Das Research and Technological Centre aus Slowenien (RTC.SI) ist ein Entwicklungs- und Technologieunternehmen (R&D), das sich auf den Bau von Spezialfahrzeugen, Elektromotoren und Verteidigungstechnik spezialisiert hat. Auf der Eurosatory feierte das Unternehmen jetzt die Weltpremiere gleich mehrerer Fahrzeuge. Oder besser gesagt eines unbemannten Fahrzeugsystemgedanken, der aus mehreren Komponenten oder Subfahrzeugen besteht.
Das größte Fahrzeuge und Herzstück des Systems ist das hybride CORNUS 6×6 UGV (Unmanned Ground Vehicle), ein modulares unbemanntes Bodenfahrzeug, das für anspruchsvolle militärische und sicherheitsrelevante Einsätze konzipiert wurde. Es wird von einem hybriden Antrieb angetrieben und zeichnet sich durch seine enorme Vielseitigkeit aus. Der diesel-elektrische Hybrid-Antrieb kommt von Steyr Motors, kann 50 km rein elektrisch und nahezu lautlos fahren sowie rund 350 km mit dem an Bord des UGV befindlichen Diesel-Treibstoff. Zudem ist laut Anbieter der Antrieb extremen thermischen und mechanischen Belastungen gewachsen. Hinzu kommt ein Generatoraggregat (Mehrstoffbetrieb) mit 150 kWe.
„Die Integration unseres Motors in die CORNUS-Plattform von RTC ist für Steyr Motors ein wichtiges und zukunftsweisendes Beispiel dafür, wie unsere für hochkritische Verteidigungsanwendungen entwickelten Motoren das stark wachsende UGV-Segment optimal unterstützen können. Unbemannte Systeme erfordern maximale Resilienz. Die technologische DNA, die unsere Triebwerke im maritimen Bereich und in geschützten Fahrzeugen so erfolgreich macht, bietet nun auch autonomen Landsystemen die nötige Power und Zuverlässigkeit“, sagt Julian Cassutti, CEO der Steyr Motors AG.
Das CORNUS UGV ist flexibel anpassbar und modular aufgebaut. Damit eignet sich für eine Vielzahl von Missionen:
- Logistik: Materialtransporte und Versorgung in unwegsamem Gelände.
- Energie: Dient als mobile Energie- bzw. Stromstation direkt im Feld. Für andere Waffensysteme oder mobile Feldlager.
- Überwachung & Aufklärung: Autonome Erkundungsmissionen in gefährlichen Umgebungen.
- Waffensystem: Mit einer entsprechenden Turmbewaffnung oder Raketenbatterie kann das UGV auch als Kampffahrzeug eingesetzt werden.
In Zukunft soll dank zusätzlichem Modul mit Künstlicher Intelligenz (KI) auch eine Schwarmfunktion möglich sein. Schon heute kann das UGV sich entweder fernbedient fortbewegen, oder völlig autonom.
Das UGV sieht monströs aus, dennoch besticht durch seine kompakte Bauweise und „fail-safe“-Ansätze, um Ausfälle in kritischen Situationen zu verhindern. Die Maße betragen 4,7×2,56×1,75 m (L/B/H). Wobei die maximale Höhe, also inklusive Nutzlast / Sensoren mit 2.040 mm angegeben wird. Die Bodenfreiheit beträgt 450 mm in Fahrstellung und den 6×6-Antrieb mit den sehr großen Reifen (14.00 R20 mit RunFlat System) dürfte nichts aufhalten können. In Punkto Bodenfreiheit kann das Fahrzeug sich den Missionsbedingungen nach anpassen, und sein Fahrwerk in der Höhe von 0 bis 900 mm ändern. Die Fahrzeuggesamtmasse wird mit 12 Tonnen angegeben, bei 4 Tonnen Nutzlast.
Dank der hohen Modularität ist die Plattform für die Zukunft hin ausgelegt. An Bord auch ein System zur Selbstrettung.
