PIRANHA soll Flak-Panzer werden – GDELS zeigt neue Pläne

„Wir denken Luftverteidigung neu.“ – Im Gespräch mit Defence Network erläutert Dr. Thomas Kauffmann, Vice President bei GDELS, wie aus dem Schützenpanzer PIRANHA 10×10 eine hochmobile Flugabwehrplattform werden könnte. Von Lenkflugkörpern über Kanonenbewaffnung bis hin zu künftigen Luftverteidigungslösungen spricht Kauffmann über aktuelle Konzepte, mögliche Zeitpläne und die Rolle europäischer Industrie im Wettrennen um moderne Short-Range Air Defence.

Dr. Thomas Kauffmann, Vice President bei GDELS, im Interview mit CPM Defence Network.
Dr. Thomas Kauffmann, Vice President bei GDELS, im Interview mit CPM Defence Network.
Foto: CPM / Sascha
Herr Dr. Kauffmann, auf dem GBAD-Summit Ende April haben Sie einen Vortrag gehalten, bei dem auch Grafiken zum Thema Flugabwehr zu sehen waren – darunter ein PIRANHA 10×10 mit einem IRIS-T-Launcher sowie ein Fahrzeug mit zwei unabhängig einsetzbaren Kanonen. Könnten Sie diese beiden Konfigurationen etwas detaillierter vorstellen?

Wir haben uns intensiv Gedanken gemacht, wie wir auf die neue Qualität der Luftbedrohung reagieren und schnelle Lösungen anbieten können. Der erste Schritt war, bewährte Systeme wie IRIS-T – das sich im Ukraine-Einsatz im rückwärtigen Raum bereits erfolgreich bewährt hat – so zu ertüchtigen, dass sie auch an der vordersten Verteidigungslinie eingesetzt werden können, um unsere Truppen zu schützen. Entscheidend sind dabei Panzerschutz und Mobilität. Wir haben deshalb die überragende Mobilität und den Panzerschutz des PIRANHA 10×10 konzeptionell mit der einsatzbewährten Flugabwehrfähigkeit von IRIS-T vereint. Das Ergebnis ist ein eingeführtes Flugabwehrsystem, das schnell gepanzert und mobil gemacht werden kann.

Das zweite System, der PIRANHA 10×10 Gunship, ist eine erste Konzeptstudie. Wir beobachten im Bereich der bodengebundenen Luftverteidigung zunehmend Sättigungsangriffe – der Gegner versucht, durch Angriffe mit Masse die eigene Verteidigungsfähigkeit zu überfordern. Unsere Antwort darauf: statt einer 30-mm-Kanone setzen wir zwei ein, die unabhängig voneinander in verschiedene Richtungen wirken können. Man kennt das Prinzip vom Flugabwehrkanonenpanzer Gepard mit seiner 35-mm-Zwillingskanone – der entscheidende Unterschied beim Gunship ist jedoch, dass beide Kanonen gleichzeitig und unabhängig voneinander verschiedene Ziele bekämpfen können. Im Prinzip: mehr Feuerpower auf einer Plattform.

Unbemannte Komponente: Auf dem GBAD-Summit in Berlin sprach Dr. Thomas Kauffmann über sehr schnell lieferbare Lösungen, bei denen GDELS als Integrator bereits verfügbarer Lösungen auftritt.
Auf dem GBAD-Summit in Berlin sprach Dr. Thomas Kauffmann über sehr schnell lieferbare Lösungen, bei denen GDELS als Integrator bereits verfügbarer Lösungen auftritt.
Foto: CPM / Sascha Schuermann

Warum aber sowohl eine lenkflugkörper- als auch eine kanonenbasierte Variante? Wir sind überzeugt, dass ein dezentraler Einsatz von Flugabwehrsystemen und eine Kombination verschiedener Fähigkeiten sinnvoller ist, als mehrere Fähigkeiten auf einer einzigen Hochwertplattform zu bündeln – denn eine solche Plattform wäre für den Gegner ein lohnendes und vergleichsweise leicht auszuschaltendes Ziel. Darüber hinaus steigt der Entwicklungsaufwand mit zunehmender Komplexität; das würde unnötig Zeit kosten.

Das sind bisher Konzepte. Wann könnten diese getestet werden?

Wir haben mit dem PIRANHA 10×10 bereits einen verfügbaren Demonstrator für das Basisfahrzeug. In Abstimmung mit dem möglichen Partner wären wir in der Lage, sehr kurzfristig einen Systemdemonstrator bereitzustellen und zu testen. Wenn sich zeigt, dass er die Anforderungen des Kunden erfüllt, können wir schnell in die Umsetzung gehen.

Gibt es darüber hinaus weitere Luftverteidigungssysteme, die GDELS entwickelt?

