Mit dem PIRANHA 8×8 GBAD und dem PANDUR 6×6 Evo Counter-Drone Vehicle stellte General Dynamics European Land Systems (GDELS) auf der Eurosatory zwei komplementäre Antworten auf die wachsende Bedrohung aus der Luft vor. Damit zeigt das Unternehmen erstmals spezifische Lösungen, die es bereits auf dem GBAD Summit im April angedeutet hatte. Doch ein System fehlte in Paris.
GDELS trat bei der Eurosatory in Paris mit einem klaren Anspruch auf: Lösungen, die sich kurzfristig industrialisieren und in nennenswerten Stückzahlen liefern lassen, statt jahrelanger Neuentwicklungen. Am Messestand wurde deutlich, dass es bei neuen Fähigkeiten vor allem um Liefergeschwindigkeit gehe – sinngemäß hieß es, eine Lieferzeit von drei Jahren sei für die heutige Bedrohungslage schlicht zu lang, kürzere Zeiträume seien die Voraussetzung dafür, dass eine Fähigkeit für Kunden überhaupt interessant werde. Vielleicht auch ein Grund, dass ein Skyranger-Turm von Rheinmetall nicht zu den gezeigten Komponenten gehörte.
Diese Philosophie spiegelt sich auch in den präsentierten Systemen für die Flugabwehr wider: Anstatt komplett neue Plattformen zu entwickeln, kombiniert GDELS bewährte, in hoher Stückzahl produzierbare Fahrzeugbasen mit bereits am Markt verfügbarer Sensorik und Effektorik anderer Hersteller. Das Ziel ist ein skalierbares, modulares Baukastenprinzip, mit dem sich Drohnenabwehr auf unterschiedlichen Ebenen des Gefechtsfelds abbilden lässt.
PIRANHA 8×8 GBAD – Geschichtete Verteidigung
Im Innenbereich der Eurosatory zeigte GDELS einen PIRANHA 8×8 in einer neuen GBAD-Konfiguration (Ground Based Air Defence). Aufbauend auf der seriengefertigten PIRANHA-V-Plattform.
Beim in Paris gezeigten Turm von Elbit Systems handelt es sich um eine Weiterentwicklung der bekannten UT30-Familie, die speziell für die Flugabwehr ausgelegt ist. GDELS will bei der Bewaffnung jedoch „hardware-agnostisch“ und herstellerunabhängig bleiben. Über offene, NGVA-konforme Standardschnittstellen lassen sich praktisch beliebige Waffenstationen, Lenkflugkörper oder Sensorpakete unterschiedlicher Zulieferer.
Der PIRANHA-GBAD-Idee liegt jedoch in jedem Fall das Konzept einer „Schutzglocke“ zugrunde, bei der mehrere Verteidigungsringe um das eigene Fahrzeug oder den eigenen Verband bestehen, die jeweils mit unterschiedlichen Mitteln bedient werden. Im äußersten Ring, bei etwa fünf bis sechs Kilometern, übernehmen 70-mm-Lenkflugkörper die Abwehr von Luftbedrohungen, wie beispielsweise Shahed-Drohnen.
Ist die Bedrohung bereits näher, kommt die Kanone zum Zug. Optionale Airburst-Munition ermöglicht eine Bekämpfung in einem Bereich von etwa einem bis zwei Kilometern. Kommt eine Drohne noch näher heran oder lohnt sich der Einsatz der Hauptbewaffnung nicht, stehen noch kleinere Mittel zur Selbstverteidigung bereit, etwa ein 7,62-mm-Maschinengewehr.
Als „letzte Verteidigungslinie“ auf wenige Meter Distanz zeigte GDELS zudem ein Netzwurfsystem: Zehn Wurfkörper, die jeweils ein Netz von rund fünf mal fünf Metern entfalten und sich zu einer durchgehenden Netzwand von etwa zehn Metern Höhe und 25 Metern Länge kombinieren lassen. Auf einer Distanz von fünf bis 25 Metern sollen die Netze beispielsweise „Wartedrohnen“ stoppen, die am Wegesrand warten und erst dann aufsteigen, wenn das Fahrzeug an ihnen vorbeikommt.
Erkannt werden solche Bedrohungen laut GDELS unter anderem über ein bereits in rund 900 Fahrzeugen verbautes Kamerasystem mit sechs Kameras sowie über passive akustische Sensoren, die GDELS explizit als kostengünstige Alternative zu einem dauerhaft aktiven Radar anpreist. Schließlich mache ein aktives Radar das eigene Fahrzeug selbst leichter aufklärbar.
Sämtliche Sensordaten laufen über eine offene, softwaredefinierte Fahrzeugarchitektur zusammen, die sich nach Angaben von GDELS allein durch Software-Updates um neue Fähigkeiten erweitern lässt.
GDELS bedenkt auch für die eigenen GBAD-Lösungen Funktionen des Manned-Unmanned-Teamings. Im gezeigten Fahrzeug auf der Eurosatory sind zwei Arbeitsplätze für die eigene autonome Luftabwehrbewaffnung vorgesehen und zwei weitere für die Steuerung des unbemannten Bodenfahrzeugs BULLFROG samt dessen Waffenstation und Kameras.
