Nach Angaben iranischer Nachrichtenagenturen soll es gestern zu erneuten Abschüssen amerikanischer Drohnen über der Straße von Hormus gekommen sein. So soll die mittlerweile 56. amerikanische MQ-9 Reaper über der Insel Qeshm zerstört worden sein. Die iranischen Revolutionsgarden sprachen zudem von sechs erbeuteten Kleindrohnen des Typs MQM-170.

Es soll eine neue Komponente des integriertes Luftverteidigungssystem der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) sein, welches laut Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim über der Insel Qeshm im Süden des Landes eine amerikanische MQ-9 getroffen und zerstört habe. Qeshm liegt nahe dem iranischen Festland an der nordwestlichen Einfahrt zur Straße von Hormus. Eine unabhängige Bestätigung oder Äußerungen der USA gibt es bisher nicht.
Die IRGC zählen die Abschüsse der MQ-9 seit Ende Februar, als der Angriff der USA und Israel begann. Der bis zum aktuellen Fall jüngste Abschuss einer MQ-9 Reaper soll demnach drei Tage früher, am 3. November, erfolgt sein.
Parallel gaben die Revolutionsgarden bekannt, mit Mitteln der elektronischen Kriegsführung kleinere Aufklärungsdrohnen der USA erbeutet zu haben, genauer: zwei weitere MQM-170. Es sollen die fünfte und sechste erbeutete Drohne dieser Art sein. Doch auch diese Angaben sind nicht unabhängig überprüfbar.
MQ-9 und MQM-170
Nach Angaben des Herstellers Griffon Aerospace wird die MQM-170 Outlaw als kleine, kostengünstige Drohne bereits seit 2004 gebaut. Sie dient vor allem als Übungsziel, kann aber auch für Aufklärungsmissionen eingesetzt werden.
Angetrieben wird die 2,70 Meter lange Drohne von einem Zweitakt-Kolbenmotor mit Druckpropeller. Ihre Spannweite liegt je nach Ausführung bei 3,29 oder 4,15 Metern, die Flugzeit bei bis zu vier (MQM-170A) oder über acht Stunden (MQM-170C), die Nutzlast bei rund 18 Kilogramm. Gestartet wird sie meist per Katapult.

Die international bekannte MQ-9 des US-Herstellers General Atomics ist hingegen ein bewaffnungsfähiges Hochleistungs-UAV, das sowohl für Aufklärung als auch präzise Luftangriffe genutzt werden kann.
Sie ist rund elf Meter lang, hat eine Flügelspannweite von über 20 Metern und wird von einem Turboprop-Triebwerk angetrieben. Die MQ-9 erreicht Flugzeiten von 24 bis 30 Stunden und kann Lenkwaffen wie die Hellfire tragen. Mit einer Fluggeschwindigkeit um die 300 Stundenkilometern ist das System vergleichsweise langsam.
Nutzerstaat Deutschland
Eine Variante der MQ-9 ist auch für Deutschland von Interesse. Die Deutsche Marine hat bereits acht Drohnen der MQ-9B SeaGuardian bestellt. Sie sollen vor allem der maritimen Überwachung dienen und als Ergänzung zu den P-8A Poseidon auch bei der U-Boot-Jagd helfen.
Dazu soll die Drohne über Kameras und zwei Mehrzweck-Suchradare verfügen. Welche Radare zum Einsatz kommen, ist bisher nicht bekannt. Möglich sind verschiedene Modelle, darunter auch eines aus Schweden. Hersteller General Atomics Aeronautical testet derzeit mit Saab das auf dem Erieye-System basierende Radar LoyalEye.
Eine Bewaffnung der deutschen Drohnen ist nach aktuellem Stand derzeit nicht vorgesehen. Die Auslieferung der MQ-9B an die Marine soll 2028 beginnen.
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