Eine modulare 6×6-Hybridantriebsplattform, die für ein breites Spektrum an Einsatzszenarien konzipiert wurde. Dank autonomer oder ferngesteuerter Fortbewegung, austauschbarer Einsatzmodule und der Fähigkeit zum lautlosen rein elektrischen Betrieb bietet das System außergewöhnliche Vielseitigkeit, Mobilität und Anpassungsfähigkeit an die jeweilige Mission.
Die Höchstgeschwindigkeit – elektrisch begrenzt – wird mit 100 km/h, und die Leistung (6×6) mit >1800 kW angegeben. Das UGV kann von 0 auf 100 beschleunigen und auch eine Vollbremsung in jeweils 6 Sekunden durchführen. Die maximale Steigfähigkeit liegt bei 72 Prozent.
Das für modulare Einsätze und Dual-Use-Anwendungen ausgelegte Fahrzeug unterstützt autonome oder ferngesteuerte Bewegungen und bietet eine Nutzlastkapazität von bis zu 4 Tonnen für Einsatzmodule oder Fracht. Zudem kann die Plattform als externe Energiequelle fungieren und leistungsstarke Gleichstrom-, Wechselstrom- und Hydraulikleistung für die Einsatzinfrastruktur sowie für Systeme im Feld bereitstellen.
Als Logistikmodul, konfiguriert für den Transport und die Bereitstellung von Wasser in abgelegenen oder schwer zugänglichen Einsatzgebieten sowie bei der Waldbrandbekämpfung. Oder es kann einfach bis zu drei Flugzeugpaletten mit unterschiedlichster Fracht aufnehmen.
In Paris wurde das UGV mit einen integrierten Kampfmodul WS MANGART 25 mm-Turm von Valhalla Turrets ausgestattet. Zudem war am Turm eine Panzerabwehrrakete – vermutlich MBDA Enforcer oder ähnlich – integriert. Als Zweitbewaffnung wurde zudem eine ferngesteuerten Waffenstation Loki mit einer .50 BMG Waffe verbaut. Der MANGART 25 ist ein hochmoderner, ferngesteuerter Waffenturm des slowenischen Herstellers Valhalla Turrets, der speziell für die Flugabwehr (SHORAD) und Drohnenabwehr entwickelt wurde. Er ist mit einer 25-mm-KBA-Maschinenkanone von Rheinmetall ausgestattet und verwendet programmierbare Munition (ABM/KETF). Das MANGART 25-System ist mit einer 25×137-Millimeter-Maschinenkanone von Rheinmetall ausgestattet und laut Hersteller für die Bekämpfung unterschiedlichster Ziele ausgelegt – darunter Drohnen, Hubschrauber, tieffliegende Flugzeuge sowie Bodenziele auf Entfernungen von bis zu drei Kilometern, geeigent. Dazu verfügt der Turm über ein AESA-Radar (Active Electronically Scanned Array), ein umfassendes elektrooptisches/infrarotgestütztes Sensorsystem sowie ein Infrarot-Warnsystem. So kann er Ziele bis zu 3.000 Meter bekämpfen.
Das UGV kann aber problemlos mit einem MANGART 30 (30mm x 173) ausgestattet werden.
Das UGV ist noch nicht in Nutzung, wurde aber bereits durch die slowenischen Streitkräfte mit kinetischen (Kampffahrzeug) und nicht-kinetischen (Cargo) Modulen intensiv getestet.
Selbstständiger Anhänger als Unterstützung
Ergänzt wird das UGV durch den Anhänger AR-AT5000. Wobei dieser als aktiver Anhänger sowohl für das UGV als auch für eine Nutzung in Verbindung mit den JLTV-Fahrzeugen entwickelt wurde. Slowenien hat eine große Anzahl der JLTVs in Nutzung.
Der aktive AR-AT5000 Anhänger wartet mit einer aktiven Kupplung und einem aktiven Antrieb auf. Damit unterstützt er vor allem das UGV und nutzt nicht dessen elektrischen Kapazitäten und Reichweiten dank der zusätzlichen Last auf. Dank aktiver Kupplung und aktivem Antrieb kann er selbst anspruchsvolles Gelände und steile Hänge bewältigen. Entwickelt für die VEPKOV-Plattform und kompatibel mit JLTV-Fahrzeugen (Oshkosh 4×4).
