Der griechische Nachtsicht-Spezialist THEON hat heute offiziell seine neue Fertigungsanlage im belgischen Zaventem bei Brüssel eingeweiht. Hier läuft die Serienproduktion eines hochmodernen Nachtsicht- und Wärmebildgeräts für die belgischen und deutschen Streitkräfte. Herzstück ist IRIS-C, ein Wärmebild-Clip-On, das zudem Augmented-Reality-Informationen anzeigen und sich mit Battle-Management-Systemen verbinden kann. Der an der Eröffnung teilnehmende belgische Verteidigungsminister, Theo Francken, positionierte Belgien als zukünftigen Netzwerk- und Produktionsstandort europäischer Rüstungsindustrie.
Die Eröffnung der THEON-Produktionsstätte in Zaventem bei Brüssel markiert einen bedeutenden Schritt in der europäischen Verteidigungslandschaft. Anwesend waren neben dem belgischen Verteidigungsminister Theo Francken auch Vertreter der beteiligten Nationen sowie der gemeinsamen Rüstungsagentur OCCAR, die das zugrundeliegende Beschaffungsprojekt für Belgien und Deutschland betreut.
Firmengründer und CEO Christian Hadjiminas zeigte sich bewegt von der Bedeutung des Moments: „Wir hatten am Anfang eine gewisse Zurückhaltung gegenüber Belgien. Das hat sich schnell in Begeisterung verwandelt, als wir die Tiefe der belgischen Industriepartner entdeckt haben.“ Der THEON-CEO sprach in diesem Zusammenhang besonderen Dank an die OCCAR aus, für die THEON bereits zum zweiten Mal einen Auftrag durchführen dürfe.
Das Produkt: IRIS-C – Wärmebild trifft Augmented Reality
Im Mittelpunkt der neuen Fertigung steht das Gerät IRIS-C, ein Miniatur-Wärmebildgerät, das auf eine Nachtsichtbrille montiert wird und ein sogenanntes fusioniertes Bild erzeugt.
Wie Philippe Mennicken, stellvertretender CEO und BD-Direktor von THEON, gegenüber Defence Network erläuterte, vereint das System die jeweiligen Stärken beider Technologien. Der Soldat erhält auf dem einen Auge die Informationen der Nachtsichtbrille, auf dem anderen das Wärmebild.
Doch THEON IRIS-C geht über reine Bilderfassung hinaus. Das Gerät verfügt zusätzlich über eine Augmented-Reality-Funktion, die es ermöglicht, Lagedaten direkt ins Blickfeld des Soldaten einzuspielen: GPS-Koordinaten, Positionen von Kameraden oder feindlichen Kräften lassen sich einblenden.
Mennicken betonte dabei die Notwendigkeit eines durchdachten Informationsmanagements: „Hier muss man aufpassen, dass nicht zu viele Daten oder permanent Daten eingeblendet werden, weil sonst kann der Soldat in der Tat überfordert werden.“
CEO Hadjiminas hob die strategische Bedeutung des Produkts hervor: „Dies ist das erste digitale Produkt von THEON, das in Serie gefertigt wird. Wir leben in unserem Bereich noch weitgehend in der analogen Welt – dieser Standort markiert den Übergang ins digitale Zeitalter.“
OCCAR als Modell für europäische Rüstungsintegration
Für Hadjiminas steht hinter der Produktion in Zaventem mehr als ein einzelner Auftrag. Das gemeinsame Beschaffungsprojekt von Belgien und Deutschland über OCCAR sieht er als Blaupause für die Zukunft der europäischen Verteidigungsindustrie.
Die europäische Rüstungslandschaft leide traditionell unter starker Fragmentierung, weil jede Nation verständlicherweise die eigene Industrie schütze. Das Ergebnis seien viele ähnliche Unternehmen in verschiedenen Ländern – ohne optimale Ressourcennutzung.
„Was OCCAR und die beiden Nationen hier geleistet haben, ist sehr wichtig: Sie haben die beste technische Lösung ausgewählt und gleichzeitig die Wertschöpfung effizient auf die beteiligten Nationen verteilt. Das ist der Kern dessen, wohin Europa gehen sollte“, erklärte Hadjiminas.
