Logistik als Hochwertziel – Weckruf aus Koblenz

Brigadegeneral Robert Wilhelm, Unterabteilungsleiter Streitkräfte II im BMVg, lieferte auf der LOG.NET 2026 einen Weckruf an die Teilnehmenden der Veranstaltung: Russland rüstet für den nächsten Krieg, hybride Angriffe auf deutsche Lieferketten sind längst Realität – und Logistik ist nicht nur Rückgrat militärischen Handelns, sondern operatives Wirksystem und Hochwertziel. Ohne die Industrie, so sein Kernargument, sei Kriegstüchtigkeit allerdings nicht erreichbar.

Logistik als Hochwertziel – Weckruf aus Koblenz
Brigadegeneral Robert Wilhelm, Unterabteilungsleiter Streitkräfte II im BMVg, lieferte auf der LOG.NET 2026 einen Weckruf.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

Russland plane, seine Landsysteme, Artilleriekapazitäten und Aufklärungsfähigkeiten gegenüber dem Vorkriegsstand Ukraine zu verdoppeln und seine Streitkräfte auf 1,5 Millionen Soldaten aufzuwachsen zu lassen – trotz täglicher Verluste im laufenden Krieg. Dazu komme eine neue, vollständig auf unbemannte Systeme ausgerichteten Teilstreitkraft mit mittlerweile mehreren Zehntausend Soldaten.

Die Luftstreitkräfte und strategischen Nuklearfähigkeiten Russlands seien dabei nahezu unverändert einsatzbereit. Wilhelms Schlussfolgerung: Russland rüstet sich für einen weiteren Krieg. Da bekanntermaßen ohne Logistik bei den Streitkräften nicht viel Laufe, gelte es, auch diese im Sinne der Zeitenwende voranzutreiben. Zudem sei Logistik ein Hochwertziel, dass es besonders zu schützen gelte.

Die LOG.NET der Bilder

Um die Bedeutung von Logistik historisch zu verankern, griff Wilhelm auf zwei eindrückliche Bilder zurück. Napoleons Russlandfeldzug 1812 – begleitet von der überlieferten Prophezeiung eines protestantischen Predigers, dass nur wenige zurückkehren würden – und 210 Jahre später der über 60 Kilometer lange russische Konvoi vor Kiew im März 2022. Beide scheiterten aufgrund mangelnder Logistik.

Unbemannte Systeme spielen in den Streitkräften eine immer größere Rolle – auch in der Logistik übernehmen sie zukünftig mehr Aufgaben.
Unbemannte Systeme spielen in den Streitkräften eine immer größere Rolle – auch in der Logistik übernehmen sie zukünftig mehr Aufgaben.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

Zwei Epochen, eine Lektion: Wer die Logistik unterschätzt, verliert. „Logistik entscheidet über Reichweite, Geschwindigkeit, Durchhaltefähigkeit und Einsatzwirksamkeit“, fasste Brigadegeneral Wilhelm zusammen. „Logistik entscheidet über Erfolg oder Scheitern, über Sieg oder Niederlage.“

Hochwertziel – Bedrohung der Logistik

Besondere Aufmerksamkeit widmete Wilhelm dem Thema „Contested Logistics“ – der gezielten Bedrohung logistischer Fähigkeiten durch den Gegner. Im Operationsraum Ukraine zeige sich dies in permanenten Angriffen auf das Hochwertziel Versorgungsrouten durch Drohnen, Artillerie und Cyberangriffe.

Resilienz erfordere daher Flexibilität durch multimodale Transportwege, Dezentralisierung, gesicherte Führungsfähigkeit, mehrlagige Luftverteidigung und den Einsatz autonomer Logistikdrohnen.

Brigadegeneral Wilhelm machte auch deutlich: Diese Bedrohung betreffe nicht nur das Militär. Auch die gewerbliche Wirtschaft stehe im Fokus strategischer Gegner, sei demnach ein Hochwertziel. Produktionsstandorte hätten systemische Relevanz, Lieferketten seien ein klassisches Ziel der Kriegsführung – durch Spionage, Sabotage und Cyberangriffe.

Logistik muss besonders geschützt werden.
Logistik muss besonders geschützt werden.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

Kriegstüchtige Logistik

Um ein wirklich kriegstüchtiges, integriertes Logistiksystem zu schaffen, formulierte Brigadegeneral Wilhelm drei Säulen.

  1. Strukturelle Integration: Führungsfähigkeit, Transparenz über Kapazitäten und Bedarfe sowie koordinierte Aufwuchs- und Skalierungsfähigkeit.
  2. Operative Einbindung unter Bedrohung: physischer und Cyberschutz kritischer Infrastruktur, Schutz vor Spionage und Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit auch im Konfliktfall.
  3. Ein klarer rechtlicher und regulatorischer Rahmen: von vergaberechtlichen Fragen bis hin zu resilienter Vertragsgestaltung und den Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes gewerblicher Wirtschaft in operativen Räumen.

Im Rahmen des mit der BWConsulting durchgeführten internen Prozesses „Zielbild Logistik“ seien zahlreiche Trends identifiziert worden, 34 davon mit direkter logistischer Relevanz. Dieses Jahr solle der Entwurf in eine Fachstrategie mit konkreten Maßnahmen und Verantwortlichkeiten überführt werden.

High Value Asset, High Value Target – Logistik

Wilhelms Schluss-Appell galt dem Gesamtsystem: „Logistik ist High Value Asset und High Value Target – und das gilt auch für die gewerbliche Wirtschaft.“ Resilienz, Schutz und Integration seien keine optionalen Ergänzungen, sondern Grundvoraussetzung.

Wie schützen OEMs und Zulieferer ihre Produktionen? Wie werden Lieferungen an die Truppe abgesichert? Auch diese Herausforderungen beim Schutz der Logistik als Hochwertziel seien nur im konstanten Dialog zwischen Militär und Industrie lösbar. Ein Satz, der in der Rhein-Mosel-Halle als Auftrag an alle Anwesenden zu verstehen war.

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