Der aktive Anhänger verfügt über ein integriertes hydraulisches Antriebssystem, das bei Geschwindigkeiten bis zu 15 km/h in steilem Gelände für zusätzlichen Vortrieb sorgt und sich bei höheren Geschwindigkeiten automatisch abschaltet, um optimale Stabilität und Kontrolle zu gewährleisten. Die aktive Deichsel ermöglicht die Regulierung der mechanischen Verbindung zwischen Anhänger und Zugfahrzeug, was die Manövrierfähigkeit und das Fahrverhalten in schwierigem Gelände verbessert. Zudem lässt sich der Anhänger über ein Bedienpanel auch ohne Zugfahrzeug eigenständig manövrieren. Zudem besteht eine fahrzeugunabhängige Stromversorgung. Diese eigene Stromversorgung des Anhängers kann auch zur Versorgung von Nutzlasten/Sensoren oder als Ladestation für andere e-Fahrzeuge – z.B. ATV – genutzt werden. Das System bietet 800 V mit 2MW als Powerstation. Der Batterie-Ökosystem ist kompatibel mit EUTV 4×4, STRiX-Motorrädern usw.
Der Anhänger ist laut RTC kompatibel mit leichten taktischen Fahrzeugen (über 8 Tonnen), und hat eine Straßenzulassung bis 110 km/h. Er hat eine Größe von 4.97x 2,48×1,6 Metern. Die Fahrzeugmasse (leer) beträgt 2 Tonnen bei 3 Tonnen Nutzlast. Als Option sind auch 3,5 Tonnen möglich. RTC gibt die maximale Geschwindigkeit im Eigenantrieb mit 15 km/h und die maximale Geschwindigkeit mit Zugfahrzeug mit 110 km/h an. Auf der Messe transportierte der Anhänger das EUTV 4×4.
Elektrisches 4×4-ATV in Zukunft auch autonom
Das elektrische 4×4-ATV der Kategorie L7e vereint Wendigkeit, Leistung und Effizienz für vielseitige Geländeeinsätze. Angetrieben von einem 80-kW-Antriebsstrang und einem modularen Wechselakkusystem, unterstützt die Plattform verschiedene Batteriekonfigurationen und lässt sich in ein gemeinsames Energie-Ökosystem mit dem aktiven Anhänger AR-AT5000 sowie den STRiX-Elektromotorrädern integrieren. Dies ermöglicht die gemeinsame Nutzung von Energiequellen und vereinfacht die Logistik bei Feldeinsätzen.
Das Fahrzeug unterstützt bis zu drei Wechselakkus und bleibt selbst mit nur einem installierten Akku voll einsatzfähig. Als Teil eines modularen Batterie-Ökosystems konzipiert, kann es Akkupacks transportieren, STRiX-Elektromotorräder unterstützen und mit der aktiven Anhängerplattform AR-AT5000 kombiniert werden. Neben Mobilitäts- und Logistikfunktionen fungiert die Plattform als mobile Stromquelle mit Ausgängen für 220 V, 24 V und 12 V, um Einsätze in abgelegenen Gebieten und im Feld zu unterstützen.
Mit einer Leistung von 80 kW und einem konfigurierbaren Batteriesystem bietet das elektrische 4×4-ATV außergewöhnliche Wendigkeit, Traktion und Geländegängigkeit für anspruchsvolle taktische Einsätze.
Das Fahrzeug dient als mobile Stromquelle mit Ausgängen für 220 V, 24 V und 12 V und unterstützt Feldeinsätze, Systeme in abgelegenen Gebieten sowie Zusatzausrüstung in anspruchsvollen Einsatzumgebungen. Im laufenden Betrieb können die Akkupacks ausgetauscht werden.
Das ATV bietet auch die optionale Konfiguration als UGV (unbemanntes Bodenfahrzeug) bzw. Lastenträger. Dann kann es ferngesteuert werden, in naher Zukunft soll die Funktion mit voller Autonomie folgen. Zudem bietet RTC eine optionale Range-Extender-Funktion (Verbrennungsmotor) an. Es besteht die volle Straßenzulassung (Homologation) in der Kategorie L7e, und es gibt eine Konfiguration für Fahrer und Beifahrer.