PANDUR 6×6 Evo – Wenn der Laser trifft
Im Außenbereich präsentierte GDELS mit dem PANDUR 6×6 Evo Counter-Drone Vehicle einen anderen, aber strategisch verwandten Ansatz. Die Plattform basiert auf dem erprobten 6×6-Fahrgestell des PANDUR Evo und ist nach Unternehmensangaben für leichte und mittlere Kräfte ausgelegt, die dauerhafte Drohnenabwehrfähigkeit (Counter-UAS) auf einem dynamischen, mehrdimensionalen Gefechtsfeld benötigen.
Im Mittelpunkt steht ein mehrschichtiges Sensorpaket: Eine aktive Radarkomponente wird mit passiven Detektionstechnologien wie elektro-optischen/Infrarot-Systemen und akustischen Sensoren kombiniert. Diese Mehrfachabsicherung soll laut GDELS die Erkennungszuverlässigkeit erhöhen, die eigene Signatur reduzieren und eine frühzeitige Bedrohungserkennung auch in komplexen elektromagnetischen Umgebungen.
Bei der Bekämpfung verfolgt das System ein gestuftes Wirkkonzept aus „Soft-Kill“- und „Hard-Kill“-Mitteln. Passive und aktive elektronische Kampfführung soll feindliche Drohnen stören oder täuschen können, während für die entscheidende Bekämpfung eine Kombination aus Lenkflugkörpern für größere Reichweiten, einer 25-mm-Maschinenkanone für schnelle Ziele und einem Lasersystem für präzise, kosteneffiziente Neutralisierung zur Verfügung steht.
Konkret zeigte GDELS am Stand dafür den Mangart-25-Turm des Herstellers Valhalla Turrets, der Maschinenkanone und Fünffach-Raketenwerfer kombiniert, ergänzt durch den Hochenergielaser HELMA-P des französischen Herstellers Cilas für die Bekämpfung kleinerer Ziele auf kurze Distanz. Das Lasersystem verfügt über eine Leistung von etwa zehn Kilowatt.
Wie auch beim PIRANHA 8×8 soll diese skalierbare Wirkarchitektur es ermöglichen, mehrere simultane Bedrohungen gleichzeitig zu adressieren, statt auf ein einzelnes Wirkmittel angewiesen zu sein. Für welche Kombinationen aus Fahrzeugplattform und Wirksystemen sich Kunden entscheiden, soll ebenfalls möglichst offen gelassen werden.
Auch beim PANDUR 6×6 Evo spielt die Anbindung an unbemannte Systeme eine zentrale Rolle: Das Fahrzeug kann als Führungsknoten arbeiten und mit unbemannten Bodenfahrzeugen zusammenarbeiten, die Sensorik und Effektorik in vorgeschobene, risikoreiche Bereiche tragen, ohne eigenes Personal einer größeren Bedrohung auszusetzen.
Über die NEVA-Elektronikarchitektur von GDELS lässt sich das Fahrzeug zudem in größere MUM-T-Netzwerke aus unbemannten Sensoren und Effektoren einbinden.
Damit verfolgen PIRANHA GBAD und PANDUR 6×6 Evo laut GDELS zwar unterschiedliche taktische Rollen – das eine eher als vorgeschobenes Begleitsystem im Gefechtsverband, das andere als geschichtetes Abwehrsystem für Formationen – folgen aber demselben Grundprinzip: bewährte Plattformen, modulare Integration verfügbarer Effektoren und enge Vernetzung zwischen bemannten und unbemannten Elementen.
PIRANHA 10×10 – Heavy Mission „GBAD“ Carrier
Was leider nicht gezeigt wurde, ist der bereits beim GBAD-Summit erwähnte Ansatz von zwei unabhängig voneinander einsetzbaren Kanonen auf einem PIRANHA 10×10 HMC. Das Konzept wurde von GDELS-Deutschland-Chef Dr. Thomas Kauffmann im Interview mit dem Defence Network als „Gunship“ bezeichnet.
Zwei Kanonen kennt man bereits vom Gepard, doch der Unterschied zu GDELS sei laut Dr. Kauffmann, „dass beide Kanonen gleichzeitig und unabhängig voneinander verschiedene Ziele bekämpfen können. Im Prinzip: mehr Feuerpower auf einer Plattform.“
Mobile GBAD-Fähigkeiten
Mobile fahrzeuggebundene Luftverteidigung hat sich in den letzten Jahren stark verändert, weil sich auch die Bedrohung verändert hat: Statt wenigen hochwertigen Luftzielen drohen heute Schwärme billiger, schwer aufzuklärender Drohnen, die jederzeit im eigenen Verband auftauchen können – überall. Schutz gegen Luftbedrohungen muss deshalb mitfahren, gestaffelt über mehrere Reichweiten und offen für wechselnde Bedrohungen und nationale Vorlieben sein.
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