CONTRA: Helsing steigt in Luftverteidigung ein

Navid LinnemannNavid Linnemann

Das deutsche Defence-Tech-Scale-up Helsing hat heute Morgen in Berlin mit CONTRA ein neues Produkt für den Bereich Air Defence vorgestellt. Dr. Gundbert Scherf, der CEO des Unternehmens, stellte das System mit den beiden Abfangflugkörpern AD-1 Inferno und AD-2 Ambush vor dem Hintergrund eines Technologiesprungs im russischen Krieg gegen die Ukraine vor: Bedrohungen aus der Luft würden dort schneller und günstiger. Dem wolle man mit den neuen Produkten begegnen.

Grafische Darstellung eines containerbasierten Luftverteidigungssystems CONTRA von Helsing, welches auf einem jetgetrieben und einen raketenbasierten Interceptor besteht.
Grafische Darstellung eines containerbasierten Luftverteidigungssystems CONTRA von Helsing, welches auf einem jetgetrieben und einen raketenbasierten Interceptor besteht.
Illustration: Helsing

„Weniger als 100k“ sollen die beiden heute vorgestellten Interceptoren AD-1 Inferno und AD-2 Ambush kosten, erklärte Dr. Scherf heute Morgen in Berlin. Eingebunden in das neue Helsing-Luftverteidgungssystem CONTRA wollen man der zunehmenden Bedrohung durch günstige, immer schnellere Drohnen, aber auch Angriffen durch Marschflugkörper begegnen.

CONTRA – containerbasierte Luftverteidigung

CONTRA sei ein ITAR-freies, autonomes Luftverteidigungssystem, das neben optischen und IR-Sensoren auch auf akustische Sensoren und Radar setzt. Wenn Angriffe durch Masse mit Masse abgefangen werden, so Dr. Scherf, komme es bei einem System, das auf Autonomie setzt, auch auf eine intelligente Steuerung an. So sei es beispielsweise notwendig, auf smarte Angreifer auch smart reagieren zu können; beispielsweise durch veränderte Anflüge und andere Zielzuweisung. CONTRA könne genau das: Wenn ein Inteceptor das ihm zugewiesene Ziel verfehle, könne er umkehren und erneut zum Abfangen der Bedrohnung ansetzen.

Neben dem Beispiel des aktuellen Kriegs gegen die Ukraine nannte Helsing den Schutz der Grenze als Einsatzorts des neuen „System of Systems“ für die Luftverteidigung. Da die Effektoren von CONTRA aus Containern gestartet werden können, ließen sich diese nicht nur auf Schienen und Schiffen verlegen, sondern via Lkw dezentral verteilen.

Referent präsentiert das KI-Gefechtsführungssystem Altra von Helsing mit taktischer Lagekarte zur Luftverteidigung auf einem Monitor
Dr. Gundbert Scherf, CEO von Helsing, erläutert die Herausforderung bei der Abwehr von Massenangriffen durch Luftbedrohungen.
Screenshot: Helsing

Helsing zeigte eine Grafik, bei der Container entlang einer Grenze aufgestellt werden und ihr Schutz als „Wall“ gegen einfliegende Bedrohungen fungieren könne. Ebenso möglich sei jedoch eine „Glocke“ der Luftverteidigung beispielsweise um militärische Einrichtungen oder schützenswerte Infrastruktur.

Gesteuert werden sollen CONTRA und seine Komponenten über die Recce Strike Software Plattform ALTRA C2. Dadurch sei die neue Helsing-Luftverteidigung auch mit anderen Systemen kombinier- und integrierbar. Gleiches gelte für SitaWare und andere nationale Battle Management Systeme.

AD-1 Inferno

Jet getriebene Abfangdrohne mit Geschwindigkeit über 700ß Stundenkilometer. „Wenn wir sagen massenproduzierbar, dann meinen wir 1.000 Stück pro Monat“, erklärte Dr. Scherf. 20 Stück davon passen in einen Container, so der Helsing-CEO weiter.

Eine Masse, die angesichts von derzeit rund 4.000 von Russland eingesetzten Geran-4 und Geran-5 pro Monat nicht zu niedrig angesetzt ist.

Computergrafik des Abfangflugkörpers AD-1 Inferno von Helsing mit technischer Modellansicht und Leistungsdaten zur Luftverteidigung
Die Computergrafik einer Produktpräsentation des Unternehmens Helsing zeigt den strahlgetriebenen Abfangflugkörper AD-1 Inferno.
Grafik: Helsing

Nach Angaben von Helsing wurde die AD-1 Inferno innerhalb von 2 Monaten in einem multinationalen Team vom Konzept bis zu einem Demonstrator entwickelt. In den kommenden Wochen sollen bereits Testflüge stattfinden.

AD-2 Ambush

Mit AD-2 stellte Helsing einen zweiten, sich in der Entwicklung befindlichen Interceptor vor. Dieser soll raketengetrieben sein und Geschwindigkeiten von MACH 2 (rund 2.500 Stundenkilometer) erreichen.

Produktgrafik des Lenkflugkörpers AD-2 Ambush von Helsing mit technischen Leistungsdaten für die bodengebundene Luftverteidigung
Eine Produktgrafik des Rüstungsunternehmens Helsing zeigt den raketengetriebenen Abfangflugkörper AD-2 Ambush.
Grafik: Helsing

In Berlin zeigte Helsing ein Video von einem Testflug, den die AD-2 Ambush bereits absolviert habe. Ziel sei es, nicht nur Drohnen, sondern auch Subsonic Cruise Missiles in großen Höhen abfangen zu können, die außer Reichweite der AD-1 Inferno liegen. Bis oberhalb von 9.000 Metern soll AD-2 Ambush wirken können.

Beide Interceptoren für CONTRA sollen mit einem sich ncih nicht in Serienfertigung befindlichen Suchkopf ausgestattet werden, der neben einem optischen Sensor auch ein aktives Radar enthält. Laut Helsing soll dies nicht nur den Einsatz bei Nacht, sondern insbesondere bei schlechten Wetterverhältnissen ermögliche. Die Erfahrung in der Ukraine habe gezeigt, dass Russland sich die Witterung für Angriffe zunutze mache.

Es gäbe bereits einen Vertrag mit einem möglichen Nutzer, sagte Dr. Scherf auf Nachfrage einer Journalistin in Berlin – welches Land dies sei, könne er jedoch nicht sagen. Der Helsing-CEO betonte zudem, dass sich die Systeme weiterhin im Status der Entwicklung befänden. Über Fortschritte wolle man jedoch laufend berichten. Als frühestes Auslieferungsdatum nannte ein Helsing-Vertreter das zweite Quartal 2027.

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