In Fachbeiträgen auf der großen Bühne und parallel stattfindenden Panels wird auf der LOG.NET eine zentrale Frage fortgeführt, die spätestens seit der russischen Vollinvasion in die Ukraine die Logistiker der Bundeswehr umtreibt: Funktionieren die im Angesicht Internationalen Krisenmanagements etablierten logistischen Abläufe auch bei der Landes- und Bündnisverteidigung? In anderen Worten: Kann die Logistik der Bundeswehr auch Masse?
Warum diese Frage besser gestern als heute beantwortet werden sollte, machte Brigadegeneral Lungershausen in Koblenz klar: Bereits 2029 – also in vier Jahren – könnte Russland in der Lage und willens sein, NATO-Gebiet anzugreifen. „Im Rahmen unserer Bündnisverpflichtung bedeutet das“, erklärte der General, „dass uns nur noch wenige Jahre bleiben, die Bundeswehr so zu befähigen, dass wir durch sie und die Streitkräfte der NATO Russland von vornherein hiervon abhalten können.“
Eine wirksame Abschreckung ist das Stichwort. Diese resultiert gerade auch aus der Fähigkeit, Material rechtzeitig und vollständig an die benötigte Stelle zu befördern – Kernaufgabe der Logistik. Am Vormittag der LOG.NET 2025 ging es jedoch nicht um die Arbeit der Bundeswehr-Logistiker allein. Für eine gesamtgesellschaftliche Verteidigung müsse eben jeder seinen Teil leisten. Das gilt für die Logistiker der Bundeswehr, aber auch für das zivile Gewerbe, das Brigadegeneral Lungershausen in Koblenz explizit ansprach.
Das zivile Gewerbe ist Teil der Verteidigung
„Sie alle“, so der stellvertretende Kommandeur des Logistikkommandos, „spielen eine gewichtige Rolle in der Sicherstellung unserer Sicherheit und Verteidigung unseres Landes.“ Im Verteidigungsfall müsste die Bundeswehr auch auf zivile Kapazitäten der Logistik zurückgreifen können, um beispielsweise im Rahmen der Drehscheibe Deutschland verbündete Truppen und deren Material durch das Bundesgebiet zu befördern.
Nur so könne die Kriegstüchtigkeit der Streitkräfte gewährleistet werden. Brigadegeneral Lungershausen sprach einige Besonderheiten der Industrie an. Klare Rahmenbedingungen müssen durch die Regierung geschaffen werden. „Dazu könnten Förderprogramme zählen, Sicherheitsinvestitionen, aber auch der Schutz vor Cyberangriffen“, führte Brigadegeneral Lungershausen auf der LOG.NET aus.
Cyberangriffe, unter denen europäische Unternehmen im hybriden Kriegs Russlands bereits jetzt zu leiden haben, sind besonders für die Logistik im rückwärtigen Raum kritisch. Die Bereitschaft zur gesamtgesellschaftlichen Verteidigung fordere daher auch von den Unternehmen, „moderne Sicherheitstechnologien und Cybersicherheitsmaßnahmen anzuwenden; Ihre kritische Infrastruktur zu schützen, aber auch – ebenfalls als Wirtschaft – resiliente Strukturen anzustrengen.“
LOG.NET: Nur eine resiliente Wirtschaft dient der Verteidigung
Die Anforderungen an die zivile Seite, um im Ernstfall mit der Bundeswehr zusammenarbeiten zu können, liegen auf dem Tisch. Dazu gehöre nach Ansicht von Brigadegeneral Lungershausen ebenfalls, Notfallpläne zu überdenken und sich Lieferketten auf etwaige Abhängigkeiten genau anzusehen.
„Eine resiliente Wirtschaft – die wir brauchen – kann schneller auf unerwartete Herausforderungen reagieren“, lautete daher das Fazit des Generals. Auf der LOG.NET wird heute und morgen daher über Resilienz im zivilen Gewerbe gesprochen werden. Die Veranstaltung dient allerdings auch dafür, den Austausch zwischen der Industrie und Streitkräften zu vertiefen: Welche Bedarfe gibt es in der Truppe, welche technologischen Errungenschaften kann die Industrie schon heute liefern? Das und mehr ist Thema in Koblenz.
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