Nur noch Defence: Rheinmetall verkauft zivile Sparte

Als firmenhistorisch bedeutender Schritt“ bezeichnete Rheinmetall-CEO Armin Papperger den Verkauf der eigenen Zivilsparte an die in München ansässige Industriegruppe AEQUITA. Heute wurde der Kaufvertrag über 350 Millionen Euro unterzeichnet, der der bisherigen Rheinmetall-Division Power Systems eine Zukunft unter neuer Führung eröffnet. 

Rheinmetall und die Telekom wollen gemeinsam einen Abwehrschirm gegen Drohnen und Sabotage entwickeln.
Firmensitz der Rheinmetall in Düsseldorf.
Foto: Rheinmetall

Rheinmetall war lange Zeit nicht nur als Hersteller von schwerem und leichtem Kriegsgerät bekannt, sondern auch als Autozulieferer. So zum Beispiel in Neuss, wo der Konzern im Pierburg-Werk Ventile und Abgasrückführkühlern herstellte. Jetzt fokussiert sich das Unternehmen auf das stark wachsende Geschäft mit militärischen Kunden und Sicherheitsbehörden. 

Dazu haben die Düsseldorfer das zuvor auf Landsysteme beschränkte technologische Portfolio auf die Domänen Air, Sea und Space ausgeweitet. Gespräche zum Verkauf der Zivilsparte führte der Konzern nach eigenen Angaben bereits seit vergangenem Jahr. „Dies ist ein firmenhistorisch bedeutender Schritt“, erklärte Armin Papperger, CEO der Rheinmetall AG. „Wir konzentrieren uns auf das margenstarke Geschäft mit den militärischen Kunden, wo wir hervorragende Wachstumschancen haben.“

Verkauf der zivilen Sparte an AEQUITA für 350 Millionen Euro

Jetzt wurde bekannt: AEQUITA soll 100 Prozent der nach vorherigen Verkäufen übrigen Teile der Zivilsparte für 350 Millionen Euro kaufen. „Es war das erklärte Ziel, unsere Aktivitäten im zivilen Geschäft in gute Hände zu geben“, so Papperger, „mit AEQUITA haben wir einen sehr guten Käufer gefunden.“ Einen Abschluss der Veräußerung plant Rheinmetall bis zum vierten Quartal 2026 – unter kartellrechtlichem Vorbehalt.

AEQUITA beabsichtigt nach eigenen Angaben, alle rund 6.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Power Systems weltweit in den zu übernehmenden Unternehmen hat, weiter zu beschäftigen. Wie aus einer Meldung von Rheinmetall hervorgeht, sollen die Markenauftritte – Pierburg, Kolbenschmidt und Motorservice – auch nach Übernahme der Rheinmetall-Division Power Systems durch AEQUITA beibehalten werden. 

„Wir sind sehr stolz, dass Rheinmetall AEQUITA als neuen Eigentümer der Division Power Systems ausgewählt hat“, erklärte Dr.-Ing. Axel Geuer, Chairman & Co-CEO von AEQUITA. „Das Unternehmen stellt eine hervorragende Ergänzung für unsere Automotive-Division dar, die nun einen Umsatz von etwa 5 Milliarden Euro erzielen wird. In den kommenden Jahren liegt unser Fokus darauf, die langfristig erfolgreiche und nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens aktiv zu unterstützen. Dazu gehört auch, Synergien innerhalb unseres Automotive-Portfolios zu realisieren.“

Ausnahmen im Verkauf

Nach Angaben von Rheinmetall sind die drei deutschen Standorte der KS Huayu AluTech GmbH (Neckarsulm, Walldürn und Langenhagen), die als Joint Venture mittelfristig im Rheinmetall-Konzern als „nicht fortgeführte Aktivität“ verbleiben wird.  Die Beteiligung an der Dermalog SensorTec GmbH hingegen bleibt dauerhaft im Rheinmetall Konzern. Sie wird in die Division Weapon and Ammunition eingegliedert, ihre Mitarbeiter werden auch zukünftig am Standort Neuss tätig sein.

Auch das spanische Werk Abadiano der Pierburg S.A. wird mit der Belegschaft und seinen Sachwerten bei Rheinmetall verbleiben. Für eine Übergangszeit wird es als hybrider Standort zivile und militärische Produkte herstellen, bis die komplette Umstellung auf militärische Fertigung erfolgt ist.

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