„Die Ukraine hat uns auf harte Weise gezeigt, was Logistik im Krieg wirklich ist“, erinnerte Tobias Ehlke, Inhaber der CPM Verlag GmbH, zur Eröffnung der LOG.NET 2026. Das Land zeige auf beeindruckende Weise, wie mit wenig Mitteln bei einem Fokus auf Logistik militärische Durchhaltefähigkeit erzielt werden kann. „Der Schutz der logistischen Kette ist Schutz von militärischer Wirkung“, betonte demnach auch Brigadegeneral Martin Stolte, stellvertretender Kommandeur Logistikkommando der Bundeswehr in seiner Keynote. Die beiden Redner setzten heute Morgen den Rahmen zum Start der zweitägigen Veranstaltung.
Logistik findet auf vielen Wegen statt. Analog zu militärischen Dimensionen gibt es logistische Wege und Netze zu Land, See und Luft. Ein Knotenpunkt im logistischen Netz – der Bahnhof – diente zur Eröffnung der diesjährigen LOG.NET als symbolisches Ausgangsbild.
Die rund 650 Teilnehmenden aus Bundeswehr und Industrie in der Rhein-Mosel-Halle mögen hier an ihren letzten Aufenthalt an einem Bahnhof gedacht haben: vielleicht dreckig, überfüllt, mit an blauen Übersichtstafeln angezeigten Verspätungen. Es stimmt aber auch: der Bahnhof ist Verbindungsglied in die nächste Stadt, die nächste Region und auch bis ans Ende des Kontinents.
„Ein Bahnhof ist im Frieden Infrastruktur, im Krieg ist er viel mehr“, weitete Ehlke das Bild in den Köpfen im Publikum. „Er ist Rettungsweg, er ist Versorgungslinie, er ist Beweglichkeit, er ist Ordnung gegen das Chaos, er ist starke Handlungsfähigkeit aus Beton, Stahl, Fahrplan und Taktung.“
„Und genau deshalb ist der Bahnhof eben nicht nur ein logistischer Knoten, er ist nicht nur operatives Hilfsmittel, er ist nicht nur Support – er ist ein High Value Asset. Und weil er das ist, wird er im Ernstfall eben auch zum High Value Target“, so Ehlke.
Es ist das zentrale Thema der LOG.NET 2026: Wie schaffen es Bundeswehr und Industrie so zusammenzuarbeiten, dass die Logistik auch im Ernstfall gesichert ist und als „Hochwertziel“ geschützt bleibt. Diskutiert wird dieses und weitere logistische Herausforderung mit 44 Vortragenden auf der Bühne. Zudem zeigen insgesamt 60 Fachaussteller auf 2.000 m² Ausstellfläche ihre Innovationen und laden zum Gespräch ein. Ein neuer Rekord der LOG.NET.
NATO-Abschreckung – Der deutsche Anteil
„Mit dem deutschen Anteil des NATO Reinforcement and Sustainment Centers tragen wir eine Schlüsselrolle in der logistischen Befähigung der NATO“, so Brigadegeneral Stolte. Logistik – und das ist allen Anwesenden in Koblenz klar – ist das Rückgrat militärischer Handlungsfähigkeit – erst recht, wenn Verbündete aus Kanada und den USA im Ernstfall von West nach Ost gelangen müssen.
„Wir stellen sicher, dass Verstärkungs- und Versorgungskräfte durch Deutschland geführt, unterstützt und versorgt werden können – schnell, bewusst und verlässlich“, versprach Brigadegeneral Stolte auf der LOG.NET. Das logistische Netzwerk sei ein zentraler Baustein der deutschen Einsatzbereitschaft.
Es seien für ein Funktionieren der Logistik in der Landes- und Bündnisverteidigung ein Bündel an Maßnahmen unerlässlich. Military Mobility zur Beschleunigung und Vereinfachung von Verfahren und Grenzübertritten. Vorhalteverträge, die bereits im Frieden den späteren Zugriff auf zivile Kapazitäten sichern. Zwei der Ansätze, bei denen Logistiker schon heute aktiv sein müssen.
Der stellvertretende Kommandeur des Logistikkommandos nannte auch eine Dritte und Vierte: „Vorausstationierungen, wo immer es operativ sinnvoll ist, um Wege zu verkürzen und Reaktionszeiten zu reduzieren. So wie auch eine Novellierung oder Erarbeitung der Vorsorge- und Sicherstellungsgesetze.“ Beides sind Themen, die auch in Koblenz auf der LOG.NET diskutiert werden dürften.
LOG.NET – Zukunft der Logistik
Doch auf dem 18. Anwenderforums Logistik wird es auch um die Zukunft gehen. „In den nächsten Jahren werden wir uns weiter im Schwerpunkt mit Themen der Autonomie beschäftigen“ prophezeite Brigadegeneral Stolte. Dazu gehöre vor allem die „Entwicklung autonomer Fahrzeuge und Drohnen für Versorgung, Aufklärung und Sicherung“.
Auch Maßnahmen der Drohnenabwehr – als Schutz der logistischen Kette – wird ein zunehmend wichtiges Thema. In der Ukraine zeigt sich dieses Thema unter anderem in den medial bekannten Netzen, die über wichtige Versorgungswege gespannt werden. Ein Beispiel, welches kurzfristig aber effektiv angewandt wurde.
Besser ist es auch in der Logistik auf Eventualitäten vorbereitet zu sein. Um die oben angesprochene Bedeutung des Nachschubs zu sichern, muss heute an das „Was wäre, wenn“ gedacht werden. Brigadegeneral Stolte ist sich daher sicher: „Jede Fähigkeit, die wir heute aufbauen, entscheidet über Tempo, Wirkung und Schutz unserer Kräfte.“
An dieser Stelle wird Logistik strategisch
Erst die Logistik mache Abschreckung glaubwürdig, ist sich auch Ehlke sicher. „Abschreckung ist das, was uns der Gegner zutraut“, so der CPM-Chef. „Traut er uns zu, schnell zu verlegen? Traut er uns zu, Versorgung aufrechtzuerhalten? Traut er uns zu, Ausfälle zu kompensieren?“, lauteten seine rhetorischen Fragen an die versammelten Logistiker.
„Wenn die Antwort darauf unklar ist“, gab Ehlke zu bedenken, „dann verliert Abschreckung ihren Biss.“ Auch ein Bild, welches symbolisch für den Beginn der LOG.NET 2026 stehen könnte. Das Bild eines „zahnlosen“ Westens, der logistisch schwach dasteht, wird besonders in Russland gerne gezeichnet.
Vielleicht dient dieses Bild heute und morgen in Koblenz audf der LOG.NET als Motivation, damit Schlagzeilen wie „Ersatzteile fehlen, kein U-Boot einsatzbereit“ oder „Munitionsvorrat nur für zwei Tage“ endgültig der Vergangenheit angehören.
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