Gestern ging der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages den zweiten Schritt in Richtung neuer Fregatten für die Marine. Der im Januar geschlossene Vorvertrag zur Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU von TKMS wurde demnach auf rund 250 Millionen Euro ausgeweitet. Die Schiffe sollen eine Lücke bei der U-Boot-Jagd schließen, die durch Verzögerungen beim Fregattenprojekt F126 entstanden ist. Währenddessen gehen die Verhandlungen zur Übernahme der F126 mit der zu Rheinmetall gehörenden Naval Vessels Lürssen (NVL) weiter.
Der Haushaltsausschuss hat gestern einem Änderungsvertrag zur möglichen Beschaffung von vier Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU zugestimmt. Der Vertrag verlängert den bereits im Januar 2026 geschlossenen Vorvertrag zwischen dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) und ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS).
Gleich zwei Tagesordnungspunkte behandelten die nächsten deutschen Fregatten – einmal als „Beschaffung Fregatte 126 – Alternative Plattform“ in der Höhe von insgesamt 240 Millionen Euro und dann mit rund 56 Millionen Euro in Bezug auf „Weitere teilweise Aufhebung der qualifizierten Sperre der Ausgaben im Wirtschaftsplan 2026 des Sondervermögens“.
„Die Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd haben eine hohe Bedeutung für die Landes- und Bündnisverteidigung“, schrieb das Bundesministerium der Verteidigung gestern. Ursprünglich sollte das niederländische Unternehmen Damen sechs Fregatten mit der Bezeichnung F126 genau für diese Aufgabe bauen. Im vergangenen Herbst wurde aufgrund von Verzögerungen ein (wackeliger) Schlussstrich unter das Projekt gezogen.
„Daher“, so das BMVg weiter, „strebt das Bundesministerium der Verteidigung parallel zu den Verhandlungen zur Fortsetzung des Projektes F126 mit Naval Vessels Lürssen (NVL), die Beschaffung von vier marktverfügbaren Fregatten MEKO A-200 als Brückenlösung an.
Der bisherige Vorvertrag ermöglichte es dem Hersteller, Fertigungskapazitäten bei Unterauftragnehmern und Zulieferern zu reservieren sowie bereits Material, Anlagen und Geräte zu bestellen. Ein endgültiger Bauvertrag steht noch aus; die dafür notwendigen Zwischenschritte – Angebotsauswertung, Preisprüfung und formelle Vertragsgestaltung – sollen laut Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) schnellstmöglich abgeschlossen werden.
MEKO A-200 DEU
Bei der MEKO A-200 DEU handelt es sich um eine Mehrzweckfregatte des deutschen Rüstungskonzerns TKMS, die auf der bewährten, weltweit exportierten MEKO-Plattform (Mehrzweck-Kombination) basiert.
Das Konzept wurde in den 1980er-Jahren von der Hamburger Werft Blohm + Voss entwickelt und zeichnet sich durch einen modularen Aufbau aus, der eine flexible Konfiguration von Waffen- und Sensorsystemen je nach Kundenwunsch erlaubt.
Schiffe der MEKO-Familie sind bei zahlreichen Marinen weltweit im Einsatz, darunter Südafrika, Neuseeland und Ägypten. Die erste MEKO 200 wurde 1987 in der Türkei (F240 Yavuz) in Dienst gestellt.
Die jetzt für Deutschland vorgesehene Brückenlösung soll mit nationalen und europäischen Systemen ausgestattet werden und einen besonderen Fokus auf die U-Boot-Jagd (Anti-Submarine Warfare, ASW) legen.
MEKO A-200 DEU – Technische Kenndaten
- Länge: 121 m
- Breite:16,4 m
- Tiefgang: 4,4 m
- Verdrängung: ca. 3.950 t (voll beladen)
- Besatzung: 125 (Kernbesatzung) + 49 zusätzliches Personal
- Höchstgeschwindigkeit: bis zu 29 Knoten
- Antrieb: CODAG-WARP (Diesel-Gasturbinen-Kombination)
- U-Jagd-Bewaffnung: Rumpfsonar, Torpedorohre, 1 bis 2 Bordhubschrauber (z. B. NH90), Drohnen
- Signaturreduktion: Stealth-Rumpfform (X-Form), reduzierte Infrarotsignatur
- Geschätzter Stückpreis: ca. 1 Mrd. Euro
Nach Angaben des Ministeriums wird weiter mit NVL als möglichem neuen Generalunternehmer für das Projekt F126 verhandelt. Das BMVg erklärt: „Vor diesem Hintergrund wurden marktverfügbare Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU als Brückenlösung und Ergänzung gesichtet.“
NATO-Forderung: Deutschland braucht die Fregatten schnell
Da die NATO konkrete Forderungen an Deutschland zur Fähigkeit der U-Boot-Bekämpfung stellt, droht ohne eine Zwischenlösung eine sicherheitspolitisch relevante Fähigkeitslücke. Der zweigleisige Ansatz könnte sich am Ende auszahlen:
TKMS hat eine Lieferung des ersten Schiffes MEKO A-200 DEU bis Dezember 2029 in Aussicht gestellt – ein Termin, der nach Einschätzung des Ministeriums die rechtzeitige Erfüllung der NATO-Verpflichtungen ermöglichen würde.
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