Vom lasergelenkten Raketenwerfer für Spezialkräfte bis zum autonomen Geländefahrzeug mit Bodenradar: Thales nutzte die ILA Berlin 2026, um zwei taktische kompakte Waffensysteme zu präsentieren, die auf die Lehren aus dem Ukraine-Krieg reagieren – aber gar nicht fliegen können.
Die ILA Berlin ist traditionell eine Messe der Luftfahrt, doch Thales nutzte diesen Rahmen, um auch bodengebundene taktische Systeme in den Fokus zu nehmen. Zwei Exponate waren prominent auf dem Messestand im Außengelände platziert:
Ein Polaris MRZR Alpha mit einem Fünffach-Launcher für 70-mm-Flugkörper sowie ein SAND-X Dual Operating Vehicle (DOV) von Eiselin Landsystems, ausgestattet mit dem Ground Observer 12 Radar auf einem klappbaren Mastsystem. Beide Systeme verbindet laut Thales ein gemeinsamer Ansatz: maximale Wirkung bei minimaler Signatur und Besatzung.
Die ILA Berlin ist traditionell eine Messe der Luftfahrt, doch Thales nutzte diesen Rahmen, um auch bodengebundene taktische Systeme in den Fokus zu nehmen. Zwei Exponate waren prominent auf dem Messestand im Außengelände platziert:
Ein Polaris MRZR Alpha mit einem Fünffach-Launcher für 70-mm-Flugkörper sowie ein SAND-X Dual Operating Vehicle (DOV) von Eiselin Landsystems, ausgestattet mit dem Ground Observer 12 Radar auf einem klappbaren Mastsystem. Beide Systeme verbindet laut Thales ein gemeinsamer Ansatz: maximale Wirkung bei minimaler Signatur und Besatzung.
Polaris MRZR Alpha ist im Spezialoperationsbereich keine unbekannte Plattform. Das kompakte, geländegängige Fahrzeug ist bereits bei ukrainischen, US-amerikanischen und anderen Spezialkräften im Einsatz. Auf der ILA zeigte Thales das Fahrzeug mit einem Fünffach-Launcher für gelenkte und ungelenkte 70-mm-Flugkörper. Prädestiniert sei der Werfer für das Raketensystem FZ275 LGR – Laser Guided Rocket.
Die Waffe entstammt dem Luftfahrtbereich und ist unter anderem am Kampfhubschrauber Tiger als 19-fach-Werfer im Einsatz. Für den Einsatz am Boden wurde er auf fünf Rohre reduziert, perspektivisch ist das System auch für den neuen leichten Kampfhubschrauber der Bundeswehr im Gespräch.
Das Wirkprinzip ist bewusst schlicht gehalten. So verzichtet beispielsweise der Werfer vollständig auf elektrische oder hydraulische Richtsysteme, alles läuft rein mechanisch. Der Soldat im Fahrzeug kann den Raketenwerfer grob ausrichten. Die Präzision übernimmt die Rakete nach dem Abschuss selbst. Das Ziel wird von außen angelasert – ob vom Fahrzeug, einer Drohne, oder beispielsweise einer anders positionierten Spezialkraft – und die FZ275 LGR schaltet sich im Flug auf den Zielpunkt auf. Das Fahrzeug muss nur grob in Zielrichtung ausgerichtet sein.
Ein Werfer-Team besteht aus zwei Fahrzeugen auf der Polaris MRZR Alpha Plattform. Das erste Fahrzeug hat den Werfer auf dem Dach/Überrollkäfig montiert. Es kann insgesamt drei Kampfbeladungen – also 15 Raketen – mitführen. Das zweite Fahrzeug ist das Munitionsfahrzeug. Je nach Kundenauslegung kann es 40 oder mehr Raketen mitführen. Die Fahrzeuge wurden umgesetzt durch den Fahrzeugspezialisten und Polaris-Vertreter Diederich Engineering Systems (D.E.S. Defense).
Die Fahrzeuge können als Außen- oder Innenlast in Luftfahrzeugen wie dem Airbus A400M, Lockheed C-130 Hercules, Boeing CH-47 Chinook oder Sikorsky CH-53 verbracht werden. Auch andere Luftfahrzeugmuster wären denkbar, sollte das Fahrzeug in der aktuellen Konfiguration dann aber zu hoch sein, bietet D.E.S. ein hydraulisches System für den Einzug des Werfers ins Fahrzeuginnere an. Dieser Ein- oder Ausfahrvorgang würde jeweils nur 20-30 Sekunden dauern. Per Knopfdruck würde der Werfer nach dem Verlassen des Luftfahrzeuges in die Kampfposition gebracht.
