LORA in der Nacht: Marine testet israelische Raketen im Nordatlantik

Zwei deutsche Fregatten haben im Nordatlantik – irgendwo zwischen Irland und Island – erstmals die containergestützte Version LORA getestet. Die Raketen haben laut Marine eine Reichweite von 500 Kilometern; so viel wie der Taurus. Sollte die Bundeswehr das System beschaffen, wäre dies ein weiterer Baustein auf dem Weg zu weitreichenden Präzisionswaffen.

LORA-Artillerieraketensystem auf einem Schiff der Deutschen Marine im Nordatlantik: Startgeräte auf dem Deck und Raketenstart
Die dreiteilige Bildmontage zeigt den nächtlichen Start von LORA auf einer deutschen Fregatte im Nordatlantik.
Foto: Bundeswehr / EKT

Die deutsche Marine hat in einer bisher geheim gehalten Übung im Seegebiet zwischen Irland und Island erstmals eine ballistische Rakete des Typs LORA abgeschossen. Marine-Inspekteur Vizeadmiral Jan Christian Kaack zeigte sich hochzufrieden: Mit dem Schuss habe man „Marinegeschichte geschrieben“.

„Zum Schutz Deutschlands und unserer Verbündeten stellt diese Erprobung ein neues Kapitel in Sachen Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft auf See dar“, ergänzte Vizeadmiral Kaack. Mit 500 Kilometern stellte die Marine zudem eine höhere Reichweite fest als vom israelischen Anbieter angegeben. Dort wird die Zahl 400 genannt.

LORA: Hohe Reichweite für die Marine

LORA steht für „Long Range Attack“ und wird von Israel Aerospace Industries (IAI) hergestellt. Die vom israelischen Hersteller als taktische Rakete für Präzisionsschläge beworbene Waffe wird in einem Startcontainer transportiert und lässt sich dadurch vergleichsweise unkompliziert auf Schiffen einsetzen.

Nach Angaben von IAI trifft LORA dank kombinierter GPS/TV-Zielsteuerung mit einer Genauigkeit von etwa 10 Metern. Eine luftgestützte Variante – Air LORA – erreicht laut Herstellerangaben Überschallgeschwindigkeit und ist für den Einsatz gegen gut geschützte Ziele wie Kommandozentralen oder Luftwaffenstützpunkte gegnerischen Hinterland ausgelegt. Zu bisherigen Käufern gehört Griechenland. Das Land hatte im vergangenen Dezember beide Versionen bestellt (Defence Network berichtete).

Tiefschlagfähigkeiten für Deutschland

Der heutige Test und mögliche Kauf von LORA lässt sich als Bestandteil einer aktuell laufenden Initiative Deutschlands beschreiben. Das mehrschichtige Rüstungsvorhaben sieht vor, die Tiefschlagfähigkeiten Deutschlands in mehreren Bereichen und Preisklassen auszubauen. 12 Milliarden Euro stehen dafür im Raum.

Mit dem System LORA hätte die Bundeswehr neben dem Marschflugkörper Taurus eine zweite kurzfristig verfügbare Waffe gegen weit entfernte Landziele. Parallel dazu plant die Bundesregierung den Kauf US-amerikanischer Tomahawk-Mittelstreckenwaffen mit einer Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern. Zudem sollen auch eigene Systeme mit europäischen Partnern entwickelt werden.

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