Schwedens erster Taurus-Start

Mit dem gestrigen Tag ist Schweden einen deutlichen Schritt weiter auf dem Weg zur 4. Taurus-Nation zu werden. Erstmals haben die schwedischen Luftstreitkräfte einen Taurus KEPD 350 von einem JAS 39 Gripen erfolgreich abgeschossen. Der Test fand auf einem Testgelände in Norrbotten statt.

Bemerkenswert am Taurus-Test: Obwohl der Taurus eine deutsch-schwedische Gemeinschaftsentwicklung ist, verfügt Schweden selbst bislang gar nicht über diese Waffe. Entwickelt wird der Marschflugkörper seit Ende der 1990er-Jahre von Taurus Systems GmbH, einem Joint Venture aus MBDA Deutschland und dem schwedischen Rüstungskonzern Saab – der auch den Gripen baut.

Während Deutschland den Taurus seit 2005 im Bestand hat, begann Schweden die konkrete Integration und Beschaffung erst im Februar 2025. Dabei hatte Saab den Gripen bereits in den frühen 2000er-Jahren als taurusfähige Plattform präsentiert.

Schwedens Abstandsfähigkeiten

Schweden hat seine Fähigkeiten im Bereich weitreichender Präzisionswaffen lange vernachlässigt und rüstet seit dem NATO-Beitritt 2024 spürbar auf. Vorhanden sind bislang vor allem see- und luftgestützte Systeme mit begrenzter Reichweite, etwa die RBS15-Seezielflugkörper, die auch von Überwasserschiffen und Küstenbatterien aus eingesetzt werden können, sowie diverse lasergelenkte Bomben für den Gripen.

Saab JAS 39 Gripen Kampfflugzeug beim Abwurf eines Taurus KEPD 350 Marschflugkörpers im Flug
Ein Mehrzweckkampfflugzeug vom Typ Saab JAS 39 Gripen klinkt im Flug erstmals den Marschflugkörper des Typs Taurus KEPD 350 aus.
Foto: Schwedische Luftstreitkräfte

Eine echte Tiefschlag-Fähigkeit gegen weit entfernte, gehärtete Ziele – wie sie der Marschflugkörper Taurus mit derzeit rund 500 Kilometern Reichweite bietet – fehlte der schwedischen Luftwaffe bislang komplett. Genau diese Lücke soll jetzt geschlossen werden.

Laut schwedischer Beschaffungsbehörde ist eine erste Einsatzfähigkeit auf dem Gripen C/D angestrebt, eine spätere Integration auf dem neueren Gripen E soll folgen. Ursprünglich war die Einsatzreife für 2028 vorgesehen, jüngere Berichte deuten jedoch auf eine beschleunigte Zeitplanung hin.

Taurus KEPD 350

Der Taurus KEPD 350 ist ein luftgestützter Marschflugkörper mit einer Reichweite von rund 500 Kilometern. Er fliegt im Tiefflug – teils nur 30 bis 50 Meter über Boden – und folgt dabei automatisiert dem Geländeprofil, um nicht von gegnerischem Radar entdeckt zu werden.

Ein Modell des Marschflugkörpers Taurus KEPD 350 auf der ILA 2026 in Berlin.
Ein Modell des Marschflugkörpers Taurus KEPD 350 auf der ILA 2026 in Berlin.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Mit einem Gewicht von 1.350 Kilogramm und einer Länge von 5,1 Metern erreicht er Geschwindigkeiten bis Mach 0,95. Sein Gefechtskopf – das rund 480 Kilogramm schwere MEPHISTO-System – ist ein zweistufiger Bunkerbrecher: Eine erste Ladung durchschlägt gehärtete Strukturen wie Bunker oder Befehlsstände, bevor die Hauptladung im Inneren detoniert.

Navigiert wird über eine Kombination aus GPS, Trägheitsnavigation und Geländeabgleich, was eine hohe Zielgenauigkeit auch ohne durchgehende Satellitenverbindung ermöglicht.

NEO-Version für Deutschland

In Deutschland ist der Taurus ursprünglich für den Tornado, der jedoch bis 2030 ausgemustert wird. Die Bundeswehr arbeitet daher gemeinsam mit Airbus Defence an einer Integration auf dem Eurofighter.

Eurofighter der Luftwaffe mit zwei unter den Tragflächen montierten Taurus-Marschflugkörpern im Flug über einer Wolkendecke
Gut bestückt: Gleich zwei Lenkflugkörper Taurus hängen an diesem Eurofighter. Doch bisher gab es nur Tragtest, keine Abschüsse mit dem deutschen Kampfjet.
Foto: MBDA

Parallel dazu treibt die Bundeswehr die Modernisierung der eigenen Bestände voran. Ziel ist, die weiterentwickelten Variante Taurus NEO für schätzungsweise 2,1 Milliarden Euro zu beschaffen; bisher stand die Stückzahl 600 im Raum. Nach Einschätzung von Experten soll Taurus NEO dann auch über eine größere Reichweite verfügen und ebenfalls für Schweden infrage kommen.

Zusätzlich hat die Bundeswehr Ende 2024 einen Wartungs- und Modernisierungsvertrag geschlossen, der die Einsatzfähigkeit der bestehenden Flugkörper bis mindestens 2045 sicherstellen soll.

Der schwedische Erststart ist demnach auch für Deutschland relevant: Als NATO-Partner mit eigener, nun demonstrierter Taurus-Gripen-Kombination erweitert Schweden den Kreis der Nutzerstaaten (nach Südkorea und Spanien) und zeigt, dass die Waffe auch drei Jahrzehnte nach Entwicklungsbeginn weiterhin ausgebaut wird.

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