Die Maße betragen 2,43×1,27×1,45 Metern bei einem Fahrzeuggewicht von 390 kg, bzw. 525 kg bei drei Akkupacks. Die Zugkraft der Seilwinde wird mit 1.360 kg und die elektrische Leistung mit 80 kW angegeben. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 90 km/h. Die Energiekapazität beträgt 7,3 kWh (1 Akku), 14,6 kWh (2 Akkus), 21,9 kWh (3 Akkus), die Reichweite 50 km (1 Akku), 95 km (2 Akkus), 140 km (3 Akkus). Der Fahrer / Bediener kann zwischen einem 2WD oder 4WD-Antrieb wechseln.
Mini-UGV MINI MOSS
Das Fahrzeugsystem wird durch das kleine unbemannte Bodenfahrzeug für den Transport von Panzerminen, MINI MOSS, abgerundet. Es erinnert sehr an den deutschen Leichten Ladungsträger (Sd.Kfz. 302 bzw. 303) Goliath. Dies war ein deutsches gepanzertes Pioniergerät, das in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges durch eine Kabelsteuerung Sprengladungen in gegnerische Stellungen und unter gegnerische Kampfsysteme und Fahrzeuge lenken konnte.
Ein kompaktes, ferngesteuertes und unbemanntes Bodenfahrzeug (UGV), das für das Ausbringen und den Transport von Panzerminen konzipiert wurde. Die leichte Kettenplattform ermöglicht einen sicheren Fernbetrieb in anspruchsvollen Einsatzumgebungen und unterstützt zudem die modulare Integration von Nutzlasten sowie eine mehrfache Einsatzfähigkeit.
Die kompakte, elektrisch angetriebene Kettenplattform ist leicht, einfach zu transportieren und basiert auf weit verbreiteten COTS-Komponenten (handelsübliche Standardkomponenten) sowie vereinfachten mechanischen Baugruppen, was einen effizienten Einsatz im Feld und eine einfache Wartung gewährleistet. Das System des UGV unterstützt eine verschlüsselte Kommunikation zwischen Steuerstation und Fahrzeug, FPV-Betrieb (First-Person-View) sowie Fernsteuerungsmodi sowohl per Funk als auch über Glasfaserkabel. Bei einer Nutzlastkapazität von bis zu 10 kg ermöglicht die Plattform einen Fernbetrieb über Distanzen von bis zu 1.000 m (drahtlos) oder bis zu 5000 m (kabelgebunden via Glasfaser).
Die Plattform basiert auf weit verbreiteten COTS-Komponenten und vereinfachten mechanischen Baugruppen, was einen zuverlässigen Betrieb, einfache Wartung und effizienten Feldeinsatz ermöglicht.
Die auf der Messe in Paris genutzten Sprengladungen / Panzerabwehrminen kamen von Dynamit Nobel Defence (DND). Die Plattform kann als Minenlegesystem eingesetzt werden. Die Plattform integriert ein wiederverwendbares Minenlegesystem, das für wiederholte Einsätze und operative Flexibilität bei ferngesteuerten Missionen ausgelegt ist. Neben dem Legen und Verlegen von Panzerminen unter feindliche Waffensysteme und Fahrzeuge, besteht auch die Möglichkeit zum Durchtrennen des Glasfaserkabels. Es handelt sich um ein Kettenfahrzeug mit Elektroantrieb, mit integriertem AUX-Anschluss / ferngesteuerter Auslöser mit Sicherungsstift sowie verschlüsselter Kommunikation zwischen Steuerstation und Fahrzeug.
Die Maße betragen 800x580x360 mm. Das Fahrzeuggewicht beträgt 20 kg, bei einer maximalen Tragfähigkeit von ebenfalls 20 kg. Die universelle Ladefläche ist 300×300 mm groß. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 20 km/h, und der Akku bietet eine Betriebsdauer von 40 Minuten.
Text: Redaktion / af
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