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Defense Forum Starnberg bringt Mittelstand und Bundeswehr zusammen

Mit dem „Defense Forum Starnberg“ hat erstmals eine Konferenz stattgefunden, die sich dezidiert an mittelständische Unternehmen richtet, die in den Verteidigungsmarkt eintreten wollen. Zwei Tage lang konnten sich die Mittelständler mit Vertretern aus den Reihen der Beschaffer und der OEMs austauschen. Was braucht es in der Wirtschaft, damit Deutschland bis 2029 kriegstüchtig wird und wer spielt dabei welche Rolle?

Ein Referent hält vor sitzenden Zuhörern einen Vortrag auf einer Bühne, neben der ein Werbebanner des Management Forum Starnberg steht. Im Hintergrund zeigt eine Leinwand das Foto einer Person im Freien.
Ein Referent hält vor sitzenden Zuhörern einen Vortrag auf einer Bühne, neben der ein Werbebanner des Management Forum Starnberg steht. Im Hintergrund zeigt eine Leinwand das Foto einer Person im Freien.
Foto: Navid Linnemann

Die Veranstaltung, die vom Management Forum Starnberg ausgerichtet wurde, verstand sich als Brücke zwischen zwei Welten, die in der Vergangenheit selten miteinander gesprochen haben: einerseits die Beschaffer der Bundeswehr mit komplexen Vergabeverfahren und langen Planungszyklen, andererseits der deutsche Mittelstand mit seiner technologischen Innovationskraft und Flexibilität.

Hier wollten die Veranstalter südlich von München ansetzen: Die 17 Vorträge sollten den Mittelständlern ein besseres Bild von einem Markt verschaffen, in den sie mit ihren Produkten und Dienstleistungen vorstoßen wollen: von der aktuellen Sicherheitslage und daraus resultierender Ableitungen für die Bundeswehr, über Arbeitsabläufe im BAAINBw bis zu juristischen Feinheiten in der öffentlichen Auftragsvergabe.

„Defence Network ist eine Informationsquelle, die sich immer lohnt“, erklärte Tobias Ehlke, Inhaber des CPM Verlags und damit Eigentümer dieser Seite [Transparenzhinweis] ein nützliches Tool im Umfeld der Verteidigungsindustrie. Sein Verlag verstehe sich zudem als Plattform, um Industrie und Streitkräfte zu verbinden „Ich bin davon überzeugt“, so Ehlke weiter, „dass der Mittelstand sehr viel mit der Bundeswehr gemein hat.“

Zeitfenster 2029 – und warum es enger ist als gedacht

Bevor es in Starnberg jedoch um konkrete Vernetzung ging, wurde zunächst der klare Rahmen gesetzt. Diese Aufgabe übernahm Marc Helmig, Abteilungsleiter Mittelstand beim BDSV, mit seiner Einordnung der politischen und industriellen Lage.

Das Zieljahr 2029 für die Vollausrüstung der Streitkräfte sei in der öffentlichen Diskussion oft missverstanden: „2028 müssen die Systeme schon zulaufen, weil die Kameraden in diesem System noch ausgebildet werden müssen.“ Das eigentliche Zeitfenster für die Industrie, auf diese Nachfrage zu reagieren, sei also noch kürzer. „Zeit ist der limitierende Faktor“, wie Helmig es formulierte.

Helmig skizzierte die Dimension der aktuellen Beschaffungsdynamik: Mit den Milliarden aus dem Bundeswehr-Sondervermögen seien die verfügbaren Mittel enorm. Die eigentliche Herausforderung liege also nicht im Geld, sondern in der Geschwindigkeit.

Rüstungsbeschaffung müsse künftig in zwei Geschwindigkeiten gedacht werden: einerseits die rasche Reproduktion bereits bekannter Systeme, andererseits mehr Investition in Innovation auf der Basis der Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Und, so Helmig, mehr europäische Kooperation: „Nicht nur gemeinsam etwas zu entwickeln, sondern auch gemeinsam Dinge zu beschaffen.“

Führung mit Fragen – was der Mittelstand von der Bundeswehr lernen kann

Einen völlig anderen Blick eröffnete Tobias Ehlke dem Defense Forum Starnberg. Er richtete sich mit einem persönlichen Rückblick auf seine Zeit als Offizier der Bundeswehr an die anwesenden Mittelständler. Was habe er als Unternehmer aus seiner Bundeswehrzeit mitgenommen.

