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Drohnenabwehr neu denken: Militär reicht nicht

Drohnenabwehr wird in Deutschland fast ausschließlich im militärischen Kontext gedacht, folgend dem Völkerrecht und der Haager Landkriegsordnung. Doch Russland hält sich nicht an internationale Abkommen und setzt Drohnen gezielt gegen Zivilisten und zivile Infrastrukturen ein – Krankenhäuser, Schulen, Wohnblöcke und Kritische Infrastruktur. Dementsprechend gilt es im Kontext Gesamtverteidigung auch die zivile Drohnenabwehr mit einzubeziehen, nicht nur die militärische.

Betreiber Kritischer Infrastrukturen haben im Rahmen eines Versuchs des Verteidigungsministeriums der Ukraine bereits damit begonnen, Systeme zur Elektronischen Kriegsführung zu beschaffen und zu installieren, um die Drohnenabwehr für den eigenen Betrieb zu verbessern.
Betreiber Kritischer Infrastrukturen haben im Rahmen eines Versuchs des Verteidigungsministeriums der Ukraine bereits damit begonnen, Systeme zur Elektronischen Kriegsführung zu beschaffen und zu installieren, um die Drohnenabwehr für den eigenen Betrieb zu verbessern.
Bild: Ministry of Defence of Ukraine

Die zivile Drohnenabwehr kann dabei kaum kinetisch sein – ist es übrigens auch in der Ukraine nicht. Denn selbst das kriegsgebeutelte Land behält die Hoheit über alle Waffen, inklusive Jammer, bei den ukrainischen Streitkräften.

Jene Unternehmen, die in der Ukraine zur Kritischen Infrastruktur gezählt werden, können allerdings im Rahmen eines Pilotprojektes Luftverteidigungssysteme aus dem Bereich Elektronischer Kampf (Electronic Warfare – EW) selbstständig kaufen, um die Sicherheit ihrer Anlagen zu erhöhen.

„Dem Unternehmen ist es nicht gestattet, leistungsstarke elektronische Kampfsysteme eigenständig einzusetzen, da solche Systeme Waffen darstellen, die nicht nur die Navigation auf mobilen Geräten stören, sondern auch andere militärische Ausrüstung außer Gefecht setzen können“, betont das Verteidigungsministerium der Ukraine zum Pilotprojekt. „Dementsprechend teilt die Hauptdirektion für elektronische und Cyberkriegsführung dem Unternehmen die militärische Einheit mit, die zum Einsatz elektronischer Kampfsysteme in der betreffenden Region befugt ist.“

Das Unternehmen schließt dann mit der benannten Militäreinheit eine Vereinbarung zur kostenlosen Nutzung der durch das Unternehmen gekauften Drohnenabwehr ab. Den Vorteil beschreibt das ukrainische Verteidigungsministerium wie folgt: „Das Unternehmen behält das Eigentum an den elektronischen Kampfsystemen, daher darf die Ausrüstung nicht in eine andere Region verlegt oder zum Schutz anderer Einrichtungen verwendet werden.“

ADRONIS in einem kompakten Transporter

Auch in Europa gilt es Systeme zur Luftverteidigung in zivilen Bereichen zu finden. Entsprechende Symposien, Kongresse und Messen werden immer zahlreicher. So findet in der kommenden Woche in London die Counter UAS Tech Europe 2026 statt, bei der auch deutsche Unternehmen ihre Lösungen präsentieren. Rohde & Schwarz wird diese Messe nutzen, um seine komplette ARDRONIS-Suite zur Drohnenabwehr erstmals in einem Demonstrationsfahrzeug zu präsentieren. Hierbei handelt es sich um eine vollständig integrierte Lösung inklusive Frühwarnung und schneller Reaktion – aus einem einzigen Transporter heraus.

Die ARDRONIS-Suite besitzt dabei eine lückenlosen Störfähigkeiten und erweitert ihren Frequenzbereich bis hinunter auf 100 MHz. Sie verfügt über ein Peil-Cockpit, das es Bedienern ermöglicht mehrere Stationen gleichzeitig zu überwachen und zu steuern. Diese Konfiguration reduziert den Personalbedarf und unterstützt gleichzeitig effizientere und koordiniertere Einsätze.

Die komplette ARDRONIS CUAS-Suite von Rohde & Schwarz in einem Vorführwagen.
Die komplette ARDRONIS CUAS-Suite von Rohde & Schwarz in einem Vorführwagen.
Bild: Rohde & Schwarz

Der in der kommenden Woche zu sehende Demonstrations-Van verfügt dabei über die komplette ARDRONIS-Suite in einer einzigen, vollständig integrierten Umgebung. Zu den Fähigkeiten dieser Lösung für die Drohnenabwehr zählt etwa Locate Advanced zur Erkennung und Ortung von Drohnen und deren Bedienern. Der Van enthält außerdem ARDRONIS Effect, einen Multiband-Störsender mit Smart Follower, der identifizierte Bedrohungen automatisch verfolgt und unterdrückt. Die mobilen Einheiten ARDRONIS Detect und ARDRONIS Locate Compact erweitern die Erkennung und Ortung auf schnelle Einsatz- und mobile Szenarien, während die ARDRONIS-WLAN-Module die Fähigkeit bieten, Kommunikationsverbindungen kommerzieller Drohnen zu identifizieren und zu stören.

Drohnenabwehr für zivile Einrichtungen

Eine solche Lösung könnte prädestiniert sein, um zivile Kritische Infrastruktur zu schützen. Allerdings zeigt die Realität in der Ukraine auch, dass eine Luftverteidigung ohne kinetische Wirkung ebenfalls nicht denkbar ist. Es gilt einen Mix zu schaffen, der dann nicht nur Kasernen, sondern auch Schulen und Krankenhäuser schützt.

Das Modell der Ukraine, dass die Unternehmen dabei die Systeme beschaffen und diese durch Soldaten betrieben werden – eventuell eine Aufgabe für den Heimatschutz – scheint sich zumindest im Verteidigungskampf der Ukraine zu bewähren.

Wie es um die Luftverteidigung in Deutschland und Europa steht – und welche Initiativen aktuell vorbereitet werden oder sich in der Umsetzung befinden – das ist auch das große Thema beim Ground Based Air Defence Summit in Berlin Ende April. Weitere Informationen zum Summit sowie eine Anmeldemöglichkeit gibt es hier: https://cpm-verlag.com/event/air-defence-summit/

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Verwendete Schlagwörter

DrohnenabwehrElectronic WarfareEW
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