Auch die deutsche Industrie ist an der Beschaffung beteiligt. So ist die Berliner Andres Industries AG für Wartung und Instandhaltung der 5.000 Geräte aus dieser Beschaffung zuständig. THEON hält 10 Prozent Anteile an dem Unternehmen.
Belgischer Verteidigungsminister: „Jobs, Jobs, Jobs“ und strategische Stärke
Verteidigungsminister Theo Francken begrüßte die Ansiedlung in seinem eigenen Wahlkreis Zaventem bei Brüssel mit sichtlicher Freude und unterstrich die wirtschaftliche wie strategische Bedeutung der neuen Produktion. Seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr seien bereits ein halbes Dutzend neue Produktionsstätten in Belgien eröffnet worden. Er gehe davon aus, „bald monatlich Eröffnungen“ begleiten zu dürfen.
Der belgische Verteidigungsminister sei aber auch „sehr froh“, dass man einen großen Vertrag gemeinsam mit Deutschland abgeschlossen habe. „Einem Land“, so Francken, „das endlich eine führende Rolle beim Wiederaufbau unserer Verteidigung und unserer Verteidigungsfähigkeiten in Europa, auf europäischem Boden, übernimmt.“
Francken betonte zudem die besondere Attraktivität des Standorts Brüssel für die Verteidigungsindustrie: Die räumliche Nähe zu NATO, EU, OCCAR und EDA schaffe ein einzigartiges Netzwerk. „Networking hier ist nicht dasselbe wie Networking in Athen oder irgendwo im Norden Europas. Das ist unsere Stärke.“
Mit der Ausrichtung der ersten Brussels European Defence Exhibition & Conference (BEDEX) sei zudem vor wenigen Tagen eine neue Plattform für dieses Netzwerk geschaffen worden.
Gleichzeitig sprach der Minister offen das politische Dilemma an, das mit steigenden Verteidigungsausgaben einhergeht: Mehr Geld für die Verteidigung müsse auch in konkrete Arbeitsplätze und wirtschaftliche Vorteile für die Steuerzahler münden. „Jobs, Jobs, Jobs – das ist, was ich hören muss.“
Francken – Daten sind die heutigen Patronen
Den gemeinsamen Kauf von IRIS-C für Belgien und Deutschland bezeichnete er als richtungsweisend, auch angesichts der Entwicklungen der modernen Kriegsführung. Es gehe heute um Technologie, um Digitalisierung, um KI und unbemannte Systeme. Dabei spielen vor allem Sicht und Bildgebung eine zentrale Rolle.
„Wer über die besten Bilder, die beste Sicht, die besten Satelliten und die besten Daten verfügt“, so Minister Francken, der habe den entscheidenden Vorteil auf dem Gefechtsfeld, dessen Soldaten können wirklich 24/7 operieren. „Daten sind die heutigen Patronen.“, fasste Francken den Vorteil durch Informationsüberlegenheit auch auf taktischer Ebene zusammen.
Wachstum geplant: Brüssel als europäischer Hub
Die THEON-Produktionsstätte in Zaventem läuft derzeit mit zwölf Mitarbeitern und fertigt bis zu 500 Geräte pro Monat. Das Wachstum ist fest eingeplant: Weitere Einstellungen, mögliche Erweiterungen der Produktionsflächen sowie zusätzliche Produktlinien sind vorgesehen.
Neben dem laufenden OCCAR-Vertrag für Belgien und Deutschland haben bereits weitere europäische Armeen Interesse bekundet, dem Rahmenvertrag beizutreten, darunter Zypern und Griechenland., wie Defence Network am Rande der Veranstaltung erfuhr.
Das langfristige Ziel geht jedoch weit über einen einzelnen Auftrag hinaus. „Wir wollen Zaventem zu einem Hub für digitale Verteidigungsprodukte für die gesamte Europäische Union ausbauen“, so Mennicken. Belgien, so zeigt der heutige Tag, etabliert sich weiter als Standort für moderne Rüstungsfertigung in Europa – nicht nur für THEON.
Mit WhatsApp immer auf dem neuesten Stand bleiben!
Abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal, um die Neuigkeiten direkt auf Ihr Handy zu erhalten. Einfach den QR-Code auf Ihrem Smartphone einscannen oder – sollten Sie hier bereits mit Ihrem Mobile lesen – diesem Link folgen:





















