Bei einer Demonstration vor internationalem Publikum haben Aselsan und TÜBİTAK SAGE vergangene Woche den nächsten Schritt gezeigt: Die erstmals von einer Drohne abgeworfene smarte Gleitbombe GÖZDE traf ein Fahrzeug, das sich mit mehr als 50 Stundenkilometern bewegte. Doch beim Test nahe der türkischen Stadt Konya gab es noch mehr zu sehen.

Die LGK-Familie (Lazer Güdüm Kiti, zu Deutsch: „Laser-Lenksatz“) ist das türkische Gegenstück zu westlichen Nachrüstsätzen wie Paveway von Lockheed Martin oder JDAM von Boeing für Freifallbomben der Mk-80-Serie. Ein Sucherkopf vorn und ein zusätzliches Leitwerk hinten verwandeln ungelenkte Bomben in präzisionsgelenkte Waffen.
Je nach Kaliber – von der 250-Pfund-Bombe bis zur 2000-Pfund-Klasse – bietet Aselsan unterschiedliche LGK-Varianten an: beispielsweise LGK-82 für die Mk-82/500 lb oder LGK-84 für die Mk-84/2000 lb. Die Gleitbomben können sowohl von bemannten Kampfflugzeugen als auch von Drohnen abgeworfen werden (Defence Network berichtete).
GÖZDE reiht sich in diese Familie ein, geht aber technisch einen Schritt weiter: Der Lenksatz wurde vom türkischen Forschungsinstitut für Rüstungstechnologie TÜBİTAK SAGE entwickelt und wird von ASELSAN gefertigt und vermarktet.

GÖZDE – Vom Forschungsprojekt zur Serienreife
Auch GÖZDE macht aus der 500-Pfund-Mehrzweckbombe Mk-82 eine „smarte“ Gleitbombe. Der Lenksatz kombiniert dazu ein eigenes Trägheitsnavigationssystem (INS) mit GPS und einem halbaktiven Laser-Sucher (SAL). Laut TÜBITAK sorgen neue Steuerflächen und ein überarbeiteter Lenkalgorithmus für eine deutlich höhere Manövrierfähigkeit.
Genau dieser Entwicklungsschritt soll es den Gleitbomben ermöglichen, nicht nur stationäre, sondern auch fahrende Ziele zu treffen. Die Fähigkeit, während des Anflugs das Ziel fortlaufend neu anzuvisieren, haben klassische GPS/INS-Gleitbomben in der Regel nicht.
Auch die Bundeswehr verfügt mit der GBU-54 über smarte Gleitbomben. Diese bauen auch auf der Mk-82 auf und verfügen über Laser-JDAM (Joint Direct Attack Munition) Lenksystem. Der Unterschied liegt im Detail: Während JDAM auf einen passiven Lasersuchkopf setzt, der die Eigenstrahlung des Ziels verfolgt, setzt GÖZDE auf einen halbaktiven Laser-Suchkopf, bei dem das Ziel bis zum Treffer durch einen Dritten angelasert werden muss.

Integriert wurde GÖZDE bisher auf dem bemannten Kampfjet F-16 und jetzt auch auf der unbemannten Kampfdrohne AKINCI von Baykar Technologies.
Technische Eckdaten von GÖZDE
- Reichweite: bis zu 34 km beim Abwurf aus Kampfflugzeugen, bis zu 15 km bei Drohnenabwurf
- Treffergenauigkeit (CEP): < 3 m gegen stationäre, < 10 m gegen bewegliche Ziele
- Gewicht: 274 kg (inklusive Bombe)
- Länge: 2,615 m
- Durchmesser: 0,594 m
- Lenkung: INS/GPS/Laser (halbaktiv), je nach Modus auch Kombinationen aus Laser-, Trägheits- und Satellitennavigation
- Zertifizierte Plattformen: F-16, Bayraktar AKINCI (weitere Plattformen in Zertifizierung)
Genau diese Auslegung auf bewegliche Ziele stand am 4. September im Mittelpunkt einer internationalen Demonstration auf dem Schießplatz Konya Karapınar, zu der ASELSAN Militärvertreter aus mehr als 15 Ländern eingeladen hatte. Im Rahmen von vier Live-Schüssen warf eine AKINCI-Drohne auch eine GÖZDE ab. Getroffen wurde ein Ziel, das sich mit mehr als 50 km/h bewegte.
Die Fähigkeitsdemonstration, auch bewegliche Ziele mit Gleitbomben zu treffen, ist jedoch nicht ganz neu. Bereits am 5. März 2025 wurde das Video oben veröffentlich, welches den Abwurf von GÖZDE von einer F-16 zeigt. Auch bei diesem Test konnte ein schnell fahrendes Fahrzeug getroffen werden.
Zwei Punkte unterscheiden den aktuellen Test jedoch von Meilenstein aus dem letzten Jahr: Zum Einen der Einsatz durch ein unbemanntes System und zum anderen der klare Export-Ansatz. GÖZDE scheint demnach so ausgreift zu sein, dass es bei einer gezielt auf ausländische Delegationen ausgerichteten Leistungsschau gezeigt werden konnte.
Gleitbomben-Testserie in der Türkei
Der Test war zugleich Teil einer breiteren Testserie der türkischen LGK-Familie. Bei derselben Konya-Demonstration ließ eine F-16 der türkischen Luftwaffe zwei LGK-84 auf einen gepanzerten Truppentransporter und einen Panzer fallen, während die AKINCI-Drohne zusätzlich eine LGK-82 auf einen weiteren stationären Truppentransporter abwarf.
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