Die Direktion für Verteidigungsbeschaffung (Defense Procurement Directorate, DPD) des israelischen Verteidigungsministeriums hat in Zusammenarbeit mit den israelischen Bodenstreitkräften (IDF Ground Forces) einen langfristigen, auf 15 Jahre ausgelegten Vertrag mit Elbit Systems unterzeichnet. Ziel ist die Errichtung einer speziellen Ausbildungsstätte für Kommandeure und Soldaten des Artilleriekorps der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF; Israel Defence Forces).

Die Einrichtung ist für die neuen Hauptwaffensysteme des Artilleriekorps konzipiert: die selbstfahrende Haubitze der nächsten Generation SIGMA sowie das Raketenwerfersystem PULS.
Der Vertrag, der ein Volumen von über 190 Millionen US-Dollar (ca. 600 Millionen NIS) umfasst und von der Abteilung für Landstreitkräftebeschaffung der DPD geleitet wird, beinhaltet die Entwicklung und Bereitstellung einer der weltweit fortschrittlichsten technologischen Ausbildungsinfrastrukturen. Zudem umfasst er umfassende Schulungs-, Wartungs- und logistische Unterstützungsleistungen. Die neue Ausbildungsanlage wird physische Infrastruktur, moderne Schulungsräume, Fahr- und Einsatzsimulatoren sowie weitere Komponenten umfassen.
Die Vereinbarung stellt einen wichtigen Meilenstein im Vorfeld der vollständigen operativen Indienststellung dieser Waffensysteme dar. Der Übergang zu einem modernen Ausbildungskonzept ermöglicht es dem Artilleriekorps, die operativen Fähigkeiten der neuen Systeme voll auszuschöpfen. Gleichzeitig werden die Qualifizierungs- und Ausbildungszeiten deutlich verkürzt, das fachliche Niveau der Soldaten gesteigert sowie erhebliche Einsparungen bei Ressourcen, Budget und der Instandhaltung der operativen Systeme erzielt.
Zeev Landau, stellvertretender Generaldirektor des israelischen Verteidigungsministeriums und Leiter der DPD, erklärte: „Die unterzeichnete Vereinbarung ist ein bedeutender Schritt zur Stärkung der Schlagkraft und Einsatzbereitschaft der IDF. Sie spiegelt direkt die Strategie des Ministeriums wider, die operative Einsatzbereitschaft zu erhöhen, die israelische Industrie zu stärken und eine langfristige technologische und logistische Unterstützung für die Truppen im Einsatz sicherzustellen.“
„Die Kombination aus fortschrittlichen Ausbildungs- und Simulationstechnologien und einem umfassenden, langfristigen Unterstützungspaket wird es dem Artilleriekorps der IDF ermöglichen, das volle Feuerkraftpotenzial der SIGMA-Haubitze und der weiteren neuen Systeme auszuschöpfen – bei gleichzeitiger Einsparung und optimaler Nutzung von Ressourcen“, führte Landau weiter aus.
Boaz Cohen, Executive Vice President und General Manager von Elbit Systems Land, erklärt: „Als Partner, der auf die Anforderungen des Verteidigungssektors und der israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) eingeht, hat Elbit für die Landstreitkräfte eines der weltweit fortschrittlichsten Ausbildungs- und Schulungssysteme entwickelt. Die Artillerieschule sowie das Ausbildungssystem für die Soldaten des Artilleriekorps ermöglichen eine qualitativ hochwertige und effiziente Ausbildung, wodurch die Einsatzbereitschaft der Artillerieeinheiten auf höchstem Niveau gehalten wird.“
Die Waffensysteme
Die SIGMA 155, in Israel auch als Ro’em bezeichnet, ist ein modernes, radbasiertes Artilleriesystem im Kaliber 155 mm / L52, das von Elbit Systems entwickelt wurde. Als Mobilitätsplattform wird ein 10×10-Lkw-Fahrgestell von Oshkosh mit einer geschützten, minen- und splittergeschützten Kabine genutzt. Dies ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 65 bis 80 km/h auf der Straße. Das System soll in rund 60 Sekunden feuerbereit („Shoot-and-Scoot“-Fähigkeit) sowie luftverlastbar in Großraumtransportflugzeugen wie der Boeing C-17 Globemaster III oder Lockheed C-5 Galaxy sein.