Grundsätzlich betrachten wir alle möglichen Effektoren – von Laser- und Mikrowellensystemen über kinetische Wirkmittel bis hin zu Lenkflugkörpern und Mitteln im elektromagnetischen Spektrum. Alles, was hilft, die Bedrohung für die Landstreitkräfte im bodennahen Luftraum zu reduzieren, ist für uns relevant.

Wir denken dabei in verschiedenen Ebenen. Analog zur früheren Fliegerabwehr aller Truppen – bei der jedes Fahrzeug eine Drehringlafette mit Maschinengewehr zur Luftverteidigung hatte – brauchen wir heute eine allgemeine Drohnenabwehr aller Truppen. Jedes Fahrzeug der Bundeswehr sollte durch entsprechende Waffenstationen in die Lage versetzt werden, gegen Drohnen zu wirken.

Der EAGLE 6x6 wurde auch auf dem Mobility Day in der Schweiz gezeigt – hier mit einer zusätzlichen Tür.
Der EAGLE 6x6 wurde auch auf dem Mobility Day in der Schweiz gezeigt – hier mit einer zusätzlichen Tür.
Foto: CPM / Navid Linnemann

Dann – weiterhin unterhalb der Heeresflugabwehrtruppe – stellt sich die Frage, wie sich in die Truppenstrukturen ein System integrieren lässt, das Nah- und Nächstbereichsschutz bietet und zum Beispiel jeden Kompaniegefechtsstand mit einer eigenen Schutzglocke versehen kann. Unsere Antwort ist der EAGLE 6×6, der die notwendige Zuladung mitbringt.

Wir verfolgen zwei Optionen: Erstens das Manned-Unmanned Teaming, bei dem der EAGLE 6×6 als Vehicle Control Unit mehrere unbemannte Boden- oder Luftsysteme führt, die mit Sensorik und Effektorik ausgestattet sind, quasi den bodennahen Luftraum auf taktischer Ebene überwacht. Zweitens der EAGLE 6×6 als Interceptor Carrier – mit dem Ziel, so viele Abfangdrohnen wie möglich auf einem Fahrzeug zu integrieren, um auch Sättigungsangriffe abwehren zu können. Beide Fahrzeugvarianten bilden dann gemeinsam das Schutzschild am Nah- und Nächstbereich.

Wie viele Interceptor-Drohnen sollen mitgeführt werden können?

Genaue Stückzahlen nenne ich aus naheliegenden Gründen nicht öffentlich – das ist für den Gegner relevanter als für den interessierten Leser. Ich kann aber sagen: Es muss im zwei- bis dreistelligen Bereich sein. Das ist gleichzeitig eine Einladung an alle Drohnenhersteller, ihre Interceptoren so klein und kompakt wie möglich zu konstruieren, damit wir möglichst viele auf einer Plattform unterbringen können.

In diesem Zusammenhang ist ein weiterer Punkt wichtig: Wir brauchen ein standardisiertes Launcher-System, das Drohnen-unabhängig funktioniert. Man kann nicht bei jeder neuen Drohne die Fahrzeugplattform anpassen – es muss umgekehrt sein.

80 Prozent der israelischen Luftoperationen sind unbemannt. Zukünftig könnten auch Kampfpanzer mit eigenen loiternden Waffensystemen und Drohnen ausgestattet werden.
Beispiel für ein Launcher-System für Drohnen.
Foto: UVision

Dann – weiterhin unterhalb der Heeresflugabwehrtruppe – stellt sich die Frage, wie sich in die Truppenstrukturen ein System integrieren lässt, das Nah- und Nächstbereichsschutz bietet und zum Beispiel jeden Kompaniegefechtsstand mit einer eigenen Schutzglocke versehen kann. Unsere Antwort ist der EAGLE 6×6, der die notwendige Zuladung mitbringt.

Wir verfolgen zwei Optionen: Erstens das Manned-Unmanned Teaming, bei dem der EAGLE 6×6 als Vehicle Control Unit mehrere unbemannte Boden- oder Luftsysteme führt, die mit Sensorik und Effektorik ausgestattet sind, quasi den bodennahen Luftraum auf taktischer Ebene überwacht. Zweitens der EAGLE 6×6 als Interceptor Carrier – mit dem Ziel, so viele Abfangdrohnen wie möglich auf einem Fahrzeug zu integrieren, um auch Sättigungsangriffe abwehren zu können. Beide Fahrzeugvarianten bilden dann gemeinsam das Schutzschild am Nah- und Nächstbereich.

Wie viele Interceptor-Drohnen sollen mitgeführt werden können?

Genaue Stückzahlen nenne ich aus naheliegenden Gründen nicht öffentlich – das ist für den Gegner relevanter als für den interessierten Leser. Ich kann aber sagen: Es muss im zwei- bis dreistelligen Bereich sein. Das ist gleichzeitig eine Einladung an alle Drohnenhersteller, ihre Interceptoren so klein und kompakt wie möglich zu konstruieren, damit wir möglichst viele auf einer Plattform unterbringen können.

