Bei der NATO-Großübung Steadfast Dart 2026 üben rund 10.000 Soldaten aus elf Nationen die schnelle Verlegung an die Ostflanke. Besonders bemerkenswert: Ein großer Teilnehmerkreis kommt aus dem Mittelmeerraum – ein starkes Signal der Einheit im Bündnis. Aktuell werden in diesem Rahmen verstärkt maritime Operationen geübt. Eine solche fand gestern im Beisein von Minister Boris Pistorius und zahlreichen Generalen und Admiralen am Ostseestrand von Putlos statt.
Anfang Februar am kalten Ostseestrand in Putlos. Hier pflügen Amphibienfahrzeuge durch die Wellen, türkische Marineinfanteristen springen aus Landungsbooten. Die NATO probt den Ernstfall: die schnelle Verlegung von Truppen an die Ostflanke.
„Eine amphibische Landungsübung am Ostseestrand, eingebettet in eine Übung der Allied Reaction Force – das dient der Verbesserung der Planung und Durchführung von schnellen strategischen Verlegungen“, erklärte gestern Verteidigungsminister Boris Pistorius bei einem Besuch der Übung.
Deutschland als logistische Drehscheibe
Von Januar bis März üben rund 10.000 Soldaten aus elf Nationen bei Steadfast Dart, der größten NATO-Übung in diesem Jahr. Deutschland übernimmt in diesem Jahr eine zentrale Rolle als Gastgeber – auch, um seine Rolle als Host Nation für den Ernstfall zu üben.
Aktuell heißt das: 7.300 Soldaten werden versorgt, 1.500 Fahrzeuge koordiniert, bis zu 15 Schiffe unterstützt. An der gestern durchgeführten amphibischen Landung beteiligen sich rund 3.000 Soldaten. Spanien stellte das Führungsschiff, die Türkei den Großteil der Marineinfanterie.
„Die Botschaft an unsere NATO-Partner ist klar: Die NATO kann sich auf Deutschland als Drehscheibe verlassen“, betonte Pistorius. Die Erkenntnisse der gesamten Übung Steadfast Dart fließen direkt in den Operationsplan Deutschland ein – jenes „lebende Dokument“, das unter anderem regelt, wie NATO-Truppen im Krisenfall durch Deutschland verlegt werden.
Generalinspekteur General Carsten Breuer, der ebenfalls die Übung in Putlos besuchte, bettete das Gezeigte in einen entsprechenden Kontext: „Europas Sicherheitslage ist so unsicher wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Russland richtet seine Streitkräfte weiter nach Westen aus, rüstet auf und zieht Lehren aus dem Krieg in der Ukraine.“
Die Allied Reaction Force (ARF) – 2023 als direkte Antwort auf den russischen Angriffskrieg geschaffen, sei nach Aussage des Generalinspekteurs „noch schneller verlegbar als bisherige Einheiten und kann in allen Dimensionen agieren: Land, Luft, See und Cyber.“
Mittelmeer verteidigt Ostsee
Besonders bemerkenswert: Die an der Übung Steadfast Dart beteiligten Truppen bestehen dieses Jahr hauptsächlich aus Südeuropäern – Spanien, Türkei, Bulgarien, Griechenland, Italien. „Dass gerade diese Nationen nach Zentraleuropa verlegen, ist ein ganz wichtiges Zeichen der Einheit und Stärke dieser NATO“, betonte General Ingo Gerhartz, Befehlshaber des Allied Joint Force Command Brunssum (JFCBS).
Die Türkei demonstrierte ihre jüngst erworbenen Fähigkeiten: das amphibische Angriffsschiff bzw. der türkische Drohnenträger TCG Anadolu, die erste in der Türkei gebaute Fregatte TCG Istanbul – und die Bayraktar TB3. „Wir setzen zum ersten Mal in einer amphibischen Operation UAVs ein“, erklärte der ebenfalls anwesende türkische Admiral Ercüment Tatlıoğlu.
Pistorius würdigte: „Die Türkei ist ein sehr, sehr wichtiger NATO-Partner an der Südostflanke mit beachtlichen Fähigkeiten, […] zum Beispiel mit den Amphibienboten, die neu sind in der türkischen Marine und sich als sehr hochwertig erwiesen haben.“
In einem von der türkischen Marine veröffentlichten Video (siehe unten) ist zu sehen, wie die Soldaten nicht nur mit den neuen Landungsbooten, sondern auch mit dem amphibischen Angriffsfahrzeuge ZAHA und Schlauchbooten am Ostseestrand in Putlos landen.
Steadfast Dart – Keine US-Truppen
Dass die USA nur in Kommandostrukturen nicht mit direkten Truppenteilen vertreten sind, hat laut Pistorius „keinerlei politische Ursachen“ – wer welche Aufgaben und Anteile bei NATO-Übungen übernehme, rotiere regelmäßig. Die europäischen Partner zeigten jedoch eindrucksvoll ihre Fähigkeiten. „Diese Verlegeübung“, so der Minister, „läuft reibungslos. Wir zeigen, dass wir das sehr professionell können.
„Die Stärke und Feuerkraft, die wir demonstrieren, dient der Friedenssicherung durch Abschreckung“, fasste Breuer zusammen. „Die Geschichte lehrt uns: Abschreckung versagt, wenn Gegner Uneinigkeit und Schwäche spüren.“ Im Kern ginge es dieser Tage bei Steadfast Dart auch darum, diese Einigkeit der NATO-Partner nicht nur symbolisch zu demonstrieren, sondern auch Standards und Verfahrensweisen im internationalen Ablauf zu üben – immer und immer wieder.
Pistorius ergänzte mit Blick auf die Ostsee: „Russland bedroht uns hybrid, die Schattenflotte beschädigt unsere Unterwasserinfrastruktur. Wir zeigen Präsenz und Handlungsfähigkeit.“ Dass Mittelmeer-Anrainer wie die Türkei ihre Streitkräfte in die Ostsee verlegen, ist von besonderer Symbolkraft.
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!
Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:















