Kartellamt gibt Weg für EloKa-Bündnis frei

Baut dieses Gemeinschaftsunternehmen den nächsten Störpanzer?

Navid LinnemannNavid Linnemann

Das Bundeskartellamt hat heute die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens von Hensoldt, Rohde & Schwarz, Plath und General Dynamics European Land Systems-Bridge Systems genehmigt. Laut Mitteilung der Behörde könne das Unternehmen im Hinblick auf „einen noch zu vergebenden, komplexen Auftrag des Bundes zur Beschaffung von Mitteln der elektronischen Kampfführung“ gegründet werden. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um die im Haushaltsausschuss gescheiterte Beschaffung neuer Störpanzer handelt.

Zwei Transportpanzer Fuchs des Bataillons Elektronische Kampfführung 932 fahren auf einer staubigen Piste durch unwegsames Gelände
Zwei für den elektronischen Kampf ausgerüstete Transportpanzer Fuchs des Bataillons Elektronische Kampfführung 932 – Doch die bisherigen Störpanzer müssen laut Bundeswehr durch neue Systeme ersetzt werden.
Foto: Bundeswehr / Carl S.

Für die Aufklärung und gegebenenfalls Störung gegnerischer Funkverbindungen nutzt die Bundeswehr bislang gepanzerte Fahrzeuge auf Basis des Transportpanzers Fuchs. Störpanzer fangen gegnerischen Sprech- und Datenfunk ab und stören ihn. Eine Fähigkeit, die zunehmend auch für die Abwehr unbemannter Systeme als wichtig gilt.

Die bisherigen Systeme HUMMEL und HORNISSE sind – trotz Kampfwertsteigerung – in die Jahre gekommen; ihre Nachfolge sollte längst beschlossen sein.

Beschaffungsaus im Januar

Noch im Januar 2026 berichtete Defence Network über das Aus für die MAUS, jenem neuen Aufklärungsunterstützungssystem, das als Ersatz für die HUMMEL angedacht war. Der Haushaltsausschuss verweigerte die vom Verteidigungsministerium angestrebte Direktvergabe von 90 Fahrzeugen an Rohde & Schwarz.

Als Gründe nannten Abgeordnete unzureichenden Schutz, überholte Annahmen angesichts des Ukrainekriegs und mangelndes Vertrauen in den Hauptauftragnehmer. Die MAUS sollte auf einer 6×6-Plattform von GDELS entstehen, wie sie als Sanitäts-EAGLE bereits in die Bundeswehr eingeführt wurde.

Neue EloKa-Systeme – Freigabe für das Bündnis

Das BMVg sollte nach dem Aus im Ausschuss ein neues Vergabeverfahren für ein vergleichbares, aber besser geschütztes System starten – mit mehr Wettbewerb, etwa durch Hensoldt oder Plath. Genau diese Unternehmen haben sich jetzt allerdings mit Rohde & Schwarz zusammengeschlossen, um ein neues, eigenständiges Unternehmen zu gründen – kein projektbezogenes Joint Venture, wie es aus Industriekreisen heißt.

Die durch die Parlamentarier geforderte Konkurrenz um ein neues System könnte nun also durch ein Bündnis ersetzt werden, bei dem mehr als nur ein Unternehmen seine Kompetenzen einbringen soll. Eine Bewertung, die auch das Kartellamt vornimmt.

„Unsere Ermittlungen haben bestätigt“, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt heute, „dass die beteiligten Unternehmen ohne die Zusammenarbeit in einem Gemeinschaftsunternehmen voraussichtlich nicht in der Lage wären, die Anforderungen dieses Projektes zu erfüllen.“ Die Kooperation setze die Unternehmen erst in die Lage, sich mit einem entsprechenden Angebot zu bewerben.

Die Bundeswehr habe als Auftraggeber konkrete Anforderungen an die zu beschaffenden Systeme, die eine Zusammenarbeit erforderlich machten. Die Kooperation beschränke sich auf das konkrete Vorhaben und lasse keine darüber hinausgehende Beeinträchtigung des Wettbewerbs zwischen den Unternehmen erwarten, heißt es in der Kartellamtsmeldung weiter.

EloKa – bisherige Systeme der Bundeswehr

Mit der HUMMEL betreibt die Bundeswehr derzeit einen Störpanzer für die Frequenzbereiche VHF (Very High Frequency, 30 MHz bis 300 MHz) und UHF (Ultra High Frequency, 300 MHz bis 3 GHz). 

Die HORNISSE wird hingegen für den Frequenzbereich HF (High Frequency, 3 bis 30 MHz) eingesetzt. In diesem Bereich werden höhere Reichweiten erzielt. In der militärischen Nutzung dienen diese Frequenzen für die Kommunikation mit höheren Führungsebenen. Im Gegensatz zu VHF und UHF sind keine Sichtverbindungen notwendig.

Das geschützte Radfahrzeug 8x8 Piranha 5 (hier in der Ausstattungsvariante StratCom) könnte auch für neue Störsender der Bundeswehr infrage kommen.
Das geschützte Radfahrzeug 8x8 Piranha 5 (hier in der Ausstattungsvariante StratCom) könnte auch für neue Störsender der Bundeswehr infrage kommen.
Foto: CPM / Sascha Schürmann

Ersatz für die HORNISSE sollte nach bisherigen Informationen gemeinsam mit dem niederländischen Verteidigungsministerium beschafft werden. Anfang Juni wurde Hensoldt mit der Lieferung entsprechender EloKa-Systemen im niederländischen Projekt „Knifefish“ beauftragt. Basis hier der Radpanzer Piranha 5 von GDELS. Die Bundeswehr beschafft die gleichen Systeme im Rahmen von TaWAN. Auch für das jetzt freigegebene EloKa-Bündnis könnte der Piranha 5 als Trägerplattform infrage kommen.

EloKa-Bündnis nach Kartellamtsentscheidung

Belegt ist bisher nur der Rahmen. Unklar ist, ob es sich bei der heute verkündeten kartellrechtlichen Entscheidung tatsächlich um neue Störpanzer für die Bundeswehr handelt. Die genannten Unternehmen – Hensoldt, Rohde & Schwarz, Plath und General Dynamics European Land Systems-Bridge Systems – lassen jedoch genau das vermuten.

Unklar ist auch, ob HUMMEL, HORNISSE oder beide Systeme (womöglich auf einer Plattform) durch das zu gründende Gemeinschaftsunternehmen ersetzt werden könnten.

Die Freigabe ändert nichts an der Vergabe selbst: Ein Zuschlag steht noch aus, und die Unternehmen bewerben sich zunächst nur. Klarheit dürften erst Stellungnahmen der Firmen, Vorlagen an den Haushaltsausschuss oder eine entsprechende Ausschreibung des BMVg bringen.

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