In diesem Zusammenhang ist ein weiterer Punkt wichtig: Wir brauchen ein standardisiertes Launcher-System, das Drohnen-unabhängig funktioniert. Man kann nicht bei jeder neuen Drohne die Fahrzeugplattform anpassen – es muss umgekehrt sein.

Der Piranha IV von GDELS bietet die Trägerplattform des neuen 12cm Mörser 16 für die Schweizer Armee.
Der Piranha IV von GDELS bietet die Trägerplattform des neuen 12cm Mörser 16 für die Schweizer Armee.
Foto: CPM / Navid Linnemann

In Kaiserslautern haben wir eine weitere große Produktionshalle eines Automobilzulieferers übernommen und in sechs Monaten unsere Faltschwimmbrückenproduktion dorthin ausgelagert – damit verdoppeln wir die Fertigungskapazität für unsere Amphibie M3 im Stammwerk. Am Bodensee in Immenstaad entsteht ein neues Werk für die PIRANHA-Produktion, und in Süddeutschland wird es einen weiteren großen Standort geben. Dort werden wir dann erstmals den Schritt machen, dass wir eine gesamte Fabrik inklusive der Belegschaft übernehmen, um schnellstmöglich unsere Skalierung hochzufahren.

Wir sprachen anfangs über Luftverteidigung und jetzt gerade über industriellen Aufwuchs. Ich versuche die beiden Themen einmal zu kombinieren: Wenn GDELS neue Fabriken baut oder übernimmt, denken Sie dann auch daran, wie Sie diese Fabriken im Falle des Falles schützen können?

Ja, definitiv. Standorte wählen wir nicht nur nach logistischen und industriellen, sondern auch nach geostrategischen Kriterien aus. Dass Kaiserslautern in der Nähe von Ramstein liegt und damit unter einem Luftverteidigungsschirm der US-Streitkräfte steht, ist kein Zufall. Neben klassischen unternehmerischen Faktoren wie Infrastruktur, Fachkräfteverfügbarkeit und Know-how-Transfer gehört die Verteidigungsfähigkeit des Standortes ausdrücklich zu unserem Anforderungsprofil.

Zuletzt wurde Ihre Kooperation mit Alpha Robotics bekannt – einem Hersteller ziviler UGVs. Was hat Sie überzeugt?

Wir haben uns den Markt unbemannter Systeme und auch der neuen Player im Defence-Bereich angeschaut. Die zahlreichen Hersteller von Drohnen und unbemannten Fahrzeugen sind ja aufgrund ihrer Medienpräsenz und Verlautbarungen leicht zu finden.  Wir haben uns gefragt: Wie viel Substanz und Anwendungsrealität sind denn tatsächlich vorhanden? Da hat uns Alpha Robotics aus mehreren Gründen überzeugt: Das Unternehmen verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung mit unbemannten Systemen im realen Einsatz – konkret in der Brandbekämpfung.

Unbemannte Komponente: GDELS wird seinen Kunden solide UGVs für Manned-Unmanned Teaming anbieten – zeitnah.
GDELS wird seinen Kunden solide UGVs für Manned-Unmanned Teaming anbieten – zeitnah.
Foto: GDELS

Bei näherer Analyse haben wir festgestellt, dass ein Großbrandszenario einem Gefechtsfeldszenario in vielerlei Hinsicht ähnelt: vergleichbare Anforderungen an Autonomie, Robustheit und Koordination. Dieses Wissen lässt sich gut auf militärische Anwendungen übertragen. Zudem denkt Alpha Robotics nicht von der Plattform her, sondern vom Netzwerk – und ist in der Lage, Boden- und Luftdrohnen kombiniert und resilient einzusetzen.

Können Sie mehr über die zukünftigen Produkte sagen, vielleicht auch in Bezug auf die Größenkategorien?

Wir definieren unsere Produktpalette nicht über Gewichtsklassen, sondern über militärische Use Cases. Brauche ich ein System, das die Mobilität eines Infanteristen abbildet, muss das unbemannte System entsprechend agil sein. Brauche ich eines für mechanisierte Kräfte, muss es deren Geschwindigkeit und Geländegängigkeit erreichen. Unser Anspruch ist, eine bodengebundene Plattform vorzustellen, die höchste Mobilität mit amphibischen Fähigkeiten verbindet – eine Kombination, die ich im Markt bisher nicht sehe. Wir werden unsere Expertise mit der von Alpha Robotics bündeln und für verschiedene, militärische Anwendungen ganz konkrete Lösungen empfehlen – Wir werden es weniger medial machen, aber wir werden zeigen, was zu leisten wir im Stande sind.

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