Die Besatzung besteht aus drei Soldaten, dem Kommandanten, Fahrer und Kanonier/Schützen, die während des gesamten Einsatzes – inklusive Laden und Feuern – in der Kabine geschützt bleiben. Eine vollautomatische Ladevorrichtung und Geschützausrichtung ermöglicht eine Feuerrate von 6 bis 8 Schuss pro Minute, so der Hersteller. Die Kampfbeladung umfasst 40 Geschosse.
Die Reichweite beträgt laut Hersteller bis zu 40 km mit Standardmunition und bis zu 80 km mit präzisionsgelenkten oder reichweitegesteigerten Geschossen (z. B. Excalibur oder Vulcano).
Israel modernisiert Artilleriekräfte
Die IDF löst mit dem System die älteren Kettenhaubitzen vom Typ M109 ab und hatte laut eigenen Angaben im Frühjahr 2026 seinen ersten scharfen Kriegseinsatz im Libanonkrieg. Das System wird auch international angeboten und konkurriert unter anderem mit dem schwedischen BAE Systems Archer oder der deutschen KNDS RCH 155. Nach Elbit System Angaben hat auch die Bundeswehr Interesse an dem Konzept signalisiert.
Das Mehrkaliber-Präzisionsraketenartilleriesystem PULS (Precise and Universal Launching System) kommt ebenfalls von Elbit Systems. Das System ist modular aufgebaut und nutzt zwei flexible Startbehälter (Pod-Systeme die verschiedene Raketentypen und Kaliber aufnehmen können.
Die bisher öffentlich bekannten, integrierten und genutzten Effektoren sind Accular (122 mm; bis zu 35 km Reichweite; 18 Raketen pro Behälter), Accular (160 mm; bis zu 40 km Reichweite; zehn Raketen pro Behälter), EXTRA (bis zu 150 km Reichweite, vier Raketen pro Behälter) sowie Predator Hawk (bis zu 300 km Reichweite, zwei Raketen pro Behälter). Als weitere, potentielle Wirkmittel werden unter anderem Loitering Munition (SkyStriker) sowie Optionen für Marschflugkörper und Lenkflugkörper durch den Hersteller angegeben.
Das System kann auf unterschiedliche Rad- oder Kettenfahrzeuge, z. B. IVECO Trakker 8×8, montiert werden.

Das System und auch die Trainingsoptionen in Israel sind auch für Deutschland und weitere NATO-Nationen von Interesse. So hat die Bundeswehr das daraus abgeleitete System EuroPULS bestellt. Die Bundeswehr beschafft das System als Ersatz für an die Ukraine abgegebene MARS-II-Werfer und als Einstieg in das Vorhaben „Zukünftiges System indirektes Feuer große Reichweite“. Das System wird auch als MARS 3 bezeichnet.
Deutschland erhält die angepasste EuroPULS-Variante, die in Zusammenarbeit mit KNDS Deutschland und europäischen Partnern (u.a. Diehl Defence, MBDA Deutschland und Bayern Chemie) entwickelt wurde und deutsche Führungs- und Kommunikationsmittel (wie Adler 3 und DLBO) integriert. Zudem ist EuroPULS offen konzipiert und kann verschiedene Raketentypen und Lenkflugkörper abfeuern – von kleineren Kalibern über die EXTRA-Rakete (ca. 150 km Reichweite) bis hin zur Predator Hawk (bis zu 300 km Reichweite) sowie Marschflugkörper wie die Naval Strike Missile oder die Joint Fire Support Missile (JFSM).
Auch die Niederlande haben EuroPULS bestellt. Deutschland hat als Test- und Anfangsbefähigung fünf EuroPULS-Launcher bestellt. Die Lieferung und Qualifizierung sind für 2027 geplant. Im Raum steht ein Bedarf von bis zu 500 Systemen.
Text: Redaktion / af
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