Das zentrale Argument: Die Werkzeuge militärischer Führung lassen sich nahezu eins zu eins ins Unternehmertum übersetzen. „Führung beginnt nicht mit den Antworten, sondern mit den richtigen Fragen“, meinte Ehlke mit Verweis auf das ABF-Verfahren der Bundeswehr.

Im Einzelkämpferlehrgang habe er realisiert: „Unter Stress vergessen Menschen nicht das Schwierige. Sie vergessen meistens das Selbstverständliche.“ Eine Erkenntnis, die auch im Unternehmensalltag Bedeutung habe.

Ehlkes zweites Plädoyer galt der Reservistenarbeit als unterschätztem Führungsentwicklungsinstrument für mittelständische Unternehmen: „Reservistendienst ist nicht die Abwesenheit im Unternehmen, sondern eine Führungsausbildung.“ Mitarbeiter, die Reservistendienst leisteten, kämen „oft zurück mit frischen Ideen, mit Führungsverantwortung, die sie in der Truppe geleistet haben“, und mit einem besseren Verständnis dafür, wie Streitkräfte denken und entscheiden.

Für Unternehmen, die neu in den Verteidigungsmarkt einträten, sei dieses gemeinsame Referenzsystem ein echter Vorteil: „Es geht darum, möglichst schnell einen gemeinsamen Zeichenvorrat zu erlangen,“ so der ehemalige Offizier.

Der Beschaffungsprozess von innen – Einblicke vom BAAINBw

Besonders wertvoll für viele Teilnehmer des Forums in Starnberg dürfte der Vortrag von Jens Tenter gewesen sein, der das neu gegründete Innovationszentrum der Bundeswehr in Erding repräsentierte und seltene Einblicke in die Logik des Beschaffungsprozesses beim Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) gab.

Tenter machte deutlich, wo mittelständische Unternehmen im klassischen Vergabeprozess regelmäßig auflaufen: „Wir gehen davon aus, dass der Bedarf bereits festgestellt ist, wenn die Vergabe einsetzt.“ Der Industriekontakt komme in der klassischen Beschaffungslogik also dann, wenn die technischen Anforderungen längst definiert seien – zu spät für viele Zulieferer.

Genau hier solle das Innovationszentrum ansetzen: „Die Idee ist, diese Schnittstelle zu schließen. Sie haben ein Produkt oder eine Idee. Wir versuchen, Wege zu finden, das für die Bundeswehr nutzbar zu machen“, erklärte Tenter.

Tenter ermutigte Unternehmen, den direkten Kontakt über das Innovationszentrum und das Planungsamt zu suchen, bevor ein förmliches Vergabeverfahren eröffnet werde: „Wenn Sie die Frage haben, wenn Sie die Idee haben – schreiben Sie uns.“

Gleichzeitig räumte er in Starnberg offen ein, wo strukturelle Engpässe liegen: Sicherheitsüberprüfungen für neue Mitarbeiter könnten zwei bis sechs Monate dauern, der parlamentarische Kontrollvorbehalt ab 25 Millionen Euro binde erhebliche Ressourcen auf beiden Seiten, und Zulassungsverfahren dauerten in manchen Bereichen zwölf bis achtzehn Monate. Enorme Herausforderungen, wo doch der Tenor lautet, die Zeit sei der limitierende Faktor.

Starnberg: Vernetzung als Mehrwert

Über die Einzelvorträge in Starnberg hinaus war das zweitägige Format darauf angelegt, Industrievertreter, Beschaffungsorganisation und politische Akteure in direkten Austausch zu bringen  – auch in informellen Gesprächsrunden.

Dass mit Marc Helmig, Jens Tenter und Tobias Ehlke Vertreter aus drei sehr unterschiedlichen Perspektiven auf derselben Bühne standen, konnte auch als Botschaft hinter dem Format verstanden werden: Wer im Verteidigungsmarkt erfolgreich sein will, muss die Logik der anderen Seite verstehen und den direkten Austausch suchen.

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