicheren Flussquerung aufbauen lässt – ein Vorgehen, das für die Soldaten der Bundeswehr von großem Interesse war. Schließlich zählt auch Deutschland bald zu den Nutzerstaaten der CH-47F Chinook.
Dank der Nutzung des Transporthubschraubers lassen sich dabei die Brückenlegeelemente innerhalb von sehr kurzen Zeitspannen selbst in schwer zugänglichem Gelände zuführen.
„Die Operation am 8. April 2026 in Grafenwöhr zeigte, dass Streitkräfte beschädigtes oder umkämpftes Gelände umgehen und wichtige Mobilitätsmittel direkt an den Einsatzort liefern können, ohne auf Bodentransporte angewiesen zu sein, wodurch die Zeit zum Aufbau von Stunden auf Minuten verkürzt wird“, berichtet Army Recognition und führt weiter aus: „Die Übung demonstriert die Fähigkeit der NATO in hochintensiven Konflikten in Europas flussreichem Gelände das Tempo aufrechtzuerhalten. Durch den Einsatz von Brückenelementen und M30-Booten unter simulierten Kampfbedingungen beweist die Operation, dass die verbündeten Streitkräfte ihre Geschwindigkeit beibehalten, Engpässe überwinden und den Vormarsch ihrer Einheiten aufrechterhalten können, selbst wenn wichtige Infrastruktur zerstört oder unzugänglich ist.“
Dass die Übung gerade in Deutschland stattfand ist kein Zufall. Die deutschen Flüsse galten schon immer als Herausforderung für Truppen, die Zerstörung der Brücken als wirksames Mittel zum Hemmen gegnerischer Kräfte. Zudem hat sich Deutschland für den Chinook als neuen Schweren Transporthubschrauber entschieden – die Soldaten der Bundeswehr konnten also erneut die Fähigkeiten der bewährten amerikanischen Arbeitstiere erleben.
Chinook als Transporthubschrauber der Bundeswehr
Die Bundeswehr orderte im Jahr 2023 insgesamt 60 CH-47F Block II des Herstellers Boeing im Rahmen eines Foreign Military Sales (FMS). Die ersten Hubschrauber werden 2027 zulaufen, die Lieferung soll bis 2033 abgeschlossen sein. Aktuelle politische Entwicklungen haben auf diesen Vertrag keine Auswirkungen, sogar die Ausbildung der deutschen Chinook-Piloten in den USA laufe planmäßig weiter, wie Defence Network berichtet wurde.
Die Lieferzeit von vier Jahren begründet sich unter anderem damit, dass Deutschland sich für die neueste Entwicklung CH-47 Block II entschieden hatte, deren erstes Modell erst vor knapp zwei Jahren an die U.S. Army ausgeliefert wurde.
Andererseits ist dieser Zeitraum für Hubschrauber immer noch als kurz zu betrachten und es darf auch nicht vergessen werden, dass die Bundeswehrbeschaffer das Programm Schwerer Transporthubschrauber bereits 2017 ausschrieben und dann sechs Jahre für die Entscheidung brauchten.
Fähigkeiten der CH-47F Block II
Mit einem verbesserten Antriebsstrang, einer verstärkten Zelle und einem verbesserten Treibstoffsystem bietet die durch die Bundeswehr gewählte CH-47F Block II ein zusätzliches maximales Bruttogewicht von rund 1.800 kg und erweitert den Einsatzradius für fast alle Nutzlasten. Zusätzlich zu den verbesserten Fähigkeiten ermöglicht die Konstruktion des Hubschraubers zukünftige technologische Upgrades.
Darüber hinaus verbessert das Block II-Upgrade die Instandhaltung der Chinook. Die höhere Zuverlässigkeit des neuen Rotorsystems minimiert beispielsweise ungeplante Wartungsarbeiten, das vereinfachte Treibstoffsystem sorgt für eine effizientere Instandhaltung, die den Wartungsaufwand und die Kosten reduziert. Es gibt allerdings Unterschiede zwischen dem amerikanischen Original und der Bundeswehr-Version.
„Gegenüber dem amerikanischen Block-II-Grundmodell sind für die deutschen Hubschrauber rund 20 Modifikationen vorgesehen“, berichtet die Bundeswehr. „Dazu gehören unter anderem eine Vielzahl unterschiedlicher Flugfunkradios einschließlich des Behördenfunks für den Kontakt mit Polizei und Feuerwehr, Aufklärungskameras, die Luftbetankungssonde, eine Rettungswinde, ballistischer Schutz und das Verteidigungssystem CIRCM (Common Infrared Countermeasures), das den Suchkopf von Lenkflugkörpern stört. Außerdem gibt es kleine, praktische Verbesserungen.“ Zu letzteren zählten beispielsweise Haltegriffe an der hinteren Rampe oder auch die Windabweiser an den Seitentüren.
Die neuen Schweren Transporthubschrauber sollen die CH-53G-Flotte der Bundeswehr ersetzen. Die Lieferung der deutschen Chinook ist für den Zeitraum 2027 bis 2033 geplant. Ab dann wird Deutschland auch über die erweiterten Fähigkeiten der CH-47F verfügen und entsprechende Operationen mit den Verbündeten durchführen können – auch zur Brückenlegung und Flussquerung.
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