Sie sieht aus wie ein Ufo, startet wie ein Quadrokopter und fliegt wie ein Flugzeug: Mit einer nach Fürst Wladimir Swjatoslawitsch benannten Ringdrohne setzt Russland auf eine Flügelform aus den 1950er-Jahren. Nach dem Abschuss durch ukrainische Piloten stellt sich die Frage, ob der Ring die FPV-Drohne tatsächlich reichweitenstärker macht oder nur ein Kuriosum bleibt.
Vor wenigen Tagen sorgte ein ungewöhnliches Flugobjekt für Aufsehen. Ukrainische Drohnenpiloten aus der 414. Brigade „Magyar’s Birds” holten eine russische Drohne mit ringförmigem Flügel vom Himmel. Das Video des Abschusses veröffentlichte die Brigade anschließend im Internet.
Ganz neu war der Anblick der Ringdrohne allerdings nicht. Eine ähnliche Drohne wurde bereits im Oktober 2025 gesichtet und auf Fotos gezeigt. Ob es sich dasselbe russische System handelte, die jetzt zu sehen war, konnte bisher nicht festgestellt werden.
Quadrokopter im Ring
Das jetzt abgeschossene Modell der Ringdrohne wurde als „Knjas Wladimir Swjatoslawowitsch”, kurz KVS identifiziert. Entwickelt hat sie das Wissenschaftlich-Produktionszentrum „Uschkujnik” aus Weliki Nowgorod, welches 2024 gegründet wurde und nach russischen Angaben mehr als 30 Unternehmen bündelt. Öffentlich gezeigt wurde die KVS Ende März 2026. Das Zentrum ist durch Glasfaser-gesteuerte FPV-Drohnen bekannt geworden. Deren massenhaften Einsatz beschrieb Uschkujnik-Chef Alexej Tschadajew als „Genozid an gegnerischer Panzertechnik” bezeichnete.

Die KVS basiert auf einem 10-Zoll-FPV-Rahmen, um den ein ovaler Ring gelegt wurde. Nach dem senkrechten Start kippt die Drohne nach vorn und fliegt horizontal weiter. Die Reichweite soll bei bis zu 50 Kilometern liegen, was am oberen Rand der heute bekannten Reichweiten für glasfasergesteuerte FPV-Drohnen läge. Ein Behälter dafür ist auf dem bisher veröffentlichten Bildern der Ringdrohne jedoch nicht zu erkennen. Das Gewichts des Gefechtskopfs liegt nach ukrainischen Schätzungen bei bis zu drei Kilogramm.
Tschadajew formulierte die Aufgabe so, dass man einen Standardkopter mit 10-Zoll-Motoren auf eine größere Distanz bringen wollte und man diese durch den Ringflügel gelöst habe. Die Ringdrohne KVS sei allerdings „keine Wunderwaffe zum Wunderpreis”. Nach den jüngsten russischen Meldungen von gestern sind die Erprobungen abgeschlossen und die ersten Chargen an die Truppe geliefert. Die Drohne soll laut diesen Meldungen Ziele auch automatisch erfassen und bei Verlust der Verbindung autonom weiterfliegen können – das aber lässt sich nicht unabhängig überprüfen.
Ringdrohne – Konzept aus den 1950ern
Der Ringflügel ist keine neue Erfindung der Russen. Er geht auf den österreichischen Ingenieur Helmut von Zborowski zurück, der das Konzept Anfang der 1950er-Jahre an den französischen Triebwerkshersteller SNECMA lizenzierte. Daraus entstand die C.450 Coléoptère, ein senkrecht startendes Versuchsflugzeug, das ein Strahltriebwerk in einem großen, tonnenförmigen Ring trug. Auch spätere US-Konzepte, etwa von Lockheed, griffen die Idee auf.

Die Vorteile des geschlossenen Flügels liegen in der Aerodynamik. Weil die Flügelenden miteinander verbunden sind, entstehen weniger Randwirbel, was den Widerstand senkt und die Effizienz erhöht. Hinzu kommen strukturelle Vorteile, und Flugversuche zeigten eine geringere Anfälligkeit für Seitenwind.
Durchgesetzt hat sich das Konzept bei Flugzeugen trotzdem nicht. Beim Coléoptère erwies sich der Übergang zwischen Schwebe- und Horizontalflug als größtes Problem, denn der Ring bot bei niedriger Geschwindigkeit kaum aerodynamische Wirkung. Das Lockheed-Projekt scheiterte laut Berichten an den Kosten.
Lohnt sich der Ringflügel bei Drohnen?
Die Ringdrohne KVS profitiert davon, dass sie ohne Startbahn oder Katapult auskommt. Auch der Preis soll sich laut Tschadajew nicht wirklich von herkömmlichen FPV-Drohnen unterscheiden.
Ob solche Ringdrohnen häufiger zu sehen sein werden, ist allerdings noch offen. Dafür spricht, dass sie die Reichweite günstiger FPV-Drohnen verlängern können. Das würde die ohnehin schon breite Todeszone noch einmal vergrößern.
Dagegen spricht, dass die größeren Ringflügel auch für eine bessere Aufklärbarkeit sorgen und eine Reichweitenverlängerung keinen so großen technologischen Vorteil darstellt, wie beispielsweise der Jetantrieb bei den Geran-Drohnen. Fest steht nur, dass die auch weiterhin ein Labor bleibt, in dem selbst Ideen aus den 1950ern eine zweite Chance bekommen.
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