Die U.S. Navy hat Boeing mit der Entwicklung, dem Bau und der Lieferung ihres Kampfjets der sechsten Generation beauftragt. Der Auftrag für das Programm F/A-XX hat einen Umfang von mehreren Milliarden US-Dollar. Der Jet soll die F/A-18 Super Hornet ablösen und wäre der erste Kampfjet der 6. Generation für die Navy.

Auch im Rennen um den zweiten US-Kampfjet der 6. Generation fiel die Entscheidung auf Boeing. Das Unternehmen setzte sich im Schlussspurt gegen Northrop Grumman durch, das nach der F-14 Tomcat in den 60er-Jahren keinen Kampfjet mehr entwickelt und in Serie gebaut hat. Lockheed Martin – Hersteller der F-35 – konnte die Anforderungen der Navy dagegen nicht erfüllen und schied bereits im März letzten Jahres aus. Ein für Lockheed bemerkenswerter Rückschlag.
Für Boeing bedeutet der Zuschlag bereits den zweiten Erfolg im Bereich der Sechste-Generation-Kampfjets. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Konzern den Auftrag für den F-47 der U.S. Air Force erhalten. Auch bei diesem Programm konnte sich Boeing gegen Lockheed Martin und Northrop Grumman durchsetzen – allerdings in umgekehrter Reihenfolge.
F-47 und F/A-XX kommen von Boeing
„Zwei moderne Kampfjets parallel zu liefern, war immer unser Plan, und wir haben entsprechend investiert“, erklärte Steve Parker, Präsident und CEO von Boeing Defense, Space & Security. Als Grundlage nannte er auch die Investitionen in neue Fertigungskapazitäten: In St. Louis entsteht die größte gesicherte Produktionsanlage der USA, Teil eines durchgängig digitalen Design- und Fertigungssystems.
Wir sind bereit und in der Lage, mehrere Kampfflugzeug-Programme gleichzeitig zu realisieren
– Steve Parker
Technische Details und der Zeitplan bleiben aus Gründen der nationalen Sicherheit und wegen Exportvorschriften geheim. Bekannt ist bisher nur, dass F/A-XX auf eine offene Missionssystem-Architektur, fortschrittliche Missionssysteme sowie größere Reichweite und Einsatzkapazität setzt. Die Navy veröffentlichte mit der heute erfolgten Bekanntgabe des Zuschlags an Boeing lediglich eine künstlerische Darstellung (siehe oben).
Kampfjets der 6. Generation
Eine verbindliche Definition, was einen Kampfjet der sechsten Generation von einem Jet der fünften Generation unterscheidet, gibt es nicht. Die verschiedenen Kampfjetgenerationen sind viel mehr allgemein anerkannte Zuschreibungen innerhalb von Industrie und Luftstreitkräften. Die fünfte Generation (F-22, F-35) steht beispielsweise für die Einführung von Tarnkappentechnik, Sensorfusion und Vernetzung. Die sechste Generation, wie sie durch die F/A-XX dargestellt werden soll, baut darauf auf und wird meist durch folgende Merkmale beschrieben:
- Verbesserte Tarnung über mehrere Frequenzbereiche und gegen moderne Radarsysteme
- Größere Reichweite und Nutzlast, besonders wichtig für Einsätze über weite Distanzen wie im Indopazifik
- Zusammenspiel mit unbemannten Systemen, sogenannten Collaborative Combat Aircraft (CCA), die der bemannte Jet als „Loyal Wingman“ führt
- Offene Systemarchitektur für schnelle Software- und Hardware-Updates
- Fortschrittliche Sensorik und KI-gestützte Datenauswertung für Lagebild und Entscheidungsunterstützung
- Neue Antriebe mit mehr Leistung, Effizienz und Energie für Sensoren und künftig auch Hochenergiewaffen
- Digitales Engineering in Entwicklung und Fertigung
Die USA verfolgen derzeit gleich zwei Programme, die einen neuen Kampfjet eben jener 6. Generation hervorbringen sollen – eines für die US Air Force und eines für die US NAvy. Beide laufen unter dem Titel „Next Generation Air Dominance“. Da Boeing nun beide Programme entwickeln darf, dürften sowohl die zukünftige F-47 als auch F/A-XX stark voneinander profitieren.
Weitere Entwicklungen weltweit
Bei der Entwicklung modernster Kampfjets sind die USA mit ihrer F/A-XX allerdings nicht allein: der internationale Wettlauf um die nächste Generation ist in vollem Gang. Neben F/A-XX und F-47 arbeitet auch China an neuen Kampfjets. Im Fall von China werden hier Chengdu J-36 und Shenyang J-50 genannt, die es bereits als Prototypen geben soll. Doch technische Details der chinesischen Jets sind kaum bekannt.
Auch Russland will im nächsten Technologieschritt mithalten: das 2015 öffentlich bekanntgegebene Programm zur Entwicklung der MiG-41 sollte bereits im vergangenen Jahr zum Erstflug abheben. Passiert ist jedoch nichts. Aktuell wird stark daran gezweifelt, dass die MiG-41 jemals fliegen wird.
Ebenfalls zur Kategorie Sechste-Generation sollte das in diesem Jahr gescheiterte FCAS-Projekt und der darin enthaltene Next Generation Fighter gehören. Spanien, Frankreich und Deutschland wollten hier zusammen entwickeln, was aus Gründen der Unstimmigkeiten bei den Industriepartnern scheiterte (Defence Network berichtete). Ob und wie es mit einer deutschen Beteiligung bei einem modernen Kampfjet weitergeht, ist noch unklar. Beim Air Force Tech Summit, der kommende Woche wieder in Berlin stattfindet, wird das Thema auf der Tagesordnung stehen.
Derzeitige Hoffnung für einen (in Teilen) europäischen Kampfjet der 6. Generation ist GCAP (Global Combat Air Programme). Hier haben sich Großbritannien, Japan und Italien zusammengeschlossen. Die drei Staaten wollen ihren Kampfjet um das Jahr 2035 in Dienst stellen.
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