SAND-X DOV mit GO12
Das zweite Exponat am Thales-Stand war das SAND-X Dual Operating Vehicle (DOV) von Eiselin Landsystems – ein Hybridfahrzeug, das sowohl bemannt als auch per Fernsteuerung oder autonom über ein Mesh-Netzwerk betrieben werden kann. Thales zeigte das Fahrzeug in Berlin mit seinem neuen Ground Observer 12 Radar (GO12).
Das GO12 ist mit knapp 20 Kilogramm leicht genug, um von einer oder zwei Personen getragen zu werden, und bereits in sehr großer Stückzahl im Einsatz, allein für die Ukraine wurden laut Thales bislang über 500 Systeme geliefert, die Gesamtstückzahl soll langfristig auf über 1.300 anwachsen, auch die Bundeswehr beschafft zunächst 60 dieser Systeme.
Ursprünglich wurde das GO12 für die Bodenbeobachtung entwickelt. Fahrzeugziele bis 25 Kilometer, Personenziele bis rund 12 Kilometer sollen so detektierbar sein. Doch die Einsatzerfahrung aus der Ukraine habe laut eines Unternehmensvertreters in Berlin das Einsatzprofil deutlich erweitert.
Das Radar kann ebenso Drohnen detektieren und in gewissem Umfang klassifizieren, wird für Counter-Artillery-Aufgaben genutzt und ermöglicht es, elektronische Kampfführung der russischen Seite zu lokalisieren und in ihrer Wertigkeit einzuschätzen. Laut Thales Firmware-Updates haben diese Fähigkeiten sukzessive nachgeschärft.
Das klappbaren Mastsystem bringt das Radar automatisch auf die Arbeitshöhe. Laut einem Vertreter von Thales könnte das Mastsystem auch größere, schwerere und leistungsfähigere Bodenaufklärungsradare oder andere Sensoren aufnehmen. Thales überarbeitet seine Ground Observer-Familie aber gerade und das neue GO12 bietet aktuell die neuste Technik. Weitere Modelle sollen demnächst folgen
Das SAND-X DOV erreicht Geschwindigkeiten von über 120 km/h, hat einen 40-Liter-Tank mit einer Reichweite von über 300 Kilometern und ist für nahezu jedes Gelände ausgelegt – im Sommer wie im Winter. Im Remote-Modus lässt es sich per Fernsteuerung bis zu 10 Kilometer weit steuern; über das Mesh-System können mehrere Fahrzeuge miteinander vernetzt werden, wobei jedes als Repeater fungiert.
Das Fahrzeug soll in erster Linie praktische Einsatzeigenschaften liefern. Die sowohl bemannte als auch unbemannte Nutzung ermöglicht es beispielsweise einem Trupp, mit dem SAND-X bis an den Rand der Killzone zu fahren und für eine bessere Aufklärung das Fahrzeug allein weiter vorrücken zu lassen. Auch lässt sich das Fahrzeug so Kameraden an der Front zur Verfügung stellen – ähnlich wie seinerzeit K.I.T.T. in der TV-Serie Knight Rider.
Sechs Kameras – darunter Thermal- und Steuerungskameras – sind serienmäßig an Bord. Neben Aufklärung und Logistik ist auch Medical Evacuation ein mögliches Einsatzszenario: In der möglichen Tragevariante ließe sich das Fahrzeug beispielsweise auf Knopfdruck unbemannt in die Nähe verwundeter Soldaten schicken.
Vor allem bietet der unbemannte Einsatz auf der sogenannten letzten Meile eine Option zur abstandsfähigen Aufklärung/Einsatz, ohne eigene Kräfte gefährden zu müssen. Diese können das Fahrzeug aus sicherer Entfernung, einem Versteck oder sogar einem Bunker herausführen.
Systeme, die aus der Praxis kommen
Was beide Thales-Exponate auf der ILA verbinden soll, ist ihr pragmatischer Ansatz: keine Überentwicklung, dafür bewährte Technologie in neuen Konfigurationen. Die lasergelenkte 70-mm-Rakete kommt aus der Luft, wirkt jetzt vom Boden. Das GO12 war für die Sahelzone gedacht und klassifiziert heute russische Elektronikkampfführung.
Beide Systeme sind durch echten Kriegseinsatz gereift und genau das dürfte eine größere Rolle spielen als der bloße Vergleich technischer Daten.
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