Tomahawk-Marschflugkörper – Deutschland bekommt sie doch

Am Rande des NATO-Gipfels 2026 in Ankara wurde eine Vereinbarung getroffen, wonach Deutschland bodengestützte Marschflugkörper vom Typ Tomahawk erwerben wird, allerdings könnte es noch einige Zeit dauern, bis Berlin die Systeme erhält. Dieser Artikel von Peter Felstead erschien zuerst auf Warsight.

Die von Deutschland zu beschaffenden bodengestützten Marschflugkörper vom Typ Tomahawk Block Vb werden von Typhon Strategic Mid-range Fires Systems aus gestartet. (Lockheed Martin)
Die von Deutschland zu beschaffenden bodengestützten Marschflugkörper vom Typ Tomahawk Block Vb werden von Typhon Strategic Mid-range Fires Systems aus gestartet. (Lockheed Martin)

Deutschland hat von den Vereinigten Staaten die Genehmigung zum Kauf von rund 400 bodengestützten Tomahawk -Marschflugkörpern (GLCMs) als strategische Abschreckung gegen russische Aggressionen in Europa erhalten. Die Vereinbarung wurde zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und US-Präsident Donald Trump am Rande des NATO-Gipfels in Ankara am 7. und 8. Juli 2026 getroffen.

Bei der Bekanntgabe des Abkommens vor dem Bundestag am 9. Juli erklärte Merz, Berlin habe sich mit der amerikanischen Regierung darauf geeinigt, dass doe Tomahawk-Systeme von Deutschland beschafft und hier stationiert würden. Er fügte hinzu: „Damit schließen wir eine wichtige strategische Lücke in unserer Verteidigung. Gleichzeitig werden wir an der Entwicklung eigener europäischer Systeme und deren Stationierung in Europa arbeiten.“

Das Tomahawk-Abkommen markiert eine Wende in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Berlin hatte zuvor versucht, Tomahawk-Marschflugkörper zu beschaffen, doch ein politischer Streit zwischen Merz und US-Präsident Donald Trump über Merz’ Weigerung, Deutschland in den US-israelischen Krieg gegen den Iran hineinzuziehen, schien dies zu verhindern. Am 27. April erklärte Merz vor Schülern in Marsberg, die USA würden von der iranischen Führung „gedemütigt“, da diese es versäumt habe, über ein Ende des Konflikts zu verhandeln. Daraufhin ließ Trump am 1. Mai das Pentagon offiziell verkünden, dass die geplante Stationierung des 3. Bataillons des 12. Feldartillerieregiments der US-Armee in Deutschland abgesagt werde.

Auf dem NATO-Gipfel 2024, vor Trumps Amtsantritt für seine zweite Amtszeit im Januar 2025, vereinbarten die USA und Deutschland die Stationierung von US-amerikanischen bodengestützten Mittelstreckenraketen in Deutschland ab 2026, die Ziele in Russland erreichen können. Geplant waren die Tomahawk GLCM und die Standard Missile 6 (SM-6), beide vom Typhon Strategic Mid-range Fires System (SMRF) aus gestartet, sowie die Langstrecken-Hyperschallwaffe  (LRHW) der US-Armee, auch bekannt als Dark Eagle.

Diese Systeme wären im Rahmen der 2. Multi-Domain Task Force der US-Armee in Deutschland stationiert worden. Deren Hauptaufgabe ist es, Russlands Anti-Access/Area-Denial-Fähigkeiten im Falle eines Konflikts entgegenzuwirken. Die Stationierungen wurden jedoch von einem verärgerten Trump abgesagt, nachdem Merz sich zusammen mit allen anderen europäischen NATO-Staaten geweigert hatte, in den Krieg mit dem Iran hineingezogen zu werden.

Nun sollen jedoch deutsche Tomahawk-GLCMs als strategisches Gegengewicht zu Russland von deutschem Boden aus dienen, obwohl es Jahre dauern könnte, bis Berlin seine Raketen erhält, da der Tomahawk-Hersteller RTX derzeit damit zu kämpfen hat, die US-Tomahawk-Bestände nach dem Iran-Konflikt wieder aufzufüllen, geschweige denn Exportaufträge zu bearbeiten.

Tomahawk Block-Vb

Die von Deutschland zu beschaffenden Waffen sind die neuesten Block-Vb-Tomahawks, die von Typhon-Raketenwerfern gestartet werden, einen Mehrzwecksprengkopf tragen, der ein breiteres Spektrum an Landzielen bekämpfen kann und eine Reichweite von über 1.660 km hat. Neben der Bestellung von rund 400 dieser Waffen wird Deutschland auch eine bestimmte Anzahl von Typhon-Raketenwerfern erwerben müssen. Die Kosten des Gesamtpakets belaufen sich auf über 1 Milliarde US-Dollar (0,9 Milliarden Euro).

Die NATO-Staaten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Großbritannien und Schweden arbeiten derweil im Rahmen des Projekts European Long-Range Strike Approach (ELSA) weiter an der Entwicklung eines europäischen konventionellen, bodengestützten Raketensystems mit einer Reichweite von mehr als 2.000 km.

Deutschlands derzeit weitreichendste Angriffswaffe ist der luftgestützte Marschflugkörper Taurus KEPD-350 . Die gemeinsam von Deutschland und Schweden entwickelte Taurus KEPD-350 wurde 2006 in Dienst gestellt. Sie kann von den Kampfflugzeugen Panavia Tornado IDS und Eurofighter Typhoon der Luftwaffe gestartet werden und hat eine Reichweite von über 500 km.

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