Griechenland hat entlang seiner Grenze zur Türkei israelische SPIKE-NLOS-Lenkflugkörper (Non-Line-of-Sight) stationiert, insbesondere in der Region Evros sowie auf den Inseln der östlichen Ägäis.
Durch diese Stationierung werden ausgewählte Ägäis-Inseln zu Anti-Access-/Area-Denial-Zonen (A2/AD). Griechenland erhält damit die Fähigkeit, Ziele außerhalb der direkten Sichtlinie zu bekämpfen, ohne die Abschusseinheiten exponieren zu müssen. Die Flugkörper sind zudem mit Orbiter-3-Drohnen zur Zielaufklärung vernetzt und können auch von AH-64-Apache-Kampfhubschraubern eingesetzt werden.
Diese strategische Aufrüstung erfolgt vor dem Hintergrund der anhaltenden Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei hinsichtlich maritimer Grenzverläufe sowie der Streitigkeiten über die Entmilitarisierung bestimmter Inseln.
Der SPIKE NLOS wurde vom israelischen Unternehmen RAFAEL entwickelt und kann von Luft-, Land- und Seeplattformen gestartet werden. Das System liefert in Echtzeit wichtige taktische Aufklärungsdaten sowie Informationen zur Wirkungskontrolle und ermöglicht es, Ziele während des Fluges anzupassen, Einsätze abzubrechen und sowohl in offensiven als auch defensiven Szenarien eingesetzt zu werden.
Die sechste Generation des SPIKE NLOS baut auf den umfangreichen operativen Erfolgen der gesamten SPIKE-Flugkörperfamilie auf und verfügt über mehrere neue Fähigkeiten, die den Anforderungen moderner Gefechtsfelder Rechnung tragen. Diese Technologien verkürzen insbesondere den Sensor-zu-Wirkmittel-Zyklus und ermöglichen eine effizientere Bekämpfung von Schwarmangriffen aus sicherer Entfernung, was die Überlebensfähigkeit der eingesetzten Kräfte erhöht.
Zu den neuen Fähigkeiten der sechsten SPIKE-NLOS-Generation gehören:
Salvenstart- und Steuerungsfähigkeit:
Von einem einzelnen Startgerät und durch einen einzigen Bediener können bis zu vier Flugkörper gleichzeitig gestartet und während des Fluges gesteuert werden. Diese Fähigkeit erhöht den Überraschungseffekt und ermöglicht eine sofortige sowie erhebliche Gefechtswirkung.
Übergabe und Übertragung der Kontrolle:
Die Kontrolle über einen gestarteten Flugkörper kann während des Fluges zwischen verschiedenen Plattformen übertragen werden. Beispielsweise kann ein Hubschrauber einen Flugkörper gegen ein hochwertiges Ziel starten und anschließend den Gefahrenbereich verlassen, während ein Bodenfahrzeug die Steuerung übernimmt und den Flugkörper bis zum Ziel führt. Dies ermöglicht eine nahtlose Zusammenarbeit unterschiedlicher Systeme und einen ununterbrochenen Operationsablauf.
Zielbilderkennung (Target Image Acquisition):
RAFAEL hat neue Bildvergleichs- und Bildabgleichsfunktionen integriert, die eine schnelle Übertragung von Luftbildern an das Flugkörpersystem ermöglichen. Während bislang überwiegend Zielkoordinaten übertragen wurden, können nun Zielbilder direkt mit den Videobildern des Flugkörpers abgeglichen werden. Dadurch steht erstmals das Ziel selbst und nicht nur dessen Position im Mittelpunkt der Zielzuweisung. Dies erhöht die Präzision insbesondere bei mehreren ähnlichen Zielen. So kann das System beispielsweise unter mehreren feindlichen Panzern gezielt den Kommandantenpanzer identifizieren und bekämpfen. Dies reduziert Kollateralschäden und steigert die Wirksamkeit insbesondere in dicht bebauten urbanen Einsatzräumen.
Erweiterte Reichweite:
Die sechste Generation des SPIKE NLOS erreicht Reichweiten von bis zu 50 Kilometern beim Start von Hubschraubern sowie bis zu 32 Kilometern beim Einsatz von Land- und Seeplattformen. In Verbindung mit der Fähigkeit zum Einsatz außerhalb der Sichtlinie und den passiven Einsatzmöglichkeiten erhöht dies die ohnehin hohe Überlebensfähigkeit der Trägerplattformen deutlich. Da dabei weder Präzision noch Wirksamkeit oder Durchschlagskraft beeinträchtigt werden, eignet sich der SPIKE NLOS der sechsten Generation besonders zur Bekämpfung von Anti-Access-/Area-Denial-Zielen (A2/AD) und ergänzt zugleich seine bisherigen Einsatzrollen.
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