Sie ist unbemannt, sechs Meter lang und soll der Bundeswehr künftig helfen, Bedrohungen auf See früher zu erkennen. Basis ist das Unmanned Surface Vessel (USV) Vanta von Stark. Mit der „USurfV Seetaube“ nimmt die maritime Aufklärung auch unbemannt Fahrt auf. Die jüngst erfolgte Schiffstaufe dürfte nicht die letzte dieser Art gewesen sein.

Es war eine feierliche Taufe, wie sie für die Marine würdig ist, doch Betreiber des Seetaube wird nicht die Deutsche Marine, sondern der Cyber- und Informationsraum. Angestoßen hatte das Projekt der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Digitalisierung.
Mit dem traditionellen Bruch der Sektflasche am Bug traf maritime Tradition auf hochmoderne Technik – hier in Form der Vanta-Plattform des Defence-Tech-Unternehmens STARK. Mit dem Taufspruch wünschte Patin Hauptbootsmann Cara dem System und seinem Bedienpersonal symbolisch gute Fahrt und allzeit „eine Handbreit Wasser unterm Kiel“.
Namensgebend war zunächst das Akronym für „Taktische Aufklärungs- und Beobachtungs-Einheit“, doch der Lebensraum der Seetaube (eigentlich Krabbentaucher) ist zugleich eine zunehmend bedeutende Region für die Marine: die Arktis. Seetauben leben an der arktischen Westküste Nordamerikas, im Nordwesten Grönlands sowie auf Spitzbergen.
Doch bis das USV dort eingesetzt wird, dürfte es noch eine Weile dauern. In den kommenden Monaten stehen zunächst die Ausbildung des Bedienpersonals sowie weitere Erprobungen im Seebetrieb an, bevor das System offiziell in Dienst gestellt wird. Erste Einsatzräume dürften dann auch die Küsten von Nord- und Ostsee sein.
Technisches Profil – die Vanta-Plattform von STARK
Hinter der Seetaube steckt Vanta, STARKs Produktfamilie unbemannter Überwasserfahrzeuge für Aufklärung und Wirkung im küstennahen Einsatz sowie zum Schutz von Häfen und kritischer maritimer Infrastruktur. Statt für jede Aufgabe ein bemanntes Schiff aufs Meer zu schicken, sollen autonome, KI-gestützte Boote dauerhafte Überwachungs- und Aufklärungsaufgaben übernehmen und so die bemannte Flotte entlasten.
Ausgestattet mit einem Mehrfachsensorträger kann Vanta Ziele anhand optischer, Infrarot- und Radarsignaturen erfassen und liefert damit ein Lagebild in Echtzeit, das sich nahtlos in maritime Führungs- und Informationssysteme einbinden lässt. Bei der Seetaube verzichtet die Bundeswehr explizit auf Wirkmittel, das System selbst sieht diese als Option jedoch vor.

Auf dem Papier ist die Plattform vor allem für Ausdauer und Reichweite ausgelegt: Bei rund 45 Knoten Spitzengeschwindigkeit erreicht sie je nach Konfiguration eine Reichweite von mehreren Hundert Seemeilen und ist für den Betrieb auch bei anspruchsvollem Seegang konzipiert. Die wichtigsten technischen Eckdaten der Vanta-Plattform im Überblick:
- Länge: rund 6 Meter
- Leergewicht: ca. 2.100 kg
- Höchstgeschwindigkeit: über 45 Knoten
- Nutzlast: bis zu 500 kg
- Reichweite: bis zu 910 Seemeilen
- Navigation: GNSS, optische Sensorik und Kursreferenz
- Start & Bergung: über Rutsche oder Kran
- Sensorik: optische, Infrarot- und Radarsensoren zur Zielerfassung
- Steuerung/Einbindung: kompatibel mit STARKs Führungssystem Minerva sowie gängigen maritimen Battle-Management-Systemen
Einsatzprofile – von Kreuzpeilung bis Wirkverbund
Ein wichtiger Auftrag der Seetaube ist laut Bundeswehr die sogenannte Kreuzpeilung: Um ein Signal – etwa von einer Boje oder einem verdächtigen Schiff – präzise zu lokalisieren, braucht es zwei Peilpunkte aus unterschiedlichen Positionen. Bislang mussten dafür meist zwei bemannte Einheiten zusammenarbeiten.

Die Seetaube soll künftig die Rolle der zweiten, flexibel einsetzbaren Peilbasis übernehmen und so alleinfahrende Boote und Schiffe der Bundeswehr dabei unterstützen, Signale auf See eindeutig zu verorten – seegangsstabilisiert und auch bei Wellengang zuverlässig. Dabei operiert das System hochautomatisiert auf Basis vorgeplanter Missionen, folgt eigenständig den Verkehrsregeln auf See und wird dabei von einem Bediener überwacht, der jederzeit eingreifen kann.
Darüber hinaus ist die Seetaube Teil einer größeren strategischen Logik: Angesichts zunehmend hybrider Bedrohungen auf See gegen Häfen, Pipelines oder Unterseekabel soll sie helfen, verdächtige Aktivitäten frühzeitig zu erkennen und Aufklärungsdaten schneller verfügbar zu machen.
Die zugrunde liegende Vanta-Plattform ist zudem grundsätzlich modular und erweiterbar aufgebaut: STARK hat bereits den Start der Loitering Munition „Cascade“ von einer Vanta-Plattform demonstriert, was zeigt, dass aus der reinen Sensorplattform künftig auch ein Träger für Effektoren im Aufklärungs- und Wirkverbund werden könnte.
Breites Thema – maritime Autonomisierung
Die frisch getaufte Seetaube der Bundeswehr ist kein Einzelfall, sondern Teil eines breiten Trends zur maritimen Automatisierung. Das israelische Unternehmen Elbit Systems bietet mit der Seagull-Familie seit Jahren ein USV-Konzept an, das je nach Ausrüstung auch Minenabwehr, U-Boot-Bekämpfung und elektronische Kriegsführung abdeckt und aktuell mit der größeren Mk3-Version weiterentwickelt wird.

In den USA treibt vor allem das Unternehmen Saildrone die Entwicklung voran: Mit der Surveyor und der noch größeren Spectre entstehen dort 20 bzw. 52 Meter lange USV-Klassen für Ozeanüberquerungen und U-Boot-Jagd.
Auch in Deutschland ist mit Rheinmetall Naval Systems ein Anbieter am Markt, der momentan zwei unterschiedliche unbemannte Überwassersysteme anbietet bzw. entwickelt. (Defence Network berichtete).
Ungeachtet der weltweiten Entwicklung soll die Seetaube zunächst einmal eine Aufklärungslücke der deutschen Marine schließen. Auch wenn der Schritt noch zurückhaltend wirkt, auch in der Zukunft der Seekriegsführung werden unbemannte Systeme zum festen Bestandteil der Flotte werden.
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