Deutsche Munition auf Rekordkurs: Bis 2030 steht der Wandel

Ohne Munition ist das beste Waffensystem wertlos, dementsprechende Programme wurden jüngst durch die EU und auch Deutschland aufgelegt. Und wie groß der aktuelle Umschwung ist, lässt sich alleine schon an den Zahlen von Rheinmetall, dem größten deutschen Munitionshersteller, bemessen. Während die Anzahl der produzierten 155mm Artilleriemunition im Jahr 2022 noch bei 70.000 lag, ist für 2027 eine Produktion von 1,1 Millionen Geschossen vorgesehen. Und bis 2030 sollen es sogar 1,5 Millionen pro Jahr sein. Es lohnt sich also einen Blick auf die aktuellen Planungen der deutschen Industrie zu werfen.

Munition, besonders für die Artillerie (im Bild eine Panzerhaubitze 2000), ist zu einem kritischen Element geworden. Während in Zeiten der Friedensdividende der Verbrauch – und damit die Nachbeschaffungen – in den meisten europäischen Armeen minimal waren, liegt der Verbrauch alleine an Artilleriegeschossen in der Ukraine bei 90.000 bis 200.000 pro Monat.
Munition, besonders für die Artillerie (im Bild eine Panzerhaubitze 2000), ist zu einem kritischen Element geworden. Während in Zeiten der Friedensdividende der Verbrauch – und damit die Nachbeschaffungen – in den meisten europäischen Armeen minimal waren, liegt der Verbrauch alleine an Artilleriegeschossen in der Ukraine bei 90.000 bis 200.000 pro Monat.
Foto: U.S. Army Photo/Markus Rauchenberger

Zur Einordnung: Hier werden als Munition die klassischen Infanteriekampfmittel wie Artilleriegranaten, Mörser, Panzergeschosse und Handwaffenmunition verstanden. Lenkflugkörper, Raketen oder Loitering bzw. Drohnen fehlen, während intelligente Geschosse wie Vulcano einbezogen wurden.

Rheinmetall als größter deutscher Hersteller

Rheinmetall ist der mit Abstand größte deutsche Produzent von Munition. Die Großkalibermunition, 155mm z.B. für das Bundeswehr-Artilleriesystem Panzerhaubitze 2000, bildet in vielen Nationen das Rückgrat der indirekten Feuerunterstützung und die Produktion wird aktuell wie eingangs beschrieben deutlich gesteigert.

Ein zweiter zentraler Bereich ist die Panzermunition (120mm). Rheinmetall stellt diese unter anderem für die Kampfpanzer Leopard 2 der Bundeswehr her, von kinetischen Energiegeschossen (KE) bis zur Mehrzweck. Während die Produktion im Jahr 2022 noch bei 60.000 pro Jahr lag, ist ab 2027 eine Stückzahlproduktion von 240.000 pro Jahr vorgesehen.

Darüber hinaus produziert Rheinmetall Mittelkalibermunition (20 bis 35mm), die insbesondere in Schützenpanzern (z.B. KE-TF DM21 für den deutschen Puma) eingesetzt wird. Dieses Portfolio beinhaltet auch programmierbare Airburst, die sowohl gegen Infanterie als auch gegen Drohnen und leicht gepanzerte Ziele eingesetzt werden kann. Im Jahr 2022 lag die Produktion im Mittelkaliber noch bei rund einer Million, für 2027 sieht Rheinmetall hier eine Produktionskapazität von über 3,4 Millionen vor, für 2030 sogar von rund vier Millionen pro Jahr.

Ein weiterer Bestandteil des Portfolios sind die Mörsermunition sowie die Infanterie- und Spezialmunition (z.B. Granaten, Nebel- und Rauchmunition oder Leucht- und Signalmittel). Nicht vergessen werden darf natürlich die Munition für die Luftverteidigung (z.B. Gepard oder Skyranger), für Marinegeschütze oder für Kampfflugzeuge (z.B. alle Fliegerbomben des Typs MK80).

Neben der reinen Munitionsproduktion spielt auch die Herstellung von deren Elementen, wie etwa Treibladungen, eine große Rolle und zeigt zudem die aktuelle Entwicklung an. Während 2022 noch 5.000 Tonnen Treibladungen durch Rheinmetall produziert wurden, sind für 2027 rund 12.000 Tonnen vorgesehen. Und für 2030 sogar rund 20.000 Tonnen.

Die intelligenten Systeme von Diehl Defence

Diehl Defence ist in diesem Segment wiederum kein klassischer Massenhersteller wie Rheinmetall, sondern konzentriert sich stärker auf hochwertige, spezialisierte und damit teurere Wirkmittel. Trotzdem produziert das Unternehmen auch Munition im engeren Sinne, wie etwa im Bereich der 155mm Munition die DiNa, SMArt oder Vulcano.

Zum Ausbau der Produktion betreibt Diehl Defence unter anderem Zukäufe und erwarb in diesem Zusammenhang im Herbst 2024 die Dynamit Nobel GmbH (DN) mit allen operativen Tätigkeiten, Mitarbeitern und Vermögenswerten im Rahmen eines Anteilskaufs (sogenannter „Share Deal“) am Standort Troisdorf, wo auch die DynITEC GmbH ihren Sitz hat.

