Die Ukraine macht Russlands Militärtechnik zur Open Source Datenbank. Über 110 erbeutete Waffensysteme und hunderte Analysen sollen Ingenieuren auf der ganzen Welt helfen, die Schwachstellen in russischer Militärtechnik zu finden. In der neuen Datenbank TrophyLab vereint die Ukraine hierfür eigene Erkenntnisse mit Mustern und wissenschaftlichen Studien. Das Ziel: Russland seinen technologischen Vorsprung nehmen.
Militärtechnologie galt bisher immer als geheim, sowohl vom Hersteller als auch von den sie untersuchenden Nachrichtendiensten. Wenig wird geteilt und wenn, dann nur mit ausgesuchten Partnern. Die berühmten „Five Eyes“ sind eine solche geheimdienstliche Allianz aus den fünf englischsprachigen Ländern USA, Großbritannien, Kanada, Australien und Neuseeland. Selbst Deutschland erfährt als langjähriger Partner nur einen Bruchteil dessen, was diese Five Eyes miteinander teilen. Doch die Ukraine dreht den Spieß nun um: Die Militärtechnologie von Russland wird Open Source, geteilt mit jedem, der dem Öffentlichen Dienst, den Streitkräften, der Wissenschaft oder Rüstungskonzernen aus zumindest nicht feindlich gesinnten Nationen angehört.
Offene Datenbank für Russlands Waffen
TrophyLab ist der Name der neuen Datenbank, die mit dem Ziel erstellt wurde Daten, wehrtechnische Muster und Forschungsergebnisse verschiedener Institutionen zusammenzuführen, „um einen einheitlichen Wissensraum über die Technologien des Angreifers zu schaffen“, so die Ersteller der Datenbank. „Alle Forschungsergebnisse stehen Ingenieuren, Wissenschaftlern, Herstellern und Partnern zur Verfügung, die am technologischen Vorsprung der Ukraine arbeiten.“
Die Herkunft der Inhalte dieser Datenbank soll zudem deutlich erkennbar sein. Die Ersteller betonen: „Die Weitergabe von Mustern, das Einreichen von Anträgen und die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen erfolgen transparent, offen und im Einklang mit rechtlichen und sicherheitsrelevanten Vorschriften.“
Es handelt sich demnach um einen strukturierten Katalog von Russlands Waffensystemen, der die wichtigsten Waffentypen, deren Komponenten und Materialien in bisher 79 Kategorien abdeckt. Aktuell befinden sich bereits über 110 Muster in diesem neuen Katalog von Russlands Wehrtechnik, die mit ukrainischem Wissen durchgehend aktualisiert und erweitert wird. Hinzu kommen aktuell 225 Studien und Analyseergebnisse von wissenschaftlichen Einrichtungen und technischen Zentren, die gleichsam den registrierten Nutzern zur Verfügung stehen.
Selbstverständlich hofft die Ukraine, dass durch diesen Impuls nun auch andere Nationen ihr Wissen in die Datenbank TrophyLab laden, dass es ein Geben und ein Nehmen wird, um gemeinsam gegen den Aggressor Russland zu bestehen. Damit alle befreundeten Wissenschaftler und Ingenieure gegen die russischen Waffensysteme vorgehen können, um Schwachstellen zu entdecken und auszunutzen, für die eigenen Verteidigungssysteme. Egal in welcher Nation sie sitzen oder ob es sich um Soldaten oder Zivilisten handelt.
TrophyLab hat somit schon jetzt das Potential zur größten Datenbank über russische Wehrtechnik zu werden, die es online und größtenteils offen zugänglich gibt. Die Registrierung ist laut den Erstellern möglich für Personen von
- in der Ukraine registrierten wissenschaftlichen Organisationen;
- Einheiten der Streitkräfte der Ukraine, der ukrainischen Nationalgarde sowie des ukrainischen Grenzschutzes;
- Herstellern von Verteidigungstechnologie, die bereits Produkte an die Ukraine oder deren Militäreinheiten geliefert haben;
- Regierungsbehörden oder Streitkräfte von Partnerländern, mit denen ein Sicherheitsabkommen besteht;
- ausländischen Rüstungsunternehmen aus Partnerländern, welche die Anforderungen des Verteidigungsministeriums der Ukraine erfüllen.
Ausgeschlossen sind hingegen „Personen, gegen die Sanktionen verhängt wurden, die Verbindungen zum Aggressorstaat haben oder die in vorübergehend besetzten Gebieten registriert sind“.
Weitere Informationen sowie eine Registrierungsmöglichkeit gibt es direkt auf der Page von TrophyLab: https://trophylab.mod.gov.ua/en/
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