Während die Polarregionen für viele NATO-Staaten militärisches Neuland sind, rüstet sich Frankreich mit Bekleidung aus bewährten NCU-Komponenten für Einsätze in Grönland. Am Messestand von Siamidis erfuhr Defence Network auf der Eurosatory zudem, welche Änderungen es bei der Arktis-erprobten Nordic Combat Uniform gibt.
Siamidis und einige der NCU-Partner zeigten auf der Eurosatory zunächst einmal Detailverbesserungen am Bekleidungssystem für die skandinavischen Länder.
So gibt es neue Kapuzenvarianten, austauschbare Verschlüsse und einen überarbeiteten Winter-Tarnanzug. Die Änderungen seien häufig das Resultat eines intensiven Austauschs mit den Soldaten, erklärte Carl Henrik Myhre, CEO von Layers AS gegenüber Defence Network. Gerade in Norwegen gäbe es ganze Testgruppen, die geänderte Uniformteile für die Unternehmen der NCU mit in den soldatischen Alltag nähmen.
Doch im Gespräch über die internationale Wirkung des Programms kam ein Punkt zur Sprache, der über die nordische Region weit hinausreicht. Ein Punkt, der verdeutlicht, wie sich das über Jahre gewachsene Know-how mittlerweile auch außerhalb Skandinaviens auszahlt.
Frankreich zieht sich warm an
Zentrale Komponenten des NCU-Systems – wie die unteren Lagen aus Merinowolle von Woolpower und Aclima – sind bereits seit Jahren entwickelt und in der Praxis erprobt. Vertreter des Konsortiums berichteten jetzt, dass für die französischen Streitkräfte genau dieser Erfahrungsschatz ausschlaggebend gewesen sei, als sie sich für ihren Einsatz in Grönland vorbereiteten.
Anstatt eigene Ressourcen und Risiko in die Neuentwicklung von Kälteschutzausrüstung zu investieren, griff man in Frankreich gezielt auf bereits im NATO-Rahmen bewährtes Material zurück. So seien die NCU-Komponenten heute bei der französischen Armee für Operationen in Grönland im Einsatz, ebenso bei Teilen der Luftwaffe.
Am eigenen Messestand auf der Eurosatory dokumentierten die französischen Streitkräfte den Einsatz. Dort war von einer eigenen Erprobung der Ausrüstung bei Temperaturen zwischen minus 4 und minus 14 Grad die Rede.
Die Nordic Combat Uniform und ihre Zukunft
Das NCU-Programm selbst ist ein gemeinsam von mehreren Unternehmen entwickeltes Bekleidungssystem für Streitkräfte für drei verschiedene Klimazonen, das seit 2022 im Rahmen eines mehrjährigen Rahmenvertrags an mehrere nordische Staaten geliefert wird. Im Februar dieses Jahres hatte Defence Network die Gelegenheit, die arktische Ausführung bei bis zu minus 30 Grad Celsius selbst zu testen.
Rückmeldungen aus dem laufenden Betrieb und die oben beschriebenen Tests neuer Produktänderungen fließen kontinuierlich in Anpassungen der NCU ein, ohne dass dafür der ursprüngliche Vertrag neu verhandelt werden muss.
Arktis-erprobt – aber nur trocken
Dabei sind zuletzt auch Probleme bekannt geworden. So bemängelten laut Angaben des norwegischen Magazins VO norwegische Soldaten, welche die NCU (auch M23 genannt) seit 2025 ausgeliefert bekommen, Probleme mit der Stoffqualität des Kampfshirts. Schwitzt man darin, so verliert die Bekleidung ihre Festigkeit. Auch aus Finnland wurden Probleme wie Abnutzung, Löcher und Farbverblassung gemeldet.
Danach befragt antworteten die Konsortiumsvertreter der NCU, man stehe in engem Austausch mit den jeweiligen Beschaffungsbehörden. Mängel würden abgestellt, doch insgesamt zeige die NCU eine – für militärische Nutzung – lange „Haltbarkeit von drei, vier oder fünf Jahren mit nur kleinen Reparaturen“.
Dennoch läuft der Rahmenvertrag 2027 aus. Für einen Nachfolger – die NCU 2.0 – stehen erneut mehrere Konsortien in den Startlöchern. So ist zu erwarten, dass ich unter anderem Snigel aus Schweden erneut um die bereits 2024 gestartete Ausschreibung bewirbt. Nur Finnland ist dann nicht mehr dabei, die Ausschreibung nennt explizit nur drei der bisher vier nordischen Partner als beauftragende Nutzer.
Warum Finnland bei der Neuauflage der Arktis-erprobten NCU nicht mehr mitmachen möchte, ist nicht bekannt. Vor den genannten Qualitätsmängeln dürfte es eher daran liegen, dass die Finnen bereits jetzt nicht die gesamte NCU nutzen, sondern beispielsweise beim Schneetarn auf eigene Kleidungsstücke setzen. Auch kritisierten sie mangelnde Interoperabilität des Systems.
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