Bei der DynITEC handelt es sich wiederum um ein Gemeinschaftsunternehmen der Diehl Defence Tochter JUNGHANS Microtec GmbH und Rheinmetall. DynITEC entwickelt und produziert seit 2002 am Standort Troisdorf militärische Zünd- und Anzündmittel, energetische Materialien und elektronische Zündsysteme.

Wie groß der Ausbau der Munitionsproduktion bei Diehl Defence in den vergangenen Jahren war, lässt sich ebenfalls an Zahlen messen. Während im Jahr 2022 noch von einer produzierten niedrigen fünfstelligen Stückzahl pro Jahr gesprochen wurde, erhielt das Unternehmen im Juli 2024 den, nach Diehl Defence eigenen Worten, „Größten Auftrag im Bereich Artilleriemunition in der Firmengeschichte“. Es handelte sich dabei um einen Auftrag der Bundeswehr zur Erweiterung des in 2023 geschlossenen Vertrags zur DiNa 155mm Artilleriemunition.

„Die Vertragsunterzeichnung stellt die substanzielle Erweiterung des bereits im letzten Jahr gezeichneten Rahmenvertrages dar und ist ein deutliches Zeichen, um die Versorgungssicherheit im Bereich der 155mm-Artilleriemunition für die Bundeswehr und ihre Verbündeten sicherzustellen. Zugleich ist dieser Rahmenvertrag ein weiterer Vertrauensbeweis in Diehl Defence und unterstreicht die Absicht, langfristig Großkalibermunition beschaffen zu wollen. Eine solche Langfristigkeit ermöglicht es der Industrie, entsprechend benötigte Produktionskapazitäten in Deutschland aufzubauen“, berichtete seinerzeit das Unternehmen. „Im Zuge der Vertragszeichnung wurde ebenfalls ein Bestellabruf von 155mm-Artilleriegeschossen in signifikanter Höhe vereinbart, der die Grundlage für den Ausbau einer nationalen Fertigungslinie darstellt.“

Auch wenn keine offiziellen konkreten Zahlen genannt wurden, soll es sich den Informationen des Defence Network nach um insgesamt über zwei Millionen Schuss handeln.

Kleinkaliber von MEN

Als dritter großer deutscher Hersteller – mittlerweile allerdings im Besitz der amerikanischen CBC Group – ist der Munitionsspezialist Metallwerk Elisenhütte GmbH (MEN) zu nennen. Im Gegensatz zu Rheinmetall oder Diehl Defence produziert MEN vor allem kleinkalibrige Munition für Infanteriewaffen und gehört damit zu den zentralen Zulieferern der Bundeswehr in diesem Segment. Anders als bei der Großkalibermunition ist hier allerdings keine vergleichweise große Steigerung der Produktion oder Nachfrage zu verzeichnen, wie sie etwa bei Artilleriemunition aktuell stattfindet.

Dies lässt sich vor allem dadurch erklären, dass Kleinwaffenmunition in vielen europäischen Ländern vertreten ist und es zudem als Verbrauchsgut durchgehend nachgefragt war.

Im Vergleich zu großen Munitionsherstellern im Bereich Artillerie ist die Datenlage zu MEN zudem deutlich eingeschränkter, es lässt sich allerdings keine sprunghafte Produktionssteigerung im Millionenbereich erkennen, wie etwa bei Rheinmetall oder auch Diehl Defence. Stattdessen ist bei MEN wahrscheinlich von einer moderaten Ausweitung der Kapazitäten auszugehen, bei gleichzeitiger Qualitätssteigerung und Einführung von neuen bzw. verbesserten Fähigkeiten.

Deutschlands Anteil der Munitionsproduktion

Wie das letzte Beispiel MEN zeigt, ist dieser Bereich differenziert zu sehen – und ebenso Deutschlands Rolle in diesem Segment. Deutschland gehört sicherlich zu den wichtigsten Akteuren der europäischen Munitionsproduktion, nimmt jedoch keine allein dominierende Rolle ein. Beim Kleinkaliber haben unter anderem Tschechien, Belgien oder Italien eine bedeutende Positionierung, während bei den größeren Systemen Frankreich, Norwegen und Finnland signifikante Kapazitäten besitzen.

Nimmt man die kaum zu verfolgende und zu beziffernde Kleinkalibermunition heraus, dann zeigt sich allerdings die starke Position deutscher Unternehmen in Europa. Rund 25 Prozent der Produktion entfallen direkt auf deutsche Unternehmen, mit Rheinmetall und Diehl Defence an der Spitze. Dabei besitzt Deutschland insbesondere in technologisch anspruchsvollen Bereichen eine starke Stellung. Und alleine deren Ausbauzahlen – beispielsweise bei Rheinmetall von 70.000 Stück Artilleriemunition in 2022 auf 1,1 Millionen in 2027 – zeigen, in welchem Umfang sich die Unternehmen in den vergangenen vier Jahren vergrößerten.

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