Auf der Eurosatory in Paris stellten die rund 2.100 Aussteller aus 65 Ländern ihre Neuheiten vor. Darunter auch Scania aus Schweden. Der Lastwagen-Hersteller präsentierte unter anderem eine neue geschützte Fahrerkabine und einen Hybrid-Lkw, der ab sofort bei der schwedischen Beschaffungsbehörde FMV einem Praxistest unterzogen wird.
Beide Vorhaben verfolgen auf den ersten Blick unterschiedliche Ziele: mehr Energieeffizienz und neue Energieversorgungsoptionen, auf der einen, mehr Schutz für Besatzungen auf der anderen Seite.
Im Kern stehen beide Präsentationen jedoch für dieselbe Strategie: Scania will neue Fähigkeiten nicht als separate Sonderfahrzeuge anbieten, sondern sie konsequent in das bestehende modulare Baukastensystem integrieren, damit militärische Kunden sich den für sie passenden Lkw zusammenstellen können.
Hybrid-Lkw von Scania
Bei der Hybrid-Lösung übergab Scania am Rande der Messe den ersten von drei Hybrid-Lkw an die FMV, die im Rahmen eines gemeinsamen Entwicklungsprojekts angeschafft wurden.
Die Fahrzeuge sollen über alle drei schwedischen Teilstreitkräfte hinweg unter realen Bedingungen erprobt werden. Technisch handelt es sich um einen Plug-in-Parallelhybrid, der einen leiseren, rein elektrischen Fahrbetrieb ermöglichen soll. Die elektrische Reichweite beträgt je nach Nutzung, Beladung und Bedingungen etwa 70 bis 80 Kilometer.
Neben dem elektrischen Antrieb will Scania mit dem neuen Produkt auch als mobile Stromquelle im Feld punkten: Über die 208 kWh-Batterie und Generator lassen sich Gefechtsstände, Sensorik oder Feldlager versorgen, nach Angaben des Unternehmens für bis zu vier Stunden kontinuierliche Wechselstromversorgung.
Aus Sicht der FMV geht es bei den Tests weniger um die konkreten Fahrzeuge als um grundsätzliche Erkenntnisse zu Hybridantrieb und Energieversorgung, die sich nach eigener Einschätzung auch auf andere Fahrzeugsysteme übertragen lassen könnten.
Schutz für das Führerhaus
Mit der neu vorgestellten geschützten Fahrerkabine adressiert Scania ein anderes, ebenfalls wachsendes Bedürfnis: belastbare, durchhaltefähige Verteidigungslogistik, die auch unter Beschuss funktionieren muss.
Die auf der Eurosatory vorgestellte Kabine ist für 4×4-, 6×6- und 8×8-Konfigurationen verfügbar, erfüllt den ballistischen und Minenschutzstandard STANAG 4569 in den Schutzstufen 1 bis 3 und lässt sich je nach Einsatzprofil unterschiedlich konfigurieren.
Wichtig ist Scania dabei nach eigenen Angaben, dass trotz Panzerung die gewohnte Fahrerumgebung, Sicht und Ergonomie erhalten bleiben und sich die Kabine zudem an strategische Mobilitätsanforderungen wie das UIC-GA-Tunnelprofil für den Bahntransport hält.
Scania liefert seit mehr als einem Jahrhundert Fahrzeuge für den Verteidigungsbereich – an Schweden und mehrere NATO-Staaten. Die beiden in Paris gezeigten Neuheiten erweitern das Portfolio um neue „Fähigkeiten“, die künftig genauso selbstverständlicher Teil des modularen Systems werden sollen wie heute schon unterschiedliche Aufbauten und Antriebsvarianten.
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