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Bundeswehr: Das steht in der neuen Militärstrategie

„Erstmals in der Geschichte der Bundeswehr geben wir uns eine Militärstrategie“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius bei der heutigen Vorstellung der entsprechenden Dokumente. Auch wenn seine Aussage nicht ganz zutreffend ist – die entsprechenden Papiere wurden früher nur als Weißbücher bezeichnet – so bleibt es doch ein großes Vorhaben, das die neueste Ausrichtung der Bundeswehr in ein Konzept gießt. Und die Militärstrategie beginnt mit einem großen Ziel. „Wir entwickeln die Bundeswehr zur konventionell stärksten Armee Europas“, betont der Verteidigungsminister im Vorwort. Ein Ziel, das in den Verträgen zur Wiedervereinigung Deutschlands eigentlich ausgeschlossen wurde – und das nun doch zur Umsetzung kommt. Hier folgen die wichtigsten Punkte der aktuellen Planungen für die Bundeswehr.

Die aktuelle Bundesregierung bekannte sich bereits im Koalitionsvertrag zum Ausbau der Verteidigung und der Stärkung der Bundeswehr.
Die aktuelle Bundesregierung bekannte sich bereits im Koalitionsvertrag zum Ausbau der Verteidigung und der Stärkung der Bundeswehr.
Foto: Bundeswehr/Marco Dorow

Vier Dokumente stellte das Verteidigungsministerium heute vor: Die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung (im Grunde Weißbuch plus Fähigkeitsprofil), den Personellen Aufwuchsplan Bundeswehr, die Neue Strategie der Reserve sowie die Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda.

Die neue Militärstrategie der Bundeswehr

Wenig überraschend verankert die neue Militärstrategie die deutschen Streitkräfte fest in der NATO, denn nur gemeinsam sei eine wirksame Verteidigung denkbar. Und die USA bleiben der Anker für die Bundeswehr.

„Die USA sind politisch und durch ihre militärischen Fähigkeiten für die Allianz essenziell“, betont das Dokument, nimmt jedoch auf aktuelle Entwicklungen Bezug: „Auch jenseits dieser Neuorientierung in den Indopazifik verlangen die USA in ihrer 2026 National Defense Strategy von ihren Verbündeten größere Anstrengungen, die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Deutschland muss daher den USA ein noch stärkerer militärischer Verbündeter werden und gleichzeitig gemeinsam mit den Alliierten mehr Verantwortung für die gemeinsame euro-atlantische Sicherheit übernehmen, um erfolgreich abschrecken und das Bündnis auch weiterhin verteidigen zu können.“

Die Militärstrategie benennt zum Erreichen dieser Ziele vier militärstrategische Prioritäten für die Bundeswehr:

  • Abschreckung und Verteidigungsfähigkeit im Rahmen Landes- und Bündnisverteidigung sichergestellt
  • Wirkung hybrider Angriffe mitigiert
  • Stabilität Europas und seiner südlichen Nachbarschaft gestärkt
  • Internationale Seeverbindungs- und Kommunikationslinien geschützt

Diese Ziele sollen durch eine Neujustierung der Bundeswehr erreicht werden. Hierfür denkt das BMVg die Streitkräfte nicht mehr in Einheiten, sondern in Fähigkeiten, ist in der Militärstrategie zu lesen: „Das Bundesministerium der Verteidigung plant die Streitkräfte über Fähigkeiten. Eine Fähigkeit entsteht

  • durch die Zusammenführung der erforderlichen materiellen, organisatorischen, infrastrukturellen sowie für den Betrieb erforderlichen Ressourcen mit ausgebildetem Personal,
  • zur Erfüllung einer bestimmten militärischen Aufgabe.

Dies ermöglicht ein Denken in Systemzusammenhängen und schafft die Grundlage für eine ganzheitliche Planung von Streitkräften. Eine befristete Entkopplung der Ressourcen kann die für den Aufwuchs notwendige Flexibilität schaffen.“

Entwicklung der Bundeswehr bis 2039

Wie dies konkret geschehen soll, bennent das BMVg folgendermaßen: „Das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr führt dazu die deutschen NATO-Fähigkeitsziele mit den Nationalen Fähigkeitszielen zusammen und beschreibt das Zielbild der Bundeswehr:

  • NATO-Fähigkeitsziele: Die Bundeswehr ist eine Armee im Bündnis. Deutschland gestaltet den NATO-Verteidigungsplanungsprozess und verhandelt jene Ziele, die entlang militärstrategischer Vorgaben seiner heutigen und künftigen Rolle im Bündnis entsprechen.
  • Nationale Fähigkeitsziele: Neben die NATO-Fähigkeitsziele treten die Nationalen Fähigkeitsziele. Diese reflektieren die Aufgaben und Aufträge der Bundeswehr aus den Verteidigungspolitischen Richtlinien und Vorgaben der Militärstrategie, ergänzen die NATO-Fähigkeitsziele, können in das Bündnis eingebracht werden und Ausgangspunkt für die multinationale Verteidigungsplanung sein.

Das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr wird auf Weisung des Generalinspekteurs der Bundeswehr anlassbezogen fortgeschrieben und aktualisiert. Die weitere Umsetzung erfolgt durch ministerielle Weisung.“

Zudem definiert die Militärstrategie den Zeitrahmen, mit dem der Aufwuchs der Bundeswehr geschehen soll: „Die Streitkräfte werden

  • kurzfristig orientiert an einer schnellen Maximierung der Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit,
  • mittelfristig mit einem deutlichen Fähigkeitszuwachs in allen Dimensionen und
  • langfristig hin zu technologisch überlegenen, innovativen Streitkräften aufgebaut und in einem Zeitraum bis 2039 weiterentwickelt.“

Wie zu erwarten wird die Militärstrategie allerdings selten konkret, so auch nicht in der Beschreibung zum Aufwuchs, wobei es für Abgeordnete geheime Erläuterungen mit weiteren Informationen gibt. Benannt wird allerdings das Ziel der Vollausstattung (inklusive Umlaufreserve) sowie ein Aufwuchsplan für das Personal (militärisch und zivil).

Die wichtigsten Bereiche

Das BMVg benennt in der neuen militärstrategie zudem sechs Bereiche bzw. Innovationslinien, anhand derer sich die Entwicklung der Bundeswehr aktuell orientieren wird:

  • Wirkung auf Abstand und Abwehr von Bedrohungen aus der Luft – Die Bundeswehr baut die Fähig- keiten zur weitreichenden präzisen Wirkung aus. Gleichzeitig stärkt sie die Fähigkeit zur Abwehr weitreichender Waffen und Trägersysteme.
  • Kampf um Informationsüberlegenheit und Erhöhung der Informationsgeschwindigkeit – Offensive und defensive Fähigkeiten zum Gewinnen und Erhalten der Informationsüberlegenheit werden hierzu in allen Dimensionen unter Nutzung Künstlicher Intelligenz ausgebaut.
  • Vernetzung und Digitalisierung – Auf dem Weg zur MDO Enabled Alliance wird Deutschland eine führende Rolle einnehmen. Hierzu werden die notwendigen boden- und weltraumgestützten Fähigkeiten geschaffen und ausgebaut: eine durchgehende cloudbasierte IT-Plattform und resiliente, redundante Kommunikationssysteme (Digital Backbone). Bei der Realisierung wird konsequent die Digitale Souveränität angestrebt.
  • Nationale Führungsfähigkeit – Die Fähigkeit zur nationalen Planung und Führung von Operationen ist auf operativer Ebene sicherzustellen. Die beinhaltet auch die Führung von Multi-Domain Operations sowie die darin enthaltene Aufgabe zur dimensionsübergreifenden Führung von Deep Precision Strikes. Gleichzeitig wird die gesamtstaatliche Handlungsfähigkeit durch ressortübergreifende Anknüpfungspunkte angelegt.
  • Operationsbasis Deutschland – Die Operationsbasis Deutschland erstreckt sich auf das Hoheitsgebiet Deutschlands und seiner heimischen Gewässer, den nationalen Luftraum und die nationalen Daten- und Kommunikationsnetze. Zum Erhalt der funktionsfähigen Operationsbasis werden die zwingend militärischen Fähigkeiten geschaffen.
  • Nationale Krisen- und Risikovorsorge, Unterstützungsleistungen und durchgängig wahrzunehmende Aufgaben – militärische Fähigkeiten zur Erfüllung dieser Aufträge sind angemessen zu berücksichtigen. Nationale Krisen- und Risikovorsorge sowie Unterstützungsleistung ist eine ressortgemeinsame hoheitliche Aufgabe zum Schutz deutscher Staatsangehöriger im Ausland.
Militärstrategie der Zeitenwende

Mit der Militärstrategie – und den weiteren Dokumenten – legt das BMVg also erstmals wieder ein Dokument vor, das den Geist der frühen Weißbücher aufgreift, als diese noch rein durch die Strategen im BMVg entwickelt und geschrieben wurden. Und als sich daraus noch die konkreten Fähigkeitsplanungen ableiten ließen.

Wer beim heute vorgelegten Dokument die konkreten Maßnahmen vermisst, der vergisst dabei, dass eine Strategie immer nur die Linien vorgeben soll, statt in Mikroplanungen zu verfallen. In diesem Sinne sind die heute präsentierten Papiere tatsächlich richtungsweisend und definieren die neue Zeit für die Bundeswehr. Nun gilt es allerdings die Umsetzung zu realisieren, damit Deutschland tatsächlich das durch die neue Ausrichtung der USA in Europa entstehende Vakuum füllen kann. Mit der Bundeswehr als stärkste konventionelle Armee Europas.

Hier geht